Paraguay-Roux
319
Parfümerien
dargestellt und bildet dann eine farblose ölige
Flüssigkeit vom spez. Gew. o,88, die bei 360°
noch nicht zum Sieden gelangt. Es wird in
der Medizin zur Bereitung von Paraffinsalbe
und zu subkutanen Injektionen, in der Technik
zum Einölen von Nähmaschinen, Uhren und
Fahrrädern benutzt. — Bisweilen wird im Handel
als Paraffinfett oder Paraffinschmiere
auch ein dickes Schmieröl bezeichnet, das mit
Paraffin nichts zu tun hat, sondern aus Harzen
hergestellt wird.
Paraguay-Roux (Paratinktur), ein früher
gegen Zahnschmerz angewandtes, jetzt in Vergessenheit
geratenes Heilmittel, ist die alkoholische
Tinktur aus der Parakresse oder Kohlfleckblume
(Spilanthes oleracea), einer in
Südamerika einheimischen, bei uns in Gärten
gezogenen, einjährigen, krautartigen Komposite.
Paranüsse (brasilianische Nüsse) sind die
3V2—4V2 cm langen Fruchtkerne eines großen,
den Myrtengewächsen verwandten Baumes,
Bertholletia excelsa, der im Gebiete des
Orinoko und Amazonenstromes heimisch ist.
Die Samen liegen ursprünglich in einer hartschaligen,
kopfgroßen Frucht und haben infolge
ihrer gedrängten Lage eine dreiseitige Form
mit zwei flachen und einer gewölbten Fläche
erhalten. Ihre holzige oder vielmehr lederartige
Schale ist braun, rauh und quer gerunzelt
und umschließt einen Kern mit rostbrauner
Oberhaut und dichtem weißem Fleisch. Der
Kern enthält bis 670/0 eines milden, geruchlosen
und gelblichen fetten Öls, das Paranußöl,
das dem Mandelöl sehr ähnlich ist, aber
leicht ranzig wird und bei o° erstarrt. Das spez.
Gew. beträgt 0,9184. Man benutzt die P. wie
Alandein oder andere Nüsse als Nahrungs- und
Genußmittel.
Pareirawurzel (amerikanische Grießwurzel,
lat. Radix pareirae bravae, frz. Racine de
Pareire, engl. Velvet leaf), die getrocknete Wurzel
einer Schlingpflanze aus der Familie der
Alenispermazeen, Cissampelos Pareira,
die in Mexiko, Westindien und auch in Ostindien
angetroffen wird, bildet teils zylindrische,
teils plattgedrückte Stücke von oft beträchtlicher
Länge mit rauher, dunkelbrauner bis
schwarzbrauner Rinde, die stellenweise von
Dängsrissen und Querwülsten durchbrochen ist.
Auf dem Querschnitte zeigt sich unter der verhältnismäßig
dünnen Rinde das eigentümlich
Sebaute Holz, das aus 5—8 konzentrischen
Schichten besteht. Die Ringe umgeben oft auch
exzentrisch rinnenartig oder spiralig den Holzkern
und sind durch verdickte Zellen voneina
Uder getrennt. Das poröse Holz der Wurzel
lst gelb und durch dunklere Markstrahlen radial
gestreift. P. schmeckt anfangs süßlich, hinterher
unangenehm bitter, besitzt aber keinen Ger
Uch. Ihre medizinische Verwendung als harntr
eibendes Mittel beruht auf der Anwesenheit
eines Alkaloides, das früher Pelosin genannt
Wur de, aber mit Buxin identisch ist.
, Parfümerien (frz. Parfumeries, engl. Perfumer
fes) nennt man eine Gruppe von Waren, die
s ’ch durch einen besonders feinen Wohlgeruch
a uszeichnen und hauptsächlich zu ToilettenzWecken,
als Riechwässer, Wasch- und Schönneitswässer,
Haaröle, Pomaden, feine Seifen,
Räucheressenzen und Riechkissen Verwendung
finden. Die wohlriechenden Stoffe sind meist
natürlichen Ursprungs und entstammen, abgesehen
von den tierischen Abscheidungen
Moschus, Zibet und Ambra, sämtlich dem Pflanzenreiche.
Ihrer chemischen Zusammensetzung
nach stellen sie entweder ätherische Öle (s. d.)
oder Balsame und wohlriechende Harze dar,
bei denen allerdings das Aroma meist auch
wieder durch ätherisches Öl bedingt wird. Eine
besondere Klasse endlich bilden die flüchtigen
Äther, die sich im reifen Obste bilden
und dessen Duft verursachen. Die ätherischen
Öle können in einzelnen Fällen, wie bei Zitronen
und anderen Südfrüchten, auf mechanischem
Wege durch Auspressen erhalten werden,
der Hauptsache nach gewinnt man sie aber
durch Destillation mit Wasser. Das hierbei mit
übergehende Wasser, das geringe Mengen der
Riechstoffe auflöst, bildet als ätherisches
Wasser einen besonderen Handelsartikel. Bei
leicht zersetzlichen Aromastoffen, die wie viele
Blütendüfte durch Wasser und Hitze zerstört
werden oder nur in außerordentlich geringer
Menge vorhanden sind, müssen andere Arbeitsweisen
benutzt werden. Am ältesten ist das
Absorptionsverfahren (Enf leurage), bei
dem man die Riechstoffe an Fett bindet. Nach
der Enfleurage, welche besonders auf farnesische
Akazien, Heliotrop, Hyazinthe, Jasmin,
Narzisse, Reseda, Rose, Syringe, Tuberose und
Veilchen angewandt wird, bedeckt man Glastafeln
etwa 3 mm hoch mit einer Schicht von
Talg und Schweineschmalz, legt sie in Holzrahmen
und breitet frische Blüten darüber aus.
Sobald diese ihren Duft abgegeben haben, werden
sie durch neue ersetzt, bis das Fett völlig
mit Aroma gesättigt ist. Die wohlriechende
Pomade kommt für sich in den .Handel oder
wird 2—4 Wochen lang mit reinstem Weingeist
angesetzt, welcher die Riechstoffe auflöst und
dann die Bezeichnung Extrait führt. Derartige
Extraits werden auch mit solchen Blüten hergestellt,
die wie Rosen- und Orangeblüten die
Destillation vertragen, aber nach der Enfleurage
feinere Produkte liefern. Die gebräuchlichsten
Parfüms dieser Art: Extrait de violet, de resdda,
de rose und de jasmin, werden meist in dreifacher
Stärke als Extraits triples versandt und
mit Spiritus verdünnt. — Nach einem anderen
Verfahren tränkt man leinene oder baumwollene
Tücher mit feinstem Olivenöl, legt sie mit Blüten
bedeckt in Holzrahmen und preßt nach Absorption
der Riechstoffe das Öl aus, oder endlich
man trägt die Blüten in gelinde erwärmtes Öl
ein. Die mit dem Aroma beladenen Öle führen
den Namen Huiles antiques. — In neuerer
Zeit geht man mehr und mehr zu der einfacheren
und billigeren Extraktion über, nach
welcher die Blüten mit Schwefelkohlenstoff
oder reinstem Petroläther erschöpft werden.
Beim Abdestillieren des Auszuges hinterbleibt
das ganze Aroma in Form eines winzigen Rückstandes,
der in-Alkohol gelöst wird. — Die im
Handel befindlichen Blütenessenzen entsprechen
nicht immer ihrem Namen, sondern bestehen
vielfach aus Nachahmungen. Andere Parfüms,
wie Eau de mille fleurs, Eau de Cologne.
Eßbouquet (Essence de bouquet), sind immer