Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Petroleum

den  Blättern  (zu  0,016—0,30/0)  der  Petersilie  enthaltene ­
  Öl,  die  beide  im  Geruch  verschieden
sind,  doch  findet  sich  fast  nur  das  erstere  im
Handel.  Das  gelbliche  bis  grünlichgelbe  und  in
Alkohol  leicht  lösliche  Öl  vom  spez.  Gew.  1,043
bis  i,ior  besteht  aus  einem  zwischen  160  und
170°  C  siedenden  Kohlenwasserstoff,  L.-Pinen
und  Apiol  (s.  d.)  und  Wird  als  Zusatz  bei  der
Darstellung  aromatischer  Liköre  benutzt.
Petitgrainöl,  ein  kräftig  und  angenehm  riechendes, ­
  dünnflüssiges,  ätherisches  Öl  von  gelblicher ­
  Farbe,  das  zur  Herstellung  feiner  Riechstoffe ­
  Anwendung  findet,  wird  aus  den  Blättern,
Zweigen  und  kleinen,  noch  unreifen  Früchten
der  bitteren  Orangenbäume  durch  Destillation ­
  gewonnen.  Früher  wurde  das  Öl  hauptsächlich ­
  in  Südfrankreich  hergestellt,  doch
kommen  jetzt  auch  große  Mengen  aus  Paraguay. ­
  Man  benutzt  es  in  der  feinen  Parfümerie. ­

Petroleum  (Erdöl,  Erdnaphtha,  lat.  Oleum
petrae,  frz.  Pdtrole,  engl.  Petroleum),  einer  der
wichtigsten  Gebrauchsgegenstände  des  alltäglichen ­
  Lebens,  war  schon  im  Altertume  bekannt, ­
  gelangte  zu  seiner  jetzigen  Bedeutung
aber  erst,  seitdem  im  Jahre  1859  die  pennsylvanischen
  Quellen  erschlossen  wurden  und  mit
jedem  Jahre  größere  Mengen  zu  Beleuchtungsund ­
  technischen  Zwecken  in  den  Handel  kamen.
Das  P.  ist  wahrscheinlich  aus  den  fettreichen
Überresten  untergegangener  Seetiere  entstanden, ­
  die  unter  ungeheurem  Druck  und  mäßiger
Temperatur  einer  langsamen  Zersetzung  anheimfielen, ­
  und  findet  sich  demnach  an  den
verschiedenste©  Punkten  der  Erde  in  unterirdischen ­
  Plohlräumen  aufgespeichert.  Den  hauptsächlichsten ­
  Ölbezirk  bildet  ein  schmaler,  kaum
too  km  langer  Streifen  im  Westen  Pennsylvaniens,
  doch  zieht  sich  das  Vorkommen  von
P.  auch  von  Westkanada  durch  Newyork  nach
Ohio,  Kentucky  und  südlich  nach  Westvirginien.
Große  Bedeutung  werden  voraussichtlich  auch
die  mexikanischen  Petroleumquellen  von  Tampico ­
  erlangen.  Neben  Amerika  besitzt  Rußland
die  ergiebigsten  Lager  in  der  Umgebung  von
Baku  am  Kaspischen  Meer,  und  weitere  große
Vorräte  sind  in  Niederländisch-Indien,  Rumänien ­
  auf  den  moldauisch-wallachischen  Karpathen ­
  und  in  Galizien  erschlossen.  Asien  hat
weiter  die  reichen  ostindischen  und  chinesischen
Lager,  und  geringere  Mengen  finden  sich  in
Persien,  Beludschistan,  Südafrika,  Südaustralien
und  Neuseeland.  Die  kleinen  deutschen  Vorkommnisse ­
  in  Hannover,  bei  Peine,  in  Bayern
und  im  Elsaß  waren  bis  zum  Jahre  1900  finden ­
  Massenverbrauch  ohne  Bedeutung.  Zur
Gewinnung  des  P.  werden  Bohrlöcher  in  die
Erde  getrieben,  aus  denen  es,  durch  seinen
eigenen  Druck  oder  durch  Pumpwerke  gehoben, ­
  in  die  Höhe  steigt.  Häufig  dringt  es
auch  im  Gemisch  mit  Wasser  und  in  Begleitung ­
  großer  Mengen  brennbarer  Gase  in  Gestalt
hochspringender  Fontänen  hervor.  Das  Rohpetroleum ­
  bildet  eine  dunkel,  grünlich  bis
schwarz  gefärbte,  widerwärtig  riechende  Flüssigkeit, ­
  deren  spez.  Gew.  je  nach  dem  Herkommen ­
  zwischen  0,780  und  0,960  beträgt.  In
chemischer  Hinsicht  ist.  es  ein  Gemenge  zahlreicher ­
  gasförmiger,  flüssiger  und  fester  Kohlenwasserstoffe, ­

  die  teils  wie  beim  amerikanischen ­
  P.,  der  Methanreihe,  teils  wie  beim
kaukasischen  P.,  den  Naphthenen  (hydrierten ­
  Benzolen)  angehören.  Wegen  seines
Gehaltes  an  leicht  flüchtigen  und  leicht  entzündlichen ­
  Bestandteilen  ist  es  in  hohem  Grade
feuergefährlich  und  muß  daher  für  eine  gewerbliche ­
  Verwendung  in  verschiedene  Stoffe
zerlegt  und  weiter  gereinigt  werden.  Durch  das
Verfahren  der  Destillation  werden  zunächst  die
niedrigsiedenden  Bestandteile:  Petroleumäther ­
  (Rhigolen)  bei  30—6o°,  Gasolin  bei
60—8o°,  Petroleumbenzin  bei  80—ioo°,  Ligroin ­
  bei  100—120°  und  künstliches  Terpentinöl ­
  bei  120—150°  abgetrennt,  die  als
Lösungsmittel  für  Fette,  Öle  und  Harze  und
als  Fleck-  und  Putzwasser  ausgedehnte  technische ­
  Anwendung  finden.  Zwischen  250  und
300 0  geht  dann  das  Hauptprodukt,  das  eigentliche ­
  Leuchtöl  oder  Brennpetroleum
(Kerosin,  Kerosen)  über.  Die  hinterbleibenden ­
  Stoffe,  die  beim  Erkalten  butterartig  erstarren, ­
  werden  zur  Darstellung  von  Vaseline
und  von  Schmierölen  (Mineralölen)  sowie
als  Brennmaterial  (Masut)  verwandt.  Sie  bilden ­
  den  wertvollsten  Teil  des  kaukasischen  P.
Das  eigentliche  Brennpetroleum,  die  mittlere
Fraktion,  ist  vor  seiner  Verwendung  noch  einer
sorgfältigen  Reinigung  zu  unterziehen.  Es  wird
zu  diesem  Zwecke  zunächst  mit  konzentrierter
Schwefelsäure  und  nach  deren  Entfernung  mit
Natronlauge  behandelt  und  schließlich  mit
Wasser  gewaschen.  Neuere  Verfahren  beruhen
außerdem  auf  der  Verwendung  von  Eisenvitriol,
Kupfervitriol,  Kaliumpermanganat,  Knochenkohle
und  anderen  entfärbenden  und  geruchlos  machenden ­
  Stoffen,  während  zur  Entwässerung  bisweilen ­
  ein  Zusatz  von  Kochsalz  gemacht  wird.
Das  gereinigte  Petroleum  bildet  eine  farblose
bis  schwach  gelbliche  Flüssigkeit  mit  bläulicher
Fluoreszenz  und  mildem  Geruch.  Das  spez.
Gew.  beträgt  bei  dem  amerikanischen  P.  etwa
0,800,  beim  kaukasischen  0,825  und.  beim  galizischen
  0,820.  Es  stellt  einen  vortrefflichen  Beleuchtungsstoff ­
  dar,  wird  aber  durch  mangelhafte ­
  Reinigung  und  minderwertige  Zusätze
vielfach  in  seinem  Gebrauchswerte  beeinträchtigt. ­
  Am  bedenklichsten  ist  die  ungenügende
Entfernung  oder  die  absichtliche  Beimischung
niedrigsiedender  Stoffe,  da  hierdurch  die
Feuergefährlichkeit  erhöht  wird.  Zum  Schutze
gegen  Lampenexplosionen  haben  die  meisten
Staaten  bestimmte  Vorschriften  über  den  Entflammungspunkt ­
  aufgestellt,  und  insbesondere
darf  in  Deutschland  Petroleum,  das  bereits
unter  21 0  entflammbare  Dämpfe  entwickelt,
nur  unter  besonderen  Vorsichtsmaßregeln  und
unter  der  Bezeichnung  „feuergefährlich“  verkauft ­
  werden.  Obwohl  nach.  Victor  Meyef
ein  sicherer  Schutz  gegen  Explosionen  erst  be 1
einem  Entflammungspunkt  von  35  °  gewährleistet ­
  -jurd,  sind  durch  diese  Vorschrift  doch
die  gefährlichsten  Erzeugnisse  aus  dem  Handel
verdrängt  worden.  Der  Entflammungspunkt
muß  mit  Hilfe  des  amtlichen  Abelschen  Petroleumprüfers
  bestimmt  werden.  Nicht  mindei
schädlich  für  die  Leuchtkraft,  wenngleich  weniger ­
  gefährlich,  ist  der  Zusatz  der  hochsiedenden ­
  Stoffe,  da  diese  den  Docht  verschmier« 11

Petitgrainöl
            
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