Putzpomaden
352
Pyronine
in den Tempeln ihrer Götter anstatt Weihrauch
und schreiben ihr auch große Wirksamkeit gegen
die Syphilis zu. In Kaschmir braucht man sie
hauptsächlich als Schutzmittel gegen Insekten
beim Verpacken der Kaschmirschals in Ballen.
Putzpomaden sind salbenartige Putzmittel, die
meist unter Zusatz von Ölsäure mit Polierrot,
Eisenoxyd, Tripel und ähnlichen Stoffen her
gestellt werden. — Putzseifen sind Gemische
aus feingeschlämmtem Tripel oder Neuenburger
Kreide mit Seife.—Die neuerdings auf den Markt
kommenden flüssigen Putzmittel, die unter
den verschiedensten Namen, wie Putzcreme,
Geolin, Sidol (s. d.), Kaol usw., gehandelt
werden, bestehen meist aus wäßrigen Anschläm
mungen von Putzkalk oder Bolus mit Oxalsäure,
Ammoniak, Mineralölen u. dgl.
Puzzolanerde, ein nach der neapolitanischen
Stadt Puzzuoli benanntes, leicht zerbrechliches
Mineral vulkanischen Ursprungs von gelblicher,
rotgrauer oder braungrauer Farbe, Wurde von jeher
wegen ihrer Eigenschaft geschätzt, im Gemisch mit
fettem Kalk sogleich einensehr gutenZement zubil
den. Sie besteht aus Kieselsäure, Tonerde, Magnesia,
Kalk, Eisenoxyd und Alkalien und befindet sich,
da sie durch vulkanische Hitze bereits einen
Glühprozeß erfahren und dadufch aufgeschlossen
ist, in demselben Zustande, wie die erst durch
Brennen erzeugten künstlichen Zemente. Die
P., die in bester Beschaffenheit bei Rom und
Neapel vorkommt, wurde früher auch nach
Deutschland, Frankreich und England zu bau
lichen Zwecken versandt, ist neuerdings aber
durch künstlichen Zement verdrängt worden und
kann auch durch den in den Rheingegenden vor
kommenden Traß ersetzt werden.
Pyoktannin nennt man zwei verschiedene
Teerfarben, die äußerlich als Antiseptikum
auf eiternden Wunden und in der Tierheilkunde
gegen Maul- und Klauenseuche angewandt wer
den. Das sog. blaue P. (lat, Pyoctanninum
coeruleum, frz. Pyoctanjne bleu, engl. Blue Pyok-
tanin) entsteht bei der Oxydation von Dime
thylanilin als ein Gemisch der salzsauren Salze
des Penta- und des Hexamethylpararosanilins
und wird meist als Methylviolett bezeichnet.
— Das gelbe P, (Auramin, lat. Pyoctanninum
aureum, frz. Pyoctanine jaune, engl. Yellow Py-
oktanin) wird durch Erhitzen, von Tetramethyl-
diamidobenzophenon mit Ammonium- und Zink-
chlorid dargestellt- und ist als salzsaures Imido-
tetramethyldiparaamidodiphenylmethan anzuspre
chen. Das goldgelbe, in kaltem Wasser schwer,
in heißem Wasser, Alkohol, Äther und Chloro
form leicht lösliche Pulver wird für medizinische
Verwendung auch mit Dextrin gemischt in den
Handel gebracht.
Pyramiden (Anjidopyrin, lat. Pyramidonum,
frz. und engl. Pyramiden), ein neues Ersatzmittel
des Antipyrins, wird durch Reduktion von Ni-
troso-Antipyrin in alkoholisch-essigsaurer Lösung
und Behandlung des entstehenden Amidoantipy-
rins mit Chlor- oder Jodmethyl dargestellt und
ist demnach als ein Dimethylamidoantipyrin,
C 13 H 17 N s O, anzusprechen. Das gelblich weiße,
geruch- und geschmacklose Kristallpulver schmilzt
bei io8°, löst siph in Wasser, Alkohol und Ben
zol und gibt in wäßriger Lösung mit Eisen
chlorid sowie mit Natriumnitrat und verdünnter
Schwefelsäure unbeständige Violettfärbungen.
Pyridin (lat. Pyridinum, frz. Pyridine, engl.
Pyridina). Das zum Vergällen von Spiritus be
nutzte P. ist keine einheitliche chemische Ver
bindung, sondern ein Gemenge verschiedener ein
ander sehr ähnlicher Verbindungen, die man
unter dem Namen Pyridinbasen zusammen
faßt. Sie finden sich sowohl im Steinkohlenteer,
als auch, und zwar in größerer Menge, im
Knochenteeröl oder Tieröl und bilden im rohen
Zustande ein gelb bis braun gefärbtes und höchst
übelriechendes öl, gereinigt aber eine farblose,
ölige, in Wasser und in Alkohol lösliche Flüssig
keit von starkem, betäubendem Geruch und
großer Giftigkeit. Als hauptsächlichste Bestand
teile sind außer dem eigentlichen P. Pikolin,
.Lutidin, Kollidin und Parvolin nachgewiesen
worden, sämtlich starke, stickstoffhaltige, aber
sauerstofffreie Basen, die mit Säuren kristallisier
bare Salze bilden. Die vier letzteren finden sich
wieder in mehreren isomeren Formen, die man
als Alphakollidin usw. unterscheidet. Das ei
gentliche P., C5H5N, ist eine farblose Flüssig-'
keit vom spez. Gew. 0,980 und dem Siedepunkt
ii6,7°. Mit Zinn und Salzsäure behandelt, geht
es in Piperidin über.
Pyrodin ist der in der Pharmazie gebräuch
liche Name des Azetylphenylhydrazins, das
bei akutem Gelenkrheumatismus gute Dienste
leisten soll, aber wegen seiner hohen Giftigkeit
nicht mehr verordnet wird.
Pyrogallussäure (Brenzgallussäure, Di
oxyphenylsäure, Pyrogallol, lat. Acidum py-
rogailicum, frz. Acide pyrogallique, engl. Pyro-
gallic acid), ein dreibasisches Phenol, C 6 H 3 (OH^,
entsteht beim trockenen Erhitzen der Gerbsäure
oder besser der Gallussäure auf 210—215 0 und
folgendem Sublimieren mit Kohlensäure als weiße,
lockere, blättrige Kristallanhäufungen, die bei
131 0 schmelzen, bei 210 0 destillieren und in
Wasser, Alkohol und Äther leicht löslich sind.
Die Lösungen röten Lackmus nicht. Bringt man
sie mit Alkali zusammen, so binden sie aus der
Luft rasch Sauerstoff und färben sich dadurch
tief dunkelbraun. Gold- und Silbersalze werden
durch P. leicht reduziert, welche daher in der
Photographie ausgedehnte Anwendung findet.
Die Pyroentwickler, zu denen auch das Pi-
nakol gehört, haben den Nachteil, daß sie die
Haut braun färben und giftig sind, werden aber
wegen ihrer schnellen und kräftigen Wirkung
sehr geschätzt. Außerdem benutzt man P. zum
Braunfärben der Haare.
Pyronine nennt man eine Reihe basischer
Xanthenfarbstoffe (s. d.), welche wegen ihrer
schönen bläulichroten Töne zum Färben aller
Spinnfasern benutzt werden können. Das Pyro-
nin selbst entsteht, wenn man Formaldehyd mh
Dimethylmetaarninophenol vereinigt, das hierbei
ausgeschiedene T etramethyldiaminodioxydiphenyl’
methan durch Erhitzen mit konz. Schwefelsäure
in das entsprechende Xanthen überführt und
letzteres mit salpetriger Säure behandelt. Es ist
also Tetramethyldiaminoxantheniumchlorid, CH •
[C 6 PI 3 N(CH 3 ) 2 ]oOCl. Das grünglänzende Kristall -
pulver gibt mit Wasser und Alkohol eine rote,
gelb fluoreszierende Lösung, welche durch .Sah"
säure hellorange wird; konz. Schwefelsäure gih f