Queckenwurzel
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Quecksilber
einer in Argentinien heimischen Apozynee,
Aspidosperma quebracho, einem schönen
großen Baume mit lanzettlichen Blättern und
kleinen gelben Blüten. Sie bildet bis 4 cm dicke
Stücke von rotgelber bis rotbrauner Farbe und
splitterigem Bruch und besteht hauptsächlich aus
der Korkschicht. Die Dröge enthält neben Zucker
und 2—4 o/o Gerbstoff einige Alkaloide, wie
Aspidospermin, Quebrachin u. a., und wird
in Form von Extrakten und Tinkturen gegen
Asthma und Herzleiden verordnet. — Das Que-
brachoholz von der argentinischen Anakar-
diazee Schinopsis Lorentzii besitzt eine
schöne dunkelrote Farbe und wird wegen seines
hohen Gerbstoffgehaltes von 28 °/o als Gerbmate
rial verwandt, soll aber nicht so zähes und elasti
sches Leder geben wie Eichenrinde.
Queckenwurzel (lat. Rhizoma graminis, frz.
Racine de chiendent, engl. Quitch root) nennt
man die ausdauernden, unterirdischen Ausläufer
des besonders in sandigen Feldern, aber auch an
Wegen und Zäunen wuchernden und schwer ver
tilgbaren Queckengrases (Agropyrum re-
pens). Die knotig gegliederten, strohhalmdickep
Schößlinge werden im Frühjahr und Herbst bei
der Ackerbestellung ausgerissen, verlesen und
von den an Knoten sitzenden Scheiden, Wurzel-
fasern und Halmen befreit, darauf gewaschen,
getrocknet und, gewöhnlich auf der Futterschneide
zerkleinert, zum Verkauf gebracht. Der Quer
schnitt zeigt eine hohle Markröhre, die Rinde
ist dicker als der Holzkörper. Die Wurzel ent
hält einen kristallisierbaren Zucker, Gummi,
Schleim, Stärkemehl und Eiweiß, schmeckt daher
beim Kauen süßlich und schleimig und wird als
blutreinigender Tee, ebenso wie auch das daraus
hergestellte Extrakt medizinisch verwandt. Der
im Kriege gemachte Vorschlag, Q. zur Gewinnung
von Zucker, Bier, Alkohol usw. heranzuziehen,
war natürlich praktisch aussichtslos.
Quecksilber (lat. Hydrargyrum, Mercurius, frz.
Mercure, engl. Quicksilver, Mercury). Der Name
Q. deutet ebenso wie das. lateinische Argentum
vivum (lebendiges Silber) und das griechische
Hydrargyrum (Wassersilber) auf die Beweglich
keit und Flüssigkeit hin, und aus demselben
Grunde belegten die alten Adepten das Metall
mit dem Namen des am schnellsten kreisenden
Planeten Merkur. Das wegen seiner Wider
standsfähigkeit zu den edlen Metallen gerechnete
Q. findet sich nur selten gediegen in Form kleiner
Tröpfchen (als Jungfernquecksilber) oder in
Verbindung mit Silber als Silberamalgam. Meist
ist es an Schwefel, als Zinnober, seltener an
Chlor, als Quecksilberhornerz oder an orga
nische Stoffe, als Idrialit, gebunden. Diereich-
sten Quecksilbergruben hat Spanien in Alma-
cfen, wo schon seit mehr als 2000 Jahren Q.
gewonnen wird, danach folgen die seit 1497 in
Betrieb befindlichen Werke zu Idria in Krain und
die neueren, sehr ergiebigen Lager in Kalifornien,
Huancavelica in Peru und im Ural. Geringere
Mengen kommen von Horzowitz und Komarow
in Böhmen, aus Ungarn, Siebenbürgen und Ita
lien, während die deutschen Gruben in der bay
rischen Pfalz und Westfalen eingegangen sind.
Das japanische und chinesische Q., das früher in
Bambusrohren nach Europa gelangte, hat jetzt
für den Welthandel keine Bedeutung mehr. Die
jährliche Erzeugung auf der Erde beträgt 3000
bis 4000 t, wovon etwa 1000 t auf Spanien ent
fallen. Für die Gewinnung des Q. kommt fast
nur der Zinnober in Betracht. Die weniger schön
gefärbten Stücke, welche nicht direkt als Farb
stoff zu verwerten sind, werden in Schacht- und
Flammenöfen geröstet, und die entweichenden
Quecksilberdämpfe mit der aus dem Schwefel
entstehenden schwefligen Säure durch Kühl
kammern geleitet. In diesen bleibt das Metall
in tropfbar flüssigem Zustande zuruck, während
die schweflige Säure entweicht. Nach einem
älteren, nur noch selten benutzten Verfahren
vermischte man die zerkleinerten Erze mit Kalk,
Eisen oder Hammerschlag und destillierte das
Q. von den zurückbleibenden Sulfiden des Kal
ziums oder Eisens ab. Verschiedene Verfahren
•der Quecksilbergewinnung auf nassem Wege
durch Ausziehen mit Kochsalz und Kupfer-
chlorür, oder durch Bromsalzsäure oder Na
triumthiosulfat haben keinen Eingang in die
Praxis gefunden, und über die neuerdings emp
fohlene elektrische Abscheidung liegen abschlie
ßende Erfahrungen noch nicht vor. Das nach
der einen oder anderen Arbeitsweise gewonnene
Q. wird zunächst von mechanisch beigemengten
Stoffen befreit, indem man es durch Sämisch
leder preßt oder durch sehr feine Löcher ab
tropfen läßt, ist aber auch dann noch meist
durch geringe Mengen Blei, Kupfer, Wismut,
Antimon, Silber, Zinn und Zink verunreinigt.
Derartige rohe Handelsware bedeckt sich mit
einem matten Häutchen, fließt träge, haftet an
Glaswandungen und hinterläßt auf Papier sog.
Schwänze und grauen Staub. Zur Entfernung
dieser fremden Metalle läßt man das Q. durch
eine hohe Säule von verd. Salpetersäure oder
Eisenchloridlösung fallen, schüttelt es dann mit
Kaliumdichromat und vefd. Schwefelsäure, preßt
nochmals durch Sämischleder und destilliert aus
4iem Vakuum. Das reine Q. ist ein glänzendes,
bei gewöhnlicher Temperatur flüssiges Metall-
Es erstarrt bei —39,5°, entwickelt bereits bei
mittlerer Wärme Dämpfe und siedet bei 357 °-
Da die Quecksilberdämpfe schon in geringer
Menge stark giftig wirken und zuerst Speichel
fluß und fieberhafte Störung des Allgemein
befindens, später Abmagerung, Schwäche, Zittern,
Lähmung und starke Störung der geistigen Tätig
keit hervorrufen, so ist jedes Vergießen von Q-
in bewohnten Räumen sorgfältig zu vermeiden-
Man bewahrt es daher am besten in den eisernen
Versandgefäßen oder in starken Glasflaschen auf-
Ist trotz aller Vorsicht Q. ausgelaufen, so verwan
delt man es durch Verreiben mit Stanniol oder
Aluminiumpulver in Amalgam, das sich leicht
entfernen läßt. Bleierne Abzugsrohren von Wasser
leitungen werden durch hineingeschüttetes Q. zer
stört. Das Q. hat ein Atomgewicht von Hg
— 200 und ein spezifisches Gewicht von 13,596-
Salzsäure und kalte Schwefelsäure wirken auf
das Metall nicht ein, während es von heiß er
konz. Schwefelsäure zu schwefelsaurem Queck
silberoxyd gelöst wird. Salpetersäure bildet schon
in verdünntem Zustande lösliches Nitrat. AP
der Luft bleibt Q. bei gewöhnlicher Temperatur
unverändert, geht aber beim Erhitzen bis nahe
zum Siedepunkte in rotes Oxyd über. Bei noch
stärkerem Erhitzen gibt das letztere seinen Sauer-