Quecksilberoxyd
356
Querzitronrinde
lung offizineil sind. Das Oxydsalz dient auch zur
Bereitung einer gelben Quecksilbersalbe, ferner
in der Technik als Hutmacherbeize und beim
Vergolden als sog. Quickwasser.
Quecksilberoxyd (roter Präcipitat, lat.
Hydrargyrum oxydatum rubrum, frz. Oxyde mercurique
rouge, engl. Redoxyde of xnercury), HgO,
ein gelbrotes, in Wasser etwas lösliches, widrig
metallisch schmeckendes Pulver von höchst giftiger
Wirkung, entsteht beim Abdampfen einer
Lösung von Quecksilbernitrat und Erhitzen des
Rückstandes in einer Porzellanschale. Eine Verbindung
von gleicher Zusammensetzung, aber
mehr gelber Farbe (H. via humida paratum) erhält
man durch Fällung einer Quecksilbernitratlösung
mit Natronlauge. Q. dient in der Medizin
als äußerliches Mittel, in der Technik als Porzellanfarbe.
Quecksilbersulfat (lat. Hydrargyrum sulfuricum,
frz. Sulfate de mercure, engl. Sulfate of
mercury) entsteht beim Erwärmen von Quecksilber
mit konz. Schwefelsäure, und zwar als
Oxydulsalz, Hg 2 S0 4 , wenn das Metall, als Oxydsalz,
HgSÖ 4 , wenn die Säure überwiegt. Das
letztere bildet ein schweres, weißes Kristallpulver,
das beim Erhitzen zuerst gelb, dann braun wird
und zur Darstellung des Sublimats, Kalomels und
anderer Quecksilbersalze dient. Bei Behandlung
mit Wasser liefert es ein zitronengelbes basisches
Salz (Turpethum minerale), das beschränkte
Anwendung gegen Hautkrankheiten findet.
Quecksilbersulfid. Reibt man gleiche Teile
Q. und Schwefel hinreichend lange zusammen,
so entsteht ein feines tiefschwarzes Pulver, das
schwarze Schwefelquecksilber, mineralischer
Mohr, Quecksilbermohr (lat. Hydrargyrum
sulfuratum nigrum, frz. Sulfure noir de
mercure, engl. Black sulfide of mercury), das
früher unter der Bezeichnung Aethiops mineral
is eine beschränkte medizinische Anwendung
fand. Das rote Schwefelquecksilber (lat.
Hydrargyrum sulfuratum rubrum, frz. Sulfure
mercurique,. engl. Red sulfide of mercury) findet
sich in der Natur als natürlicher Zinnober
(s. d.) und wird nach verschiedenen Verfahren
künstlich dargestellt. In erster Linie bedient man
sich zur Gewinnung von künstlichem Zinnober
des schwarzen Q. oder auch einfach eines
Gemisches von Quecksilber und Schwefel, die
aus konischen Tontiegeln in gußeisernen Apparaten
sublimiert werden. Die sublimierte Ware
heißt Stückenzinnober und wird zum Teil in
den schönsten, auserlesensten Teilen direkt in den
Handel gebracht, hauptsächlich aber zunächst in
ein feines Pulver verwandelt. Je weiter die Vermahlung
getrieben ist, um so heller und feuriger
erscheint die Farbe. Nach dem Mahlen und
Schlämmen wird die Masse noch durch Kochen
mit Pottasche von dem ungebundenen Schwefel
befreit und schließlich in der Wärme getrocknet.
Auf nassem Wege verwandelt man das schwarze
Q. durch Kochen mit Kalilauge und anderen,
geheim gehaltenen Chemikalien in die rote Verbindung
(Vermillon), deren Farbe durch einen
geringen Gehalt von etwa l °/o Antimon noch verschönert
wird. Zinnober ist ein geruch- und geschmackloses,
außerordentlich schweres Pulver
vom spez. Gew. 7,800—8,100. Wegen seiner intensiv-roten
Färbung wird er als Malerfarbe
außerordentlich geschätzt, jedoch haben die Anstriche
den Nachteil, am Lichte nach und nach
dunkler und schließlich sogar schwarz zu werden.
Außerdem findet Q. beschränkte Anwendung als
Schminke und in der Medizin. Wegen seiner
völligen Ungiftigkeit kann es auch zum Färben
von Kautschukwaren benutzt werden.
Quecksilbertannat (gerbsaures Quecksilberoxydul,
lat. Hydrargyrum tarmicum oxydulatum,
frz. Tannate de mercure, engl. Taninate
of mercury), eine Verbindung der Gerbsäure mit
Quecksilberoxydul, erscheint in bräunlichgrünen
Schuppen, die beim Zerreiben ein grünes Pulver
geben. Es wird seit 1884 in der Medizin als
mildes Antiseptikum verwandt.
Quendel (Feldkümmel, wilder Thymian,
lat. Herba serpylli, frz. Herbe de thym sauvage
ou serpolet, engl. Mother of thyme), das angenehm
aromatisch riechende und bitterlich zusammenziehend
schmeckende Kraut der bekannten
ausdauernden Labiale Thymus Serpyllum,
wird in der Blüte gesammelt und zu stärkenden
Bädern, Umschlägen, Kräuterkissen und
Krankentees sowie zur Herstellung eines alko
holischen Destillates, Spiritus serpylli, benutzt.
Aus dem trockenen Kraute gewinnt man durch
Destillation mit Wasser das Feldthymian- oder
Serpylliöl (lat. Oleum serpylli, frz. Essepce
de thym sauvage ou serpolet, engl. Oil of wild
thyme), ein dünnflüssiges, farbloses bis goldgelbes,
später bräunliches ätherisches Öl vom
spez. Gew. 0,89—92, das den Geruch der Pflanze
in höchstem Grade besitzt und neben Thymol
Karvakrol und Zymol enthält.
Querzit (Eichelzucker), eine besondere, in
den Eicheln enthaltene Zuckerart, bildet harte
farblose Kristalle von süßem Geschmack, ist nicht
gärutigsfähig und löst sich in Wasser und Weingeist.
Querzitronrinde (lat. Cortex quercus tinctoriae,
frz. Ecorce de tinctoire ebene, engl. Quercitron
bark) besteht aus der inneren gelblichen
Rinde der in den Südstaaten von Nordamerika
heimischen Färbereiche Quercus tinctoria.
Sie kommt nur selten in ganzen Stücken,
hingegen fast stets in zerkleinertem Zustande,
teils fein, teils grob gemahlen von Neuyork,
Baltimore und Philadelphia aus in den Handel.
Das Pulver besitzt eine bräunlichgelbe Farbe,
schwachen, nicht unangenehmen Geruch und
bitteren Geschmack und färbt den Speichel gelb.
Der Farbstoff der Q„ das Querzitrin, gehört
zu den Glykosiden und bildet kleine schwefelgelbe
Kristalle, die in Wasser schwer, in alkalischen
Laugen leicht löslich sind. Die wäßrige
Abkochung der Rinde ist orangerot und wird
zum Färben benutzt, muß aber für diesen Zweck
durch Zusatz von Leimlösung von Gerbstoff und \
anderen störenden Beimengungen befreit werden.
Ein reineres Präparat wird auch durch Auskochen
der Q. mit Schwefelsäure erhalten, wobei
eine Spaltung eintritt und ein schönerer Farbstoff,
das Querzetin, zurückbleibt. Von den
Nordamerikanern und Engländern wird auch flüssiges
und trockenes braunes Extrakt (Qu erzitronextrakt)
als ein reineres Farbmaterial
hergestellt, während der durch Auskochen mit
Sodalösung und Fällen mit verdünnter Schwefelsäure
erhaltene, noch unreine Farbstoff als Teig