Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Quillayarinde

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Quittenkerne

unter  dem  Namen  Flavine  in  den.  Handel
kommt.  Zur  Färberei  auf  Wolle,  Seide,  Baumwolle ­
  und  gemischte  Stoffe  stellt  man  aus  Q.  in
Verbindung  mit  Beizen  zahlreiche  verschiedene
Farbtöne  her,  mit  Tonerdebeize  gelb,  mit  Eisenbeize ­
  braun,  mit  einem  Gemisch  von  beiden  olive,
mit  etwas  Krapp  und  Tonerdebeize  orange.
Quillayarinde  (Panama-Seifen-Rinde,  lat.
Cortex  quillajae,  frz.  Ecorce  de  quillaye,  engl.
Quillaya  hark)  ist  die  Rinde,  eigentlich  der
Splint,  eines  in  Chile  heimischen  Baumes,
Quillaja  Saponaria,  die  sich  vermöge  eines
Gehaltes  an  Saponin  wie  unsere  Seifenwurzel ­
  verhält.  Neben  dem  Saponin  sind  noch  zwei
giftige  Stoffe,  das  Sapotoxin  und  die  Quillayasäure.
  vorhanden.  Wegen  ihrer  Eigenschaft,
mit  Wasser  unter  Abgabe  von  Saponin  stark
schäumende  Lösungen  zu  liefern,  vermag  die
Q.  Seife  (etwa  die  dreifache  Menge  schwarze
Seife)  zu  ersetzen  und  wird  daher,  weil  sie  die
Farben  nicht  angreift,  zum  Waschen  farbiger
Wollen-  und  Seidenzeuge,  ferner  zum  Entfetten
von  Wolle,  zur  Schafwäsche  und  überhaupt  an
Stelle  von  Seife  benutzt.  Von  den  zahlreichen
Q.  enthaltenden  Waschmitteln  ist  Panamin  ein
Rindenextrakt,  das  mit  etwas  Glaubersalz  zur
festen  Masse  eingedickt,  geformt  und  in  Zinnfolie ­
  verpackt  in  den  Handel  kommt.  Wasmuts
Opal  in  der  Tonne  war  ein  wäßriger  Auszug,
Fleckwasser  enthält  Quillayatinktur  neben  Ammoniak, ­
  Äther,  Benzin  und  Weingeist,  Fleckseif
  e  Quillayaextrakt  neben  Borax,  Galle  und
Seifenpulver.  —  Die  Rinde  bildet,  von  der
braunen  Außenborke  befreit,  gelblichweiße,  holzähnliche ­
  Platten  von  stark  faserigem  Aufbau.
Die  2—7  mm  dicken,  bis  zu  i  m  langen,  nur
wenig  gekrümmten  Stücke  sind  geruchlos,  aber
von  sehr  kratzendem  Geschmack.  Beim  Zerbrechen ­
  oder  Stoßen  entwickelter  Staub  erregt
heftiges  Niesen.  Auf  dem  Querschnitte  erscheint
die  Rinde  quadratisch  gefeldert,  indem  die  einzelnen ­
  scharf  abgegliederten  Bastzonen  von  zahlreichen, ­
  deutlich  erkennbaren  Markstrahlen
durchsetzt  sind.  Hält  man  eine  radiale  Schnittfläche ­
  gegen  das  Licht,  so  sieht  man  schon  mit
unbewaffnetem  Auge  zahlreiche  glänzende  Teilchen, ­
  die  sich  unter  dem  Mikroskope  als  Kristalle ­
  von  oxalsaurem  Kalk  zu  erkennen  geben.
Infolge  ihres  faserigen  Baues  ist  die  Rinde  sehr
schwierig  zu  zerkleinern  und  wird  daher  von  den
Handelshäusern  bereits  auf  Maschinen  zerschnitten
  sowie  als  Pulver  in  den  Handel  gebracht.
Quillayasäure,  die  in  der  Quillayarinde
enthaltene,  sehr  giftige  organische  Säure,  erhält
U}an  in  reinem  Zustande  durch  Fällung  der  wässerigen ­
  Rindenabkochung  mit  neutralem  Bleiazetat,
Zersetzen  des  Niederschlages  mit  Schwefelsäure
und  Schwefelwasserstoff  und  Verdampfen  der
erhaltenen  Lösung  bis  fast  zur  Trockne.  Aus  dem
Rückstände  wird  die  freie  Säure  mit  heißem  absoluten ­
  Alkohol  aufgenommen  und  diese  Lösung
uüt  der  vierfachen  Menge  Chloroform  gemengt.

wodurch  noch  verschiedene  braungefärbte  Massen
abgeschieden  werden.  Aus  dem  Filtrate  wird
die  Q.  durch  Zusatz  von  Äther  in  Flocken  gefällt.
Sie  ist  in  Wasser,  Alkohol  und  alkoholhaltigem
Chloroform  leicht  löslich,  in  Äther  und  Chloroform ­
  unlöslich.  Mit  konzentrierter  Schwefelsäure
färbt  sie  sich  dunkelrot.  Die  Q.  ist  ein  Glykosid
und  wird  durch  Kochen  mit  verdünnten  Säuren
in  eine  rechtsdrehende,  nicht  vergärbare  Glukose
und  Sapogenin  gespalten.  Sowohl  die  Säure,  als
auch  ihr  Natronsalz,  das  quillayasaure  Natron,  erregen, ­
  schon  in  den  kleinsten  Stäubchen,  heftiges
Niesen,  in  den  Augen  Tränenfluß  und  Schmerzen,
im  Kehlkopf  heftige  Hustenanfälle.
Quinio.  Unter  diesem  Namen  kommt  aus
Brasilien  eine  gelbe  harzähnliche  Masse  in  den
Handel,  die  durch  Ausziehen  frischer  Rindenabfälle ­
  der  Chinabäume  mit  Alkohol  und  Kalk
gewonnen  werden  soll  und  die  Chinabasen  in
unverbundenem  freien,  aber  noch  ganz  unreinem
Zustande  erhält.  Q.  ist  in  Wasser  fast  unlöslich,
dagegen  in  Alkohol,  Äther  sowie  in  verdünnter
Schwefelsäure  löslich.  Eine  ähnliche  Droge
kommt  unter  dem  Namen  Quinetum  aus  Ostindien ­
  und  wird  dort  ebenfalls  aus  den  nicht  verkäuflichen ­
  Rindenabfällen  der  Himalayapflanzungen
  gewonnen.
Quitten  sind  die  schön  gelben,  aromatisch
riechenden  Früchte  des  Quittenbaums,  Cydonia
  vulgaris  Pers,,  der  in  Gärten  in  mehreren ­
  Arten,  wie:  Apfel-,  Birn-,  portugiesische
Quitte  gezogen  wird  und  in  Asien  und  Europa  bis
nach  Mitteldeutschland  vorkommt.  Die  Früchte
sind  frisch  ungenießbar,  werden  aber  eingemacht
als  Dessertfrucht,  sowie  zu  Gelees,  Mus,  Kompotts, ­
  Marmeladen  und  Backwerk  verwandt.  Getrocknet ­
  dienen  die  zerlegten  Früchte  (lat.  Fructus
  eydoniae,  frz.  Fruits  de  coing,  engl.  Quince)
zur  Herstellung  von  adstringierenden,  auch  medizinisch ­
  verordneten  Gelees.  —  Quittenessenz
ist  ein  künstlicher  Riechstoff  (Pelargonsäureäthylester),
  welcher  das  eigentümliche  feine
Aroma  der  Quittenfrüchte  ziemlich  gut  wiedergibt. ­

Quittenkerne  (lat.  Semen  eydoniorum,  frz.
Semences  de  coing,  engl.  Quince  seeds),  die
zwischen  den  fünfknorpeligen  Scheidewänden
befindlichen  Samen  der  Quitte,  werden
wegen  des  auf  ihnen  eingetrockneten  Schleims
benutzt.  Sie  sind  den  Birnenkernen  ähnlich  geformt, ­
  braun,  aber  glanzlos  und  mit  einem  weißgrauen ­
  Überzüge  bedeckt.  Der  durch  Schütteln
der  gequollenen  Kerne  mit  Wasser  abgesonderte
Quittenschleim  (lat.  Mucilago  eydoniae)  dient
zu  Augenmitteln  sowie  auch  zu  kosmetischen
Zwecken.  Die  deutschen  Samenkerne  kommen
aus  Franken  und  Württemberg,  andere  aus  Rußland ­
  und  der  Türkei.  Verfälschungen  oder  Verwechslungen ­
  mit  Apfel-  oder  Birnenkernen  sind
leicht  an  der  glänzenden,  nicht  matten,  schleim-  1
freien  Schale  zu  erkennen.
            
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