Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Safran 
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Safransurrogat 
Zustande erscheinen sie als einzelne oder auch 
zu dreien zusammensitzende, ineinandergeschlun- 
gene, gekrümmte, dunkelbraunrote, zähe und 
biegsame Fäden. Sie fühlen sich fettig an und 
besitzen einen betäubend gewürzhaften Geruch, 
sowie bitteren, aromatischen, etwas scharfen Ge 
schmack. S. färbt den Speichel gelb und ist 
sehr hygroskopisch, darf daher nicht in feuchten 
Räumen aufbewahrt werden und muß für den 
Seetransport gut verwahrt sein. Für die mittlere 
chemische Zusammensetzung gibt König fol 
gende Werte an: Wasser 15,62%, Stickstoffsub 
stanz 12,4%, flüchtiges Öl 0,60%, Fett 5,63%, 
verzuckerbare Stoffe 13,35%, sonstige stickstoff 
freie Extraktstoffe 43,64%, Rohfaser 4,48%, Mi 
neralstoffe 4,27 %. Als charakteristischer Be 
standteil ist der dunkelrote Farbstoff Krozin 
oder Polychroit vorhanden, der zu den Glyko 
siden gehört und beim Kochen mit Säuren in 
einen Zucker (Krokose oder Dextrose) und un 
lösliches Krozetin gespalten wird. Außerdem 
ist ätherisches Öl und ein farbloser, kristallisie 
render Bitterstoff, Pikrokrozin oder Safran 
bitter, vorhanden. Wegen seines hohenPreises 
von 90—100 M. für 1 kg unterliegt der Safran 
zahlreichen Verfälschungen, für deren strafrecht 
liche Verfolgung die Frage von Bedeutung er 
scheint, ob Safran ein Gewürz oder lediglich ein 
Farbstoff sei. Nach den jetzt herrschenden An 
schauungen besteht kein Zweifel, daß er als 
Gewürz den Vorschriften des Nahrungsmittel 
gesetzes unterliegt. Als häufigste Verfälschung 
kommt der Zusatz der wertlosen Griffel in Frage, 
die zwar infolge der Gewinnungsweise nicht 
ganz zu vermeiden sind, deren Gehalt aber 10% 
keinesfalls überschreiten soll. Beimischung künst 
lich rotgefärbter Griffel ist auf alle Fälle zu 
beanstanden. Eine Beschwerung durch Ein 
tauchen in Glyzerin, öl, Sirup, Honig oder 
Gelatine und nachfolgende Behandlung mit Mi 
neralstoffen, wie Kochsalz, Kreide, Gips, Schwer 
spat. Salpeter, Glaubersalz und Borax wird durch 
die Bestimmung des Aschengehaltes erkannt, 
der höchstens 8 % mit 0,5 % Sand betragen 
darf. Mit Öl behandelter S. hinterläßt auf Papier 
einen Fettfleck und gibt an Petroläther mehr 
als s % lösliche Stoffe ab. Für den Wassergehalt 
ist eine Höchstgrenze von 15% anzunehmen. 
Von ähnlich aussehenden Pflanzenstoffen sind 
Ringelblumen, Saflor, Kurkuma, Sandelholz, Päo 
nienblätter, Frühlingssafran und zahlreiche an 
dere beobachtet worden. Auch hat man Gela 
tinefäden, Fleischfasern und Teerfarben aller 
Art aufgefunden. Der Nachweis dieser Verfäl 
schungen wird mit Hilfe der mikroskopischen 
und chemischen Untersuchung (Bestimmung des 
Krozetins, der Rohfaser, des Phosphorsäuregehal 
tes der Asche, der Kapillaranalyse, des Färbe 
vermögens usf.) geführt. Als auch für den Nicht 
chemiker brauchbare Vorprüfung empfiehlt es 
sich, den' gepulverten Safran auf Wasser zu 
verstäuben, wobei alle echten Teilchen sich mit 
einem gelben Hof umgeben, oder auf konz. 
Schwefelsäure, wobei die Safranstäubchen in 
tensiv blau werden. — Von den Handelssorten 
gilt der französische oder Gatinais-S-, aus 
dem Arrondissement Pithiviers, als der wert 
vollste. Je nachdem er im Schatten oder in der 
Sonne getrocknet worden ist, wird er als S. 
d’orange oder S- comtat bezeichnet. Die 
Hauptmenge des S. kommt aus Spanien, be 
sonders Murcia, La Mancha,. Niederarragonien, 
Palma und Mallorca. Der spanische S. wird 
vielfach als französischer verkauft. Der orien 
talische, levantinische oder türkische S. 
ist oft verfälscht, mit Öl getränkt, schlecht ge 
reinigt und wenig aromatisch, und der früher 
sehr geschätzte persische S. kommt für den' 
europäischen Bedarf kaum noch in Betracht. 
Italien liefert hellere Sorten, die zum Teil nicht 
vom echten S. stammen sollen und als Abruz 
zen-S. (Abruzzi Zafferano, Aquila Neopolit-S.), 
sizilianischer und kalabrischer S. unter 
schieden werden. Der feine österreichische S. 
aus Niederösterreich und Ungarn kommt nur 
selten in den Großhandel. — Zum Pulvern des 
S. empfiehlt es sich, die Narben einige Stunden 
bei 25 0 über Ätzkalk zu trocknen. S. findet be 
schränkte medizinische Anwendung gegen Keuch 
husten und Krämpfe und ruft in größeren Men 
gen Abortus hervor. Außerdem wird er zum 
Würzen und Färben von Nahrungsmitteln be 
nutzt. 
Safranine bilden eine wichtige Gruppe der 
Azinfarbstoffe (s. d.), welche der allgemeinen For 
mel R 2 N . C 6 H 3 (N 2 R). C 6 H 3 .NRj entsprechen und 
durch Erhitzen von Indaminen mit primären Ami 
nen oder durch Oxydation eines Gemisches von 
Paradiamidodiphenylamin und einer primären 
Base und nach verschiedenen anderen Methoden 
hergestellt werden.. Zu ihnen gehören das Phe- 
nosafranin (s. d.), Girofle (s. d.) und das 
Echtschwarz aus Nitrosodimethylanilinchlor- 
hydrat und Oxydiphenylamin. Der wichtigste 
Farbstoff der Gruppe ist das Safranin, ein 
Phenazin, in dessen beide Phenylreste je eine 
Methyl- und Amidogruppe eintreten, während 
der mittlere Stickstoff mit CI und C 8 H 5 verbun 
den ist: NH 2 (C 6 H,. CH 8 ). (N 2 . CI . C e H 5 ). (C 6 H 2 . 
CH 3 ). NHj. Zu seiner Darstellung oxydiert man 
eine Mischung von Paratoluylendiamin, Ortho- 
toluidin und Anilin mit chromsaurem Kalium, fil 
triert, sättigt die Lösung genau mit Salzsäure und 
fällt den Farbstoff durch Kochsalz. Das Sa 
franin, dessen verschiedene Töne durch die Buch 
staben T, B und G bezeichnet werden, kommt 
als grünlichschwarzes oder rotbraunes Pulver, 
oder auch in Kristall- oder Teigform in den 
Handel. Es löst sich ziemlich schwer in kaltem, 
leicht in heißem Wasser mit scharlachroter Farbe 
und dient zum Färben von Wolle, Seide und 
Baumwolle. 
Safransurrogat, Safranersatz (Anilin 
orange, Jaune d’or). Unter diesen Namen 
kommt ein Farbstoff in den Handel, der lange 
Zeit zum Gelbfärben von Likören, Zuckerwaren, 
Nudeln usw. gebraucht wurde, jetzt aber wegen 
seiner Giftigkeit für Genußmittel nicht mehr 
verwandt werden darf. Das S. ist die Kalium- 
Verbindung des Dinitrokresols (Dinitro- 
kresolkalium oder dinitrokresylsaures 
Kalium) und wird durch Behandlung von Kre- 
solsulfosäure mit Salpetersäure und Auflösung 
der Nitroverbindung in Pottasche dargestellt. Das 
S. ist ein geschmack- und geruchloses, fein- 
kristallinisches, rotes Pulver, das sich mit leb 
haft gelber Farbe in Wasser löst. Bei Annähe 
rung eines glühenden oder flammenden Körpers
	        
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