Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Salpetersäure

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Salzäthergeist

ben  wird.  Verwendet  man  hingegen  äquivalente
Mengen  beider  Verbindungen,  so  bleibt  die
Hälfte  des  Salpeters  unzersetzt.  Erst  beim  Erhitzen ­
  bis  nahe  zum  Glühen  geht  auch  der  Rest
der  S.  über,  zerfällt  aber  gleichzeitig  zum  Teil  in
Untersalpetersäure  (Stickstoffdioxyd),  die
in  Form  braunroter  Dämpfe  in  die  Vorlagen
kommt  und  von  der  Flüssigkeit  gelöst  wird.
Die  dann  entstehende  rote  rauchende  S.  (Acidum ­
  nitricum  fumans)  besitzt  ein  spez,  Gew.
von  1,540.  Die  gewöhnliche  reine  S.  ist  in
völlig  wasserfreiem  Zustande  noch  nicht  erhalten
worden,  sondern  nur  bis  zu  einer  Stärke  von
höchstens  99,8  °/o.  In  diesem  Zustande  ist  sie
eine  farblose  Flüssigkeit  vom  spez.  Gew.  1,560
bei  o°,  die  an  der  Luft  raucht  und  sich  unter
Abspaltung  von  Untersalpetersäure  gelb  färbt.
Die  S.  ist  mit  Wasser  in  jedem  Verhältnisse
mischbar.  Sie  löst  die  meisten  Metalle  mit  Ausnahme ­
  von  Gold  und  Platin  und  oxydiert  die
meisten  Metalloide,  wie  Jod,  Schwefel  und  Phosphor ­
  zu  den  entsprechenden  Säuren.  Organische
Stoffe  werden  durch  Salpetersäure  zerstört  und,
Wenn  sie  gefärbt  sind,  wie  Indigolösung  gebleicht.
Im  Handel  erscheint  die  S.  in  den  verschiedensten ­
  Reinheits-  und  Stärkegraden.  Die  rohe  S.
(lat.  Acidum  nitricum  crudum),  eine  durch  Untersalpetersäure, ­
  Eisen-  und  Chlorverbindungen
meist  gelb  gefärbte  Flüssigkeit,  wird  besonders
m  zwei  Stärken,  als  einfaches  Scheidewasser ­
  mit  einem  spez.  Gew.  von  1,320  bis
L330  und  50—53  °/o  S.  und  als  doppeltes
Scheidewasser  mit  einem  spez.  Gew.  von  1,380
bis  1,390  und  60—64%  S.  hergestellt.  Zur  Entfernung ­
  der  flüchtigen  Verunreinigungen  erwärmt
man  die  Säure  längere  Zeit  im  Wasserbade,
Während  sie  von  den  nichtflüchtigen  Stoffen.
Wie  Eisen,  durch  Destillation  getrennt  wird.  Im
Hinblick  auf  die  nahe  bevorstehende  Erschöpfung ­
  der  Salpeterlager  sind  in  letzter  Zeit  zahlreiche ­
  Versuche  zur  Umwandlung  des  Ammoniaks ­
  und  des  Luftstickstoffs  in  S.  angestellt
Worden.  Die  erstere  gelingt  nach  dem  Verfahren
von  Ostwald  durch  Überleiten  eines  Gemisches
von  Ammoniakgas  mit  viel  Luft  über  Platin  bei
erhöhter  Temperatur  und  hat  infolge  der  Habersehen
  Synthese  des  Ammoniaks  (s.  d.)  für
Deutschland  die  größte  Bedeutung.  Die  andere
Methode  benutzt  den  im  magnetischen  Felde
scheibenförmig  ausgebreiteten  Flammenbogen  von
Wechselströmen  zur  direkten  Oxydation  des  Luftstickstoffs. ­
  Nach  diesem  von  Birkeland,  Eyde,
Schönherr  u.  a.  ausgearbeiteten  Verfahren,  das
an  starke  Wasserkräfte  gebunden  ist,  wird  besonders ­
  in  Norwegen  (neuerdings  auch  in  Amerika)
der  sog.  Norgesalpeter,  Luftsalpeter  oder
Ralksalpeter  hergestellt.  —  Die  S.  findet  ausgedehnte
  Verwendung  in  der  chemischen  und
gewerblichen  Technik  sowie  für  medizinische
and  Laboratoriumszwecke.  Auf  ihrer  Eigenschaft,
Hold  nicht,  wohl  aber  Silber  zu  lösen,  beruht  die
Bezeichnung  Scheidewasser.  Ferner  bildet  sie
das  Ätzmittel  der  Kupferstecher,  dient  zum  Abbeizen
  von  Metallen,  zum  Brünieren  von  Eisen
u nd  zur  Herstellung  von  Beizen  für  Hutmacher
and  Pelzfärber.  Sie  ist  das  Ausgangsmaterial  zur
Bereitung  des  Nitrobenzols,  Nitroglyzerins,  der
■■Jkrinsäure  und  Schießbaumwolle  und  wird  überd'es
  bei  der  Herstellung  von  Schwefelsäure,

Farbstoffen  und  salpetersauren  Salzen  (Nitrate)
benutzt.  Für  den  Versand  der  roten,  rauchenden
S.  gilt  die  Vorschrift,  daß,  die  Flaschen  oder
Ballone  mit  mindestens  dem  gleichen  Volum
getrockneter  Infusorienerde  oder  anderen  indifferenten ­
  Mineralpulvern  umgeben  sein  müssen.
Die  deutsche  Erzeugung,  die  in  den  letzten
Friedensjahren  etwa  roo  000  t  betrug,  ist  im
Kriege  ungeheuer  gesteigert  worden.
Salvarsan  ist  der  den  Höchster  Farbwerken
geschützte  Name  des  berühmten  Heilmittels  gegen
die  Syphilis,  das  von  seinem  Entdecker  Ehrlich ­
  in  dreißigjähriger,  zielbewußter  Arbeit  geschaffen ­
  und  zuerst  als  Ehrlich-Hata-606  in
die  Therapie  eingeführt  wurde.  Hata  heißt  es
nach  dem  japanischen  Assistenten  Ehrlichs,  der  es
klinisch  erprobte,  606,  weil  es  das  606.  der  von
Ehrlich  hergestellten  Abbauprodukte  war.  S.
wird  aus  Paraoxyphenylarsinsäure,  einer  Verbindung ­
  von  Phenol  und  Arsensäure,  durch  Überführung ­
  in  die  Nitroverbindung,  nachfolgende
Reduktion  zu  Aminooxyphenylarsinsäure  und
schließlich  zu  Diaminodioxyarsenobenzol  hergestellt. ­
  Als  Dichlorhydrat  der  letzteren  Verbindung ­
  hat  es  die  Formel;  (C 6 H 3  .  NH 2  .  As  .
0H) 2 .2HCI.  Das  zarte  gelbe  Pulver  ist  leicht
löslich  in  Wasser,  Methylalkohol  (1:3)  und  Glyzerin, ­
  weniger  leicht  in  Alkohol  (1  :  12),  unlöslich ­
  in  Äther  und  enthält  34  °/o  Arsen.  Wegen
seiner  leichten  Oxydierbarkeit  wird  es  in  luftleeren ­
  Ampullen  unter  Kohlensäure  auffaewahrt,
die  erst  unmittelbar  vor  dem  Gebrauche  geöffnet
werden  dürfen.  Jedes  von  den  Höchster  Farbwerken ­
  in  den  Handel  gebrachte  Präparat  ist
in  dem  unter  Leitung  Ehrlichs  stehendenGeorg-Speyer-Haus
  biologisch  geprüft  worden.  Das
Mittel  findet  in  Form  wäßriger  Lösungen  sowie
in  Ölsuspensionen  und  Salben  gegen  Syphilis,
auch  vorbeugend,  ausgedehnte  Anwendung  und
wird  von  der  überwiegenden  Mehrzahl  der  Mediziner ­
  als  ausgezeichnet  geschätzt.  Gelegentliche
Nebenwirkungen  (Sehstörungen),  die  vereinzelte
leidenschaftliche  Angriffe  hervorgerufen  haben,
können  durch  fehlerhafte  Anwendung  verursacht
worden  sein.  Welchen  Wert  die  Engländer  dem
S.  beilegen,  ergibt  sich  daraus,  daß  sie  sich
schon  am  to.X.  1914  (1)  das  Patent  aneigneten
und  der  Firma  Burroughs,  Wellcome  &  Co.  auf
Antrag  die  alleinige  Lizenz  für  die  ganze  Patentdauer ­
  erteilten.  Vorher  war  allerdings  in
England  und  Amerika  gelb  gefärbtes  Kochsalz
als  S.  verkauft  worden.  —  Neosalvarsan  ist
ein  leichter  lösliches  Kondensationsprodukt  von
S.  mit  Natriumformaldehydsulfoxylat.  —  Silbersalvarsannatrium
  und  Salvarsansulfoxylat
  1495  sind  zwei  neue,  von  Kolle,  dem
Nachfolger  Ehrlichs,  eingeführte  Abkömmlinge
des  Salvarsans,  die  geringere  Nebenwirkungen
äußern  sollen.
Salzäthergeist  (versüßter  Salzgeist,  Chlor
ätherspiritus,  lat.  Spiritus  salis  dulcis,  Spiritus
muriatico-aethereus,  Spiritus  aetheris  chlorati,  frz.
Alcool  muriatique  6there,  engl.  Spirit  of  muriatic
  ether),  im  wesentlichen  eine  verdünnte
alkoholische  Lösung  von  Äthylchlorid  (Chloräthyl), ­
  wird  erhalten,  wenn  Weingeist,  Kochsalz, ­
  Braunstein  und  Schwefelsäure  zusammen
der  Destillation  unterworfen  werden,  das  Übergegangene ­
  durch  Schütteln  mit  Kalk  oder  ge ­
            
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