Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Schellfische 
392 
Schiefer 
dann in wurstförmigen Säcken vorsichtig er 
wärmt, der austretende geschmolzene Lack auf 
Metallblech gestrichen, von dem es in der be 
kannten dünnblättrigen Form als Sch. lemon 
oder orange abspringt. —Außerdem kommen 
noch Knopf Schellack, Blut-Rubin- oder 
Granat-Schellack in den Handel, welche di 
rekt, ohne Entfernung des Farbstoffs, durch 
einfache Auswahl aus dem Stocklack hergestellt 
werden und kleine, meist runde, wenig durch 
scheinende, hellbraune bis braunrote Tafeln von 
sehr glatter Oberfläche und reiner Masse bilden. 
— Sch. ist eine natürliche Mischung verschie 
dener Harze, insgesamt etwa 900/0, und enthält 
außerdem noch mehr oder weniger Farbstoff 
und etwas Wachs. Weingeist löst ihn in der 
Kälte unter Hinterlassung des Wachses, heißer 
Weingeist nimmt apch von diesem etwas auf, 
das sich aber beim Erkalten wieder ausscheidet. 
Die trübe Lösung kann durch Filtrieren geklärt 
werden. In Benzin ist Schellack selbst unlöslich, 
während die Wachsmasse dadurch zur Lösung 
gebracht wird. Zur Entfernung der für einige 
Zwecke störenden Wachs- und Farbmasse wird 
der Sch. bisweilen noch weiter raffiniert, zuerst 
mit Lauge erhitzt, dann mit Eau de Javejle ent 
färbt und mit Säurerl ausgeschieden und in Form 
von Stangen oder Zöpfen als gebleichter Sch. 
(Lacca alba depurata in bacillis, frz. Laque 
purifi£, engl. Purified lac) in den Handel ge 
bracht. Die verschiedenen Schellacksorten wer 
den vielfach zur Herstellung von Lacken, nament 
lich Spirituslacken und Polituren, benutzt und 
geben einen schnell trocknenden, schön glän 
zenden Überzug. Durch Zusatz von Teerfarb 
stoffen oder anderen Farben erhält man die 
farbigen Spirituslacke. Außerdem wird Sch. 
zu Siegellack und in der Feuerwerkerei zu 
den rauchschwachen Buntfeuern verwandt. Ge 
pulverter Schellack findet entweder für sich, 
oder in Verbindung mit anderen Harzen, als 
Kitt, Verwendung. Die beim Aufkochen von Sch. 
mit alkalischer Boraxlösung erhaltene leimartige 
Masse, die nach dem Trocknen einen wasser 
dichten Überzug bildet, führt als Steife für Hut 
macher den Namen Wasserfirnis. Mit Teer 
farben und anderen Farben gefärbt, ergibt sie 
die sog. Lederappreturen. — Ein als Lacca 
in tabulis bezeichnetes schellackartiges Gummi 
soll sich auch aus Fouquiera splendens, der in 
Nordamerika am Rio grande heimischen Oco- 
tillapflanze, gewinnen lassen. — Die Versen 
dung des Schellacks aus dem Ursprungslande 
Ostindien geschieht meist über Kalkutta, nach 
London und Hamburg, in Kisten von etwa 70 kg, 
die mit Sackleinwand bedeckt sind. Zum Nach 
weise der häufigen Verfälschungen durch Kolo 
phonium und andere Harze behandelt man 
den Sch. mit Benzin, worin er, abgesehen von 
den geringen Wachsmengen, unlöslich ist. 
Schellfische. Diese zu den Gadiden, einer 
Familie von Weichflossenstachlern, ge 
hörenden langgestreckten Seefische mit schlei 
miger Haut und kleinen Rundschuppen, großer 
Mundöffnung, zwei bis drei Rücken- und einer 
kehlständigen Bauchflosse, bilden einen wich 
tigen Gegenstand des Massenverbrauchs bis weit 
in das Binnenland hinein. Die größte Bedeutung 
hat die Gattung Gadus, mit drei Rücken- und 
zwei Afterflossen, und zwar erstens der Kabel 
jau, Gadus morrhua (s. d.), zweitens der 
Schellfisch, Gadus aeglefinus (Haddock 
in England), ein 30—40 cm langer Fisch mit 
braunem Rücken und silberigen Seiten, aus 
geschnittener Schwanzflosse und gerader Seiten 
linie, und drittens Gadus merlangus, Mer 
lan, auch Wittling genannt, in Nordeuropa. 
Weitere S. sind Merlucius vulgaris, der 
Seehecht, in der Nordsee und im Mittelmeer, 
und die Aalraupe, Lota fluviatilis, in Süß 
wasser. — Hinsichtlich der Verwendung des 
eigentlichen S,:. Siehe Kabeljau. 
Schiefer (frz. Ardoise ou Schiste, engl. Slate). 
In der Gesteinskunde werden mit diesem Na 
men alle Sedimentgesteine belegt, die sich 
in mehr oder weniger dünne, annähernd ebene 
Platten spalten lassen. Da diese Eigenschaft 
vielen Gesteinen zukommt, so hat man auch 
ebenso viele verschiedene Schiefersorten, wie 
Glimmerschiefer, Chloritschiefer, Ton 
schiefer, Grauwacken schiefer, Kiesel 
schiefer, Kupferschiefer, Mergelschie 
fer und Talkschiefer. Im Handel versteht 
man jedoch unter S. ohne nähere Bezeichnung 
nur diejenigen Sorten, welche sich als Dach 
schiefer oder Tafe 1 sch,iefer eignen. Sie 
sind in Platten abgesonderte dunkle Gesteine, 
die in der Hauptsache aus kleinen mit Ton und 
Glimmer verkitteten Quarzkörnern bestehen und 
entweder durch Kohle schwarz, durch Eisen 
oxyd rötlich, bräunlich bis violett oder durch 
Chlorit grünlich gefärbt erscheinen. Ihre Härte 
ist gering, der Bruch matt. In chemischer Hin 
sicht enthalten sie neben etwas Eisen, Alkali und 
Erdalkali 50—700/0 Kieselsäure und 15—35% 
Tonerde. Ihrer Entstehung nach gehören sie 
teils zum kristallinischen Urtonschiefer, teils zu 
der Übergangsformation. Die Schieferbrüche 
werden entweder im Tagbau wie gewöhnliche 
Steinbrüche oder unterirdisch wie Bergwerke 
betrieben. In beiden Fällen ist immer viel 
wildes Gestein zu beseitigen, zwischen welchem 
der brauchbare S. in Schichten liegt. In Deutsch 
land wird der beste S. im Thüringer Walde ge 
funden, und namentlich der aus den berühmten, 
seit Jahrhunderten betriebenen Brüchen von 
LehestenimMeiningenschengewonnene zeich 
net sich durch Güte, Reinheit und Schönheit 
aus. Die Blöcke werden in möglichster Größe 
abgebaut und sogleich auf den Spalthütten in 
Arbeit genommen, weil sie sich im Zustande 
ihrer natürlichen Erdfeuchtigkeit am leichtesten 
zerlegen lassen. Dicke Platten für Grabmonu 
mente, Fußbodenbelag, Tröge und Tischplatten 
werden durch Sägen, Behauen und Schaben in 
die verlangte Form gebracht, die dünneren Plat 
ten zur Dachbedeckung und Schreibtafeln durch 
Spalten mit stählernen Meißeln hergestellt. Die 
Form der Platten wird bei gewöhnlichem Dach 
schiefer durch Schlagen auf einem Amboß mit 
scharfen Kanten, bei feinerer Ware durch Schnei 
den auf einer Stockschere erzeugt. Das letztere 
gilt namentlich von dem sog. Schablonen 
schiefer, der nicht nur quadratisch und lang 
viereckig, sondern auch 5-, 6-, 8 eckig und in 
anderen Formen hergestellt wird. Der Tafel- 
schiefer erhält seine Glätte durch Schaben und 
Schleifen, worauf er meist eingerahmt (Schie
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.