Schießpulver
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Schildkröten
Temperatur explodiert sie hingegen mit ungeheurer
Gewalt, welche diejenige des Pulvers
bis zum Zehnfachen übertrifft. Die S. wird vor
allem zu Sprengungen benutzt und hat hierbei
den Vorzug, daß das Bohrloch nicht verrammt
zu werden braucht. Ferner dient sie zum Füllen
von Torpedos, Granaten und Minen und zur
Herstellung des rauchlosen Pulvers. Die in ähnlicher
Weise hergestellte Kollodiumwolle
(s. d.) ist Zellulosetetranitrat. Die S. kann in
feuchtem oder gekörntem Zustande völlig gefahrlos
versandt werden. Während des Krieges
ist es gelungen, die Sch. aus Holzzellulose herzustellen
und dadurch die auf die Abschneidung
der Baumwolle gesetzten Hoffnungen der Feinde
zu vereiteln.
Schießpulver (Pulver, frz. Poudre ä canon,
engl. Gun-powder), ein wahrscheinlich schon
seit uralten Zeiten bekannter Stoff, besteht aus
Mischungen von Salpeter, Kohle und Schwefel
in wechselnden Verhältnissen, die durch besondere
Maßnahmen in eine gekörnte Form
übergeführt werden. Zur Herstellung des S.
werden reinster, chlorfreier Kalisalpeter, selbstgemahlener
Stangen- oder Brotschwefel (hingegen
keine Schwefelblumen) und eine besonders
leichte, poröse Holzkohle verwandt. Vor
allem eignet sich hierzu die Kohle von Pappel,
Faulbaum, Linde und Kastanie, die in geschälten,
daumendicken und völlig trockenen Stäben
in eisernen Zylindern auf picht zu hohe Temperaturen,
am besten mit überhitztem Wasserdampf,
erhitzt werden. Auch Flachs, Hanf und
Weinrebe geben gute Kohle. Bei einer Temperatur
von 270—300 0 erhält man die raschentzündliche,
für Jagdpulver geeignete Rotkohle,bei35o°dieschwererbrennbare
Schwarzkohle
für Kriegspulver. Zur Vermeidung von
Wasseranziehung und Selbstentzündung wird
die Kohle möglichst bald in Stampfwerken oder
Kugelmühlen zerkleinert, in den mit Leder
überzogenen Mengtrommeln mit der erforderlichen
Menge Schwefel und Salpeter vermischt und
die mit etwas Wasser gleichmäßig angefeuchtete
Masse auf einem endlosen Tuche zwischen Walzen
hindurchgeführt oder durch hydraulische
Pressen verdichtet. Man erhält hierdurch Platten
von dem Aussehen und der Härte des Schiefers,
die zwischen geriffelten Walzen oder in
mit Sieben versehenen Körnmaschinen inKörner
verschiedener Größe zerteilt werden. Die letzteren
werden an der Luft vorgetrocknet, in
Trommeln durch gegenseitige Reibung poliert
und darauf bei höherer Temperatur völlig getrocknet.
Zum Versand kommt das P. in
Fässer, für größere Mengen und Entfernungen
aber erst in leinene oder lederne Säcke und mit
diesen in Holzfässer. Kleinere Mengen Jagdpulver
werden auch in Glas- oder Blechflaschen
versandt. Pulverfässer sollen nie gerollt,
sondern stets getragen Werden. Die einzelnen
Pulversorten unterscheiden sich sowohl
durch die chemische Zusammensetzung wie den
Grad der Feinheit. Jagdpulver enthält im Durchschnitt
meist 77 Teile Salpeter, 13 Kohle,
10 Schwefel; Militärpulver 75 Teile Salpeter,
15 Kohle, 10 Schwefel; Sprengpulver 66 Teile
Salpeter, 11 Kohle, 23 Schwefel. Erhöhter
Schwefelgehalt macht das Pulver unempfindlicher
gegen Feuchtigkeit und haltbarer für den
Versand, erniedrigt aber die Sprengkraft und
verlangsamt die Verbrennung. Größerer Kohlenstoffgehalt
steigert die Entzündlichkeit, aber
auch die Neigung zum Feuchtwerden. Großkörniges
Pulver verbrennt langsamer und wird
daher als Geschützpulver verwandt. DasPirsch-,
Jagd- oder Scheibenpulver ist die feinste
Sorte mit mohnsamengroßen, polierten und runden
Körnern. Das Musketenpulver ist gröber
und weniger poliert, noch grobkörniger das
meist aus eckigen Bruchstücken bestehende Geschützpulver.Für
großes Belagerungsgeschütz,
Strandbatterien und Schiffsgeschütze wird meist
das prismatische Pulver benutzt, das aus
sechsseitigen, von sechs Kanälen durchzogenen
Prismen besteht und durch Pressen des angefeuchteten
Pulverkuchens in Formen hergestellt
wird. Gutes S. muß staubfrei sein und
darf nicht abfärben. Das Korn sei fest und
gleichmäßig schwach glänzend, die Farbe bleigrau.
Tiefschwarzes Pulver hat entweder einen
zu hohen Kohlenstoffgehalt oder ist naß gewesen.
Der Feuchtigkeitsgehalt soll 1 1 / 2 0/0 nicht
übersteigen. Auf Papier verbrannt, darf gutes
S. die Unterlage nicht entzünden und nur einen
unbedeutenden schwarzen Fleck hinterlassen. —
Das für die Handfeuerwaffen des Heeres bestimmte
rauchlose Pulver (Blättchenpulver)
wird durch Auflösen von Schießbaumwolle
in Essigäther, Azeton oder Alkoholäther,
Auswalzen der entstehenden gelatineartigen
Masse und Zerschneiden in runde oder viereckige
Blättchen hergestellt. Dieses Pulver
brennt, mit offener Flamme entzündet, schnell,
aber ruhig ab. Im geschlossenen Raume explodiert
es ohne Rauchentwicklung. Von anderen
rauchlosen Pulvern besteht das Nobelsche
Ballistit aus einem Gemenge von Kollodiumwolle
mit Nitroglyzerin, das Kordit der englischen
Armee aus einem Gemisch von Nitroglyzerin
mit in Azeton gelöster Schießbaumwolle.
Auch hat man Verbindungen der Pikrinsäure
zu gleichem Zwecke (Pikratpulver) herangezogen.
Schildkröten (frz.Tortues, engl. Turtles). Von
diesen zur Klasse der Amphibien gehörigen
Tieren bilden mehrere Arten ihres nahrhaften
und schmackhaften Fleisches wegen einen Gegenstand
des Lebensmittelhandels. So wird von den
Landschildkröten die bis zu 2 kg schwere
griechische S., Testudo graeca, in gan?
Italien und Griechenland regelmäßig auf den
Markt gebracht, und in Brasilien bildet eine
andere Landschildkröte, der Schabuti (Testudo
tabulata), ein wichtiges Nahrungsmittel-Die
schmackhafteste und wichtigste aller Arten,
die im Atlantischen Ozean lebende Suppen'
Schildkröte, Chelonia Mydas, erreicht unter
Umständen ein Gewicht von 500 kg, hält sieb
vorzugsweise in der Nähe der Küste auf umlegt
ihre Eier in ein in den Sand oder die Erde
gegrabenes Loch. Die Schildkröteneier
mehrerer Arten werden ebenfalls genossen und
auch, eingesalzen und mariniert, in den Handel
gebracht. Aus dem Fleische bereitet man di®
Schildkrötensuppe (engl. Real turtle souj>)
sowie auch Ragouts (Würzfleisch) und Frikassees
(Schnittfleischgerichte). Echte Schild'