Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Schildkrötenöl

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Schlangenwurzel

krötensuppe  sowie  unechte,  nachgemachte  Schildkrötensuppe ­
  (engl.  Mock  turtle  soup)  kommt  in
luftdicht  verschlossenen  Blechbüchsen  zum  Verkauf. ­

Schildkrötenöl  (Schildkröteneieröl).  Die
Eier  der  Schildkröten  enthalten  ein  fettes
öl,  das  in  manchen  Gegenden,  so  namentlich
am  mittleren  und  unteren  Orinoko  in  großer
Menge  gewonnen  wird.  Die  Tiere  legen  ihre
Eier  auf  gemeinschaftlichen  Brutplätzen  am
Ufer  des  Flusses  in  Gruben,  die  sie  mit  ihren
Hinterfüßen  in  den  Sand  scharren.  Die  Indianer
graben  den  Boden  vorsichtig  auf,  nehmen  die
Eier  heraus  und  werfen  sie  in  große,  mit  Wasser
gefüllte  Tröge,  in  denen  sie  mit  Schaufeln  zerdrückt, ­
  umgerührt  und  der  Sonne  ausgesetzt
werden.  Das  obenschwimmende  Öl  wird  abgeschöpft ­
  und  über  freiem  Feuer  erhitzt,  wodurch ­
  es  an  Haltbarkeit  gewinnt.  Es  ist  schwach
gelblich  gefärbt,  geruchlos  und  dem  Olivenöl
ähnlich  und  dient  zur  Bereitung  von  Speisen  sowie ­
  als  Brennöl.  Auch  rühmt  man  ihm  nach,
daß  es  gegen  Lungenleiden  wirksamer  als  Lebertran ­
  sei,  da  es  vom  Magen  besser  vertragen
werde.
Schildkrot  (Schildpatt,  frz.  Ecaille,  engl.
Tortoise  shell,  Shell  of  sea  turtles)  nennt  man
die  homartigen,  aus  verdicktenEpidermiszeilen ­
  bestehenden  oberen  Platten  des  Rückenschildes ­
  mehrerer  Arten  von  Schildkröten.
Die  Schale  der  ihres  wohlschmeckenden  Fleisches ­
  wegen  geschätzten  Riesenschildkröte
oder  Suppenschildkröte,  (CheloniaMydas)
kann  wegen  ihrer  geringen  Dicke  nur  zu  Laternen ­
  gebraucht  werden,  hingegen  werden
andere  Arten,  deren  Hornpatten  klar  durchscheinend ­
  und  buntfarbig,  gelb,  rot,  braun,
schwarz  geflammt  oder  gewölkt  sind,  besonders
die  Karetschildkröte  (Chelonia  Caretta)
und  die  schuppige  Schildkröte  (Chelonia
■mbricata)  lediglich  ihres  S.  wegen  gefangen.
Das  beste  Schildpatt  stammt  aus  dem  ostindischen
  Inseimeer  und  wird  je  nach  den  Bezugswegen ­
  chinesisches  oder  ostindisches
genannt,  doch  kommen  auch  aus  dem  Roten
Meer  schöne  schwere  Stücke,  die  auf  dunkelgelbem ­
  Grunde  braunschwarze  Flecken  zeigen,
über  Kairo  in  den  Handel.  Vom  Schildkrötenpanzer ­
  verwendet  man  nur  das  Rückenschild,
das  aus  zwölf  um  eine  sechseckige  Mittelpatte
ungeordneten  Tafeln  besteht.  Die  Patten  werden ­
  in  der  Weise  abgenommen,  daß  man  die
Panzer  über  Kohlenfeuer  hält,  wodurch  sie  sich
v on  dem  darunterliegenden  Teile  des  Rückenschildes ­
  trennen.  Der  Wert  des  S.  hängt,  außer
v on  der  guten  Färbung,  besonders  auch  von  der
Größe  und  Dicke  ab,  das  beste  muß  dick,  durchsichtig, ­
  lebhaft  gefärbt  und  großgefleckt  sein.
Die  bekanntesten  Sorten  sind  das  indische,
schwarz  mit  gelber  und  roter  Zeichnung,  das
sehr  dicke,  veilchenblaue  von  den  Seyschellen, ­
  das  außen  muschelgrüne,  innen  schwärzliche, ­
  mit  bräunlichem  Schein  und  gelben
Eiecken  versehene  amerikanische  und  das  in
sehr  großen,  weichen  und  biegsamen,  blaß-Selben,
  rotgelb  und  schwarz  gefleckten  Stücken
?aftretende  S.  von  der  Insel  Bourbon.  Das  S.
■st  seiner  Natur  und  seinen  Eigenschaften  nach
de m  Horn  sehr  ähnlich,  aber  von  feinerer  und

derberer  Masse,  nicht  so  faserig  und  blätterig
und  daher  politurfähiger.  Es  läßt  sich  auch  in
gleicher  Weise  wie  Hom  bearbeiten,  durch
siedendes  Wasser  erweichen  und  pressen  und
in  trockener  Hitze  schweißen  und  findet  daher
zur  Herstellung  von  Dosen,  Kämmen,  Messerheften ­
  und  Schmuckwaren  Verwendung.  Nachahmungen ­
  von  S.  werden  hergestellt,  indem
man  auf  weißem  Hom,  Knochenleim  u.  dgl.
durch  Beizen  ähnliche  Farben  und  Zeichnungen
hervorbringt  oder  auch  die  Abfälle  von  der  Verarbeitung ­
  des  echten  S.  in  geeignete  Form  bringt.
Schinken  (frz.  Jambon,  engl.  Ham),  die  eingesalzenen ­
  und  geräucherten  Hinterschenkel
der  Schweine,  bilden  einen  bedeutenden  Gegenstand ­
  des  Handels.  Besonderen  Ruf  genießen
die  westfälischen  und  pommerschen  S.,  nächstdem
  die  aus  Thüringen,  Braunschweig  und  Holstein ­
  stammenden  Erzeugnisse.  In  Frankreich
sindBayonne,  Bordeaux  undTroyes  wegen  ihrer
S.  besonders  bekannt.
Schlackensteine.  Aus  Schlacke,  d.  h.  den  beim
Schmelzen  von  Erzen  mit  Zuschlägen  entstehenden ­
  geschmolzenen  Abfällen,  werden  durch
Gießen  in  Formen  würfelförmige  und  auch  prismatische ­
  Steine  gefertigt,  die  eine  schwarzgraue
Farbe  besitzen  und  namentlich  zum  Pflastern
von  Straßen  dienen.  Sie  sollen  sich  gut  halten
und  werden  in  großem  Umfange  in  den  Handel
gebracht.
Schlangen  Wurzel.  Diesen  Namen  führen  zwei
verschiedene  Wurzeln,  t.  Die  hin  und  her  gebogene ­
  ausdauernde  Wurzel  des  auf  allen  feuchten ­
  Wiesen  vorkommenden  Wiesenknöterichs ­
  (Polygonum  bistorta),  aus  der  Familie ­
  der  Polygonazeen,  die  sog.  Schlangenoder ­
  Natterwurzel  (lat.  Rhizoma  bistortae,
frz.  Rhizome  de  bistorte,  engl.  Snake  root)
schmeckt  sehr  herb-  und  bitter,  besitzt  einen
hohen  Gehalt  an  Gerbstoff,  Gallussäure  und
Stärkemehl  und  wird  als  adstringierendes  Mittel
verwendet.  2.  Die  virginische  Schlangenwurzel ­
  (lat.  Rhizoma  serpentariae,  frz.  Rhizome ­
  de  serpentaire  de  Virginie,  engl.  Serpentary
  root),  die  ihren  Namen  nicht  von  ihrer  Gestalt, ­
  sondern  von  ihrem  angeblichen  Gebrauch
als  Mittel  gegen  Schlangenbiß  erhalten  hat,
stammt  von  der  Aristolochiazee  Aristolochin ­
  Serpentaria  oder  Endodeca  Serpentaria
  (Raff.),  einer  krautartigen  Pflanze  mit
ausdauerndem  Wurzelstock,  die  in  den  schattigen ­
  Wäldern  der  östlichen  und  südlichen  Vereinigten ­
  Staaten  häufig  wächst.  Sie  besteht  aus
einem  kurzen,  2  mm  dicken,  gewundenen,  oft
Reste  von  Blättern  und  Stengeln  tragenden
Wurzelstock,  von  dem  zahlreichem—9  cm  lange,
dünne,  blaßbraune,  durcheinander  gewirrte  Faserwürzelchen ­
  ausgehen.  In  der  Rinde  finden
sich  zahlreiche  Öldrüsen.  Der  Geruch  ist  gewürzhaft ­
  kampferähnlich,  der  Geschmack  bitter  und
scharf.  Die  Wurzel,  die  außer  ätherischem  Öl
ein  grünlichgelbes  Weichharz  und  einen  Bitterstoff ­
  enthält,  wird  als  Pulver  oder  Aufguß  medizinisch ­
  gegen  Fieber  und  Typhus  verordnet
und  muß  in  gut  verschlossenen  Blech-  oder
Glasgefäßen  aufbewahrt  werden.  Etwaige  Verwechslungen ­
  mit  der  Wurzel  von  Spigelia
marylandica  (L.)  erkennt  man  daran,  daß
letztere  geruchlos  und  dunkelbraun  bis  schwärz ­
            
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