Schwämme
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Schwarzwurzel
wolligen weichen Felle zeigen dunklere oder
hellere graubraune Färbung mit wechselnden
Schattierungen. Die 16—21 cm langen Schweife
sind gelbbraun mit schwarzen Ringeln. S. bilden
einen der wichtigsten Gegenstände des Rauch
warenhandels und gehen in der Zahl von jähr
lich etwa 600000 Stück über den Leipziger
Markt. Hauptsächlich werden sie in Rußland
verbraucht" und bilden hier das Pelzwerk der
jenigen Mittelklasse, der Wolfspelze zu schlecht
und Bären zu teuer sind. Schwarz oder braun
gefärbt bilden sie seit einigen Jahren auch eine
Modeware für Frankreich, England, Deutsch
land und die Vereinigten Staaten. Der Wert der
Felle stuft sich nach Güte und Färbung be
deutend ab.
Schwämme (Badeschwämme, Wasch-
schwämme. Seeschwämme, lat. Spongiae,
frz. Eponges, engl. Sponges) bestehen aus den
Gehäusen einer auf der niedrigsten Stufe der
organischen Welt stehenden Tiergattung, sog.
Tierpflanzen, Zoophyten, Spongia offi-
cinalis, Achilleum lacinulatum, die sich in
allen wärmeren Meeren, auf dem felsigen Grunde
aufgewachsen, in den mannigfaltigsten Arten
vorfinden. Jeder Schwamm bildet eine Kolonie
zahlreicher Tiere, deren aus' einer gallert
artigen Masse (Sarkode) bestehender Körper
die Poren des Gehäuses ausfüllt und dieses
auch äußerlich überzieht. Die b e s t e n Schwämme
st ammen aus dem östlichen Teile des Mittei
th eer es von der syrischen und kleinasiatischen
Küste und mehreren Inseln des Griechischen
Archipels. Nächst diesen kommen die S. von
der Ostküste des Adriatischen Meeres bis
Triest sowie von der afrikanischen Küste von
Tripolis bis Marokko und aus dem Roten Meere.
Fine geringere Sorte bilden die Bahama-
s chwämme aus Westindien, die meist am
Grunde eine stark braunrote Färbung zeigen
u nd seit einigen Jahren auch an den Küsten
v on Kuba gefischt werden. Zum Loslösen der
Schwämme bedient man sich, wo es möglich
ls t, wie bei Nauplia, eines an langer Stange be
festigten Eisens, bei größerer Meerestiefe aber
der Taucher. Die herausgebrachten S. werden
s °fort durch Auswaschen mit Wasser von dem
Schleim befreit, gereinigt und getrocknet, bis
weilen allerdings auch betrügerischerweise zur
Beschwerung mit Sand eingerieben und so aus-
Seführt. Die Mittelmeerschwämme kommen
•heist über Triest, Venedig, Livorno, Marseille,
Genua und Tripolis in den Handel, teils in
Fisten, teils in Ballen gepackt, die kleineren
Sorten an Schnüren aufgereiht. Für die Bahama-
^der amerikanischen S. sind Hamburg und
“temen die hauptsächlichsten Einfuhrplätze. Sie
"'erden hier gebleicht und in handliche Formen
geschnitten und je nach der Güte unter den
Famen: Graß, Velvets, Reefs usw. in den Han
del gebracht. Das Bleichen erfolgt mit Wasser
stoffsuperoxyd oder durch Eintauchen in Ka-
* lu mpermanganatlösung und nachherige Ent
erbung in einer Natriumhyposulfitlösung unter
$ u satz einiger Teile Salzsäure. Der Güte und
l°rmnach unterscheidet man 1.Champignons,
, le feinsten, kleinporigen, hellfarbigen, sehr
e *astischen SC' J 2. Damen- oder Toilette-
Sc hwämme, sehr feinporige weiche S. (Diese
beiden Sorten bezeichnet man als „Levantiner“.)
3. Gewöhnliche S., von denen man un-
angereihte, auf Venetianer Art angereihte und
auf Triester Art aufgeschnürte unterscheidet.
4. Zimoccaschwämme oder Zemocca-
schwämme, feinporige, aber festere und här
tere, und infolgedessen sehr haltbare S. 5. Pf erde
schwämme, die größten, und im Gegensatz zu
den vorhergehenden, großporigen Sorten. Sämt
liche S. werden außerdem noch in verschiedene
Wert- und Größennummern sortiert, und der
Abfall oder Ausschuß unter dem Namen Kropf
schwamm verkauft. Alle S. dürfen weder zu
feucht noch zu trocken aufbewahrt werden, da
sie im ersteren Falle leicht übelriechend und
rotfleckig werden, im letzteren aber zu sehr an
Gewicht verlieren. Die wichtigste Verwendung
der S. ist bekannt, erwähnt mag nur noch wer
den, daß man mit geschmolzenem Wachs ge
tränkte und gepreßte Schwammschnitte unter
dem Namen Preßschwamm (Spongia cerata)
führt. Auch wurde früher aus den Schwamm
abfällen (Kropfschwamm) durch Verglühen eine
Kohle, Carbo spongiae, hergestellt, die ihres
geringen Jodgehaltes wegen als Mittel gegen
den Kropf Anwendung fand.
Schwarzkümmelsamen (Kreuzkümmel, lat.
Semen nigellae, frz. Semence de nigelle, engl. Ni-
gelle seeds), ein Gegenstand des Drogenhandels,
der in der tierärztlichen Praxis und als Gewürz
Verwendung findet, stammt von mehreren Arten
der den Ranunkulazeen angehörenden Gattung
Nigella. In Südeuropa und Deutschland baut
man den gemeinen Schwarzkümmel, Ni
gella sativa L., eine 25—30 cm hohe Pflanze,
die auch römischer oder schwarzer Ko
riander, Katharinenblume, Kapuziner-
und Nardenkraut, Nardensamen usw. ge
nannt wird, während im Orient der Damas
zener Schwarzkümmel von Nigella Da-
mascena L. bevorzugt wird. Die Früchte des
letzteren sind etwas kleiner, riechen gewürz-
hafter und zeigen beim Reiben einen erdbeer-
artigen Geruch. S. enthält etwa 35 0/0 fettes Öl
und 1 / 2 0/0 ätherisches öl, die erstere Sorte
außerdem einen Bitterstoff, Melianthin, der
Damaszener S. hingegen ein Alkaloid, das Da-
maszenin, das im ätherischen .Öl blau flu
oresziert.
Schwarzwurzel (lat. Radix consolidae seu sym-
phyti, frz. Racine de symphyte, engl. Symphyti
root), die Wurzel von Symphytutn offici-
nale, einer zu der Gattung der Boragineen
gehörenden Pflanze, wird medizinisch als schleim
lösendes Mittel benutzt und enthält Schleim,
Gerbstoff und Asparagin. — Mit demselben
Namen bezeichnet man auch eine beliebte Ge
müsepflanze, Scorzonera hispanica, deren
Wurzeln wie Spargel zubereitet werden und ge
röstet als Kaffee-Ersatz Verwendung finden. Die
Pflanze wird 0,6-—1,3 m hoch, ist zwei- und
mehrjährig, besitzt gelbe, wie Vanille riechende
Blüten und große lange Blätter und wächst auf
Kalkboden auch wild. Der Anbau verlangt tief
gelockerten Boden in offen zugiger Lage, dünne
Reihensaat im März oder April und gute, aber
nicht frische Düngung. Oft erlangen die Wur
zeln schon im ersten Jahre die zum Gebrauch
erforderliche Größe und Stärke, gute Finger