Atlasstein
35
Austern
der Insel Java. Der zähe Wurzelstock wird zu
Werkzeugstielen verwendet.
Atlasstein (Atlasspat, Faserkaik, engl.
Satin-spar), eine vereinzelt, am meisten in Eng
land vorkommende Abart des kohlensauren
Kalkes von rein weißer, auch rötlicher unö
anderer Färbung, die vermöge ihrer feinfaseri
gen Struktur auf den Schliffflächen einen eigen
tümlichen atlasähnlichen Schimmer zeigt, wird
zu Perlen für Halsketten und andern Schmuck
sachen geschliffen, die einen sehr schönen Glanz
und hübsches Aussehen haben, aber bei der
Weichheit des Materials nicht lange behalten.
Zuweilen versteht man unter A. auch eine Art
Fasergips von ebenfalls seideglänzendem Aus
sehen, der in Thüringen, im Mansfeldischen und
im Waadtland in schöner Qualität gefunden wird
und gleiche Verwendung wie der vorige findet,
aber noch weicher ist als dieser.
Atoxyl, eine organische Arsenverbindung, p-
Amidophenylarsinsäure, NH 2 . C G H 4 . As (NaH0 3 ),
wird durch Erhitzen von arsensaurem Anilin mit
überschüssigem Anilin auf 200 0 dargestellt und
als Mittel gegen Schlafkrankheit und Syphilis
angewandt. Auch bildet es das Ausgangsmate-
rial zur Gewinnung des Salvarsans (s. d.).
Atropin, C 17 H 23 N0 3 (lat. Atropinum, frz. und
ungl, Atropine), das giftige Prinzip der Toll
kirsche, Atropa Belladonna, findet sich
neben Hyoszyamin in allen Teilen dieser Pflanze
sowie einiger anderer Solanazeen (Stechapfel,.
Bilsenkraut), hauptsächlich aber in den Samen,
der Wurzel und den Blättern. Nach neueren
Untersuchungen soll in der Wurzel der Bella
donna nur Hyoszyamin Vorkommen und das A.
aus letzterem während der Bereitung entstehen.
Uas A. gehört zu den stickstoffhaltigen organi
schen Basen (Alkaloiden) und kann auf Grund
Ber Arbeiten von Ladenburg, Willstätter u.a.
synthetisch dargestellt werden. Es wird medi
zinisch bei Augenkrankheiten verwendet, da es
die Eigentümlichkeit besitzt, die Pupille des Auges
stark zu erweitern, darf aber seiner Giftigkeit
liegen ohne Rezept nicht abgegeben werden,
utas A. erscheint in farblosen, geruchlosen, sei
denartig glänzenden, zu Büscheln vereinigten
Kristallnadeln. Außer dem reinen A. benutzt man
^ as schwefelsaure A. (Atropinsulfat, lat.
Atropinum sulfuricum) und das baldrian-
Sa Ure A. (Atropinvalerianat, lat. Atropi-
Huin valerianicum), welche ebenfalls farblos
u ud kristallinisch sind.
Attichbeermus (lat. Roob s, Succus Ebuli, frz.
Marmelade d’hifeble, engl. Dwarfelder marme-
ll de), cl er eingedickte Saft der Attichbeeren
t'°m Zwergholunder (Sambucus Ebulus), war
r . ler offizineil, wird aber jetzt nur als Haus-
Hittel zum Abführen benutzt.
Augennichfs (lat. Nihilum album), ein veralte-
Name für Zinkoxyd (s. d.) in seiner An-
■ e ?dung als Augenmittel. Es dient oder diente
Wasser verteilt zu Augenwasser.
^Augenstern (lat. Lapis divinus, Lapis ophtalmi-
’ s > Bz. Quarts-agate chatoyant, engl. White
PPeras, Eye-stone). Hierunter ist sowohl der
sam 6 Vitriol (Zinkvitriol) und der durch Zu-
«unenschmelzen von Alaun, Salpeter, Kupfer-
e - ri °l and Kampfer erhaltene Heiligenstein,
veraltetes Augenheilmittel, als auch das Mi
neral Chalzedon und der Achat mit augen-
ähniiehen Zeichnungen JAgate ocillee) zu ver
stehen.
Augenstüte, Ätzstifte aus Silbernitrat öder
Zinksulfat zur Behandlung von Augenkrank
heiten.
Augenwohl, wertloses Geheimmittel, aus einer
gelb gefärbten Lösung von Kochsalz, Borsäure,
Glyzerin und Zucker in Wasser bestehend.
Auramin, ein seit 1883 bekannter gelber Teer
farbstoff aus der Gruppe der Dipheny Imethan
farbstoffe, welche als Tanninfarbstoffe anzu
sprechen sind, wird durch Einwirkung von Sal
miak auf Tetramethyldiamidobenzophenon oder
dessen Chlorverbindung gebildet, welches selbst
bei Behandlung von Dimethylanilin mit Chlor
kohlenoxydgas entsteht. Das A. ist ein gelbes
kristallinisches, leicht in Wasser lösliches Pulver
und wird zum Färben von Seide, Wolle, Papier
und gebleichter Baumwolle verwandt. Unter
dem Namen Pyoktanninum findet es alsHeil-
mittel (Antiseptikum) Anwendung.
Auranfia (Kaisergelb), die Ammoniumver
bindung des Plexanitrodiphenylamins, ist ein
früher viel benutzter gelber Nitrofarbstoff,
[C s H s (N0 2 ),j„N.NH 4 , der aber neuerdings we
gen unangenehmer Hautreize, wenigstens für
Gewebe, nicht mehr verwandt wird.
Aurin (Pararosolsäure) ist ein Triphenyl-
methanfarbstoff von der Formel: C.(C 6 H40H) 2 .
CgH^. O, welcher beim Erhitzen von Phenol mit
Ameisensäure und Zinkchlorid, ferner bei der
Einwirkung von Dioxybenzophenonchlorid auf
Phenol und bei der Zersetzung von diazotier-
tem Pararosanilin mit Wasser entsteht. Er kann
demnach als ein Pararosanilin angesehen wer
den, in welchem der Imidstickstoff durch Sauer
stoff, die Amidogruppe durch Hydroxyl er
setzt sind. Aurin bildet in reinem Zustande
keinen Handelsartikel, kommt aber neben Me
thylaurin und Rosolsäure im rohen Korallin
(s. d.) vor, welches auch wohl technisches Aurin
genannt wird.
Austern (frz. Huitres, engl. Oysters) sind die
geschätztesten Muscheln, deren zahlreiche Arten
in fast allen Meeren, außer den Polargegenden,
Vorkommen. Die A. der europäischen Meere
(Ostrea edulis) findet sich von der norwegischen
Küste bis zum Mittelmeer, aber nicht in der zu
salzarmen Ostsee, die amerikanische A. (O. vir-
giniana) vom mexikanischen Golf bis zum Lo
renzstrom. Die A., Zwitter, bei denen Eier und
Befruchtungskörper in demselben Tiere nach
einander entstehen und die 1—2 Millionen Eier
legen können, siedeln sich am liebsten in stillen
Meeresbuchten von höchstens 10 m Tiefe, sog.
Austernbänken oder -betten an und werden
von hier meist in halberwachsenem Zustande in
besondere Bassins (Austernparks) übertra
gen, deren Wasser zeitweilig erneuert wird.
Zum Versand werden die A. in Fässer, mit der
Schale nach unten, so dicht aufeinandergelegt,
daß sie sich nicht öffnen und das eingeschlossene
Wasser nicht herauslassep können. In Europa
werden sie nur von September bis Mai gefischt.
Als wertvollste gelten die französischen und
englischen, danach die A. von der Westküste
Schleswigs und von Holland. Als Holsteiner
j A. bezeichnen wir alle größeren A. von den non