Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Schwefelkohlenstoff 
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Schwefelsäure 
Verbindungen und wird daher zur Reinigung 
von neuem destilliert, indem man die Dämpfe 
hintereinander durch Kalkmilch, dünne Kali 
lauge und Lösungen von Eisenvitriol und Kupfer 
sulfat leitet. Hierdurch wird der Schwefel und 
der Schwefelwasserstoff beseitigt. Um den S. 
auch von den organischen Schwefelverbindun- 
gen zu befreien, die ihm den unangenehmen 
Geruch verleihen, schüttelt man ihn noch mit 
metallischem Quecksilber oder mit 1 / 2 o/o Subli 
mat und rektifiziert ihn alsdann über 2—5 0/0 
fettem Öl. — Der S., CS 2 , bildet eine farblose, 
leicht bewegliche und stark lichtbrechende 
Flüssigkeit von eigenartig ätherischem, in un 
reinem Zustande unangenehmem, an Rettich 
erinnernden Geruch und scharfem, aromati 
schem Geschmack. In Wasser ist er nur sehr 
wenig, in starkem Weingeist, Äther, Chloroform, 
fetten und ätherischen Ölen hingegen leicht lös 
lich. Trotz des hohen spez. Gew. von 1,272 ist 
er äußerst leicht flüchtig und höchst feuer 
gefährlich, denn er entzündet sich schon bei 
Annäherung eines glimmenden Körpers, ohne 
daß dieser mit der Flüssigkeit selbst in Berüh 
rung zu kommen braucht. Angezündet ver 
brennt der S. mit bläulicher Flamme zu Kohlen 
säure und schwefliger Säure. Seine Dämpfe 
geben mit Sauerstoff oder Luft gemengt explo 
sive Gemische von hoher Spannkraft. Am 
Sonnenlicht in einem nur teilweise gefüllten 
Glase nimmt der S. eine gelbe Farbe und sehr 
unangenehmen Geruch an und scheidet bis 
weilen auch braune Flocken von Einfachschwe- 
felkohlanstoff ab. Für niedere Tiere ist S. ein 
Gift. Das längere Zeit fortdauernde Einatmen 
kleiner Mengen von Schwefelkohlenstoffdämpfen, 
dem die Arbeiter verschiedener technischer Be 
triebe ausgesetzt sind, ruft häufig chronische 
Vergiftung hervor. Zu medizinischem. Gebrauch 
darf nur rektifizierter S. (lat. Alcohol sulfuris 
rectificatus) verwandt werden, der farblos, klar 
und ohne widerlichen Geruch, frei von Schwe 
fel, schwefliger Säure, Schwefelsäure und Schwe 
felwasserstoff sowie fremden organischen Schwe 
felverbindungen sein muß. S. findet hauptsäch 
lich in der Technik ausgedehnte Anwendung. 
Er ist ein ausgezeichnetes Lösungsmittel für 
Ftarze, Fette, Schwefel, Phosphor, Guttapercha 
Und Kautschuk und dient infolgedessen zum 
Entfetten der Wolle, zur Extraktion von Fetten 
Und Ölen aus Knochen und Samen, zum Aus 
sehen von Gewürzen behufs Herstellung der 
s °g. „löslichen Gewürze“, zum Extrahieren der 
feinen Blumengerüche, des Schwefels aus Erzen 
Usw. Allein in den Olivenölbezirken von Frank- 
r eich, Italien und Griechenland werden jährlich 
Weit über 100 Millionen Kilogramm S. zum Ex- 
Uahieren der Olivenpreßrückstände verbraucht. 
Bei den chemischen Waschanstalten spielt der 
S. neben anderen flüchtigen Stoffen, wie Ben 
zin, gegenwärtig eine wichtige Rolle. Drucker 
ü nd Färber, die sich mit der Aufarbeitung ge 
äugener Sachen beschäftigen, benutzen ihn zum 
Entfernen des Fettes und der Ölfarben, mit 
denen die Stoffe früher bedruckt waren. In der 
Eautschukindustrie wird er teilweise zum Vul 
kanisieren des Kautschuks verwendet, in der 
chemischen Großindustrie zur Herstellung von 
E-hodanverbindungen. Weiter dient er in großen 
Mengen zum Vertilgen der Reblaus sowie von 
Wanzen, Motten und anderem kleinen Unge 
ziefer. So lassen sich z. B. Herbarien damit 
reinigen, indem man sie einige Tage zusammen 
mit S. in dichtschließende Behälter bringt. Die 
Aufbewahrung des S. hat in starkwandigen Glas 
gefäßen mit gut eingeschliffenen Glasstopfen 
oder mit Korkstopfen zu erfolgen, und zwar, 
vor Licht geschützt, an einem kühlen Orte. Für 
die Lagerung größerer Mengen sind die etwa 
erlassenen Polizeiverordnungen streng zu be 
achten. —• Die Beförderung des S. auf Eisen 
bahnen erfolgt ausschließlich in offenen Wagen 
ohne Deckung und nur mit Feuerzügen. Die 
höchstens 500 kg fassenden Gefäße müssen zu 
diesem Zwecke zylindrisch sein und entweder 
aus Zinkblech oder aus starkem, gehörig ver 
nietetem und in den Nähten gut verlötetem 
Eisenblech bestehen. 
Schwefelleber (lat. Hepar sulfuris, frz. Foie 
de soufre alcalin, engl. Liver of sulphur). Diesen 
Namen führen im allgemeinen alle in Wasser 
löslichen Verbindungen des Schwefels mit Me 
tallen, d. h. diejenigen der Alkalimetalle und 
der alkalischen Erden, wie des Kaliums, Na 
triums, Kalziums usw. Im besonderen bezeichnet 
der Name jedoch die Kalischwefelleber 
(Schw-efelkalium, Kaliumsulfid, lat. Kalium 
sulfuratum, Hepar sulfuris kalinum). Zu ihrer 
Darstellung schmilzt .man zwei Teile trockener, 
gepulverter Pottasche und iS/* Teile Schwefel 
blumen, bis die Masse ruhig fließt, gießt auf 
eine Stein- oder Metallplatte aus und bringt 
die nach dem Erkalten in Stücke zerschlagene 
oder sofort grob gepulverte Schmelze zum 
Schutze gegen den Lufteinfluß in gut schlie 
ßende Gefäße. Die S., die aus Ka.liumtrisul- 
fid, K 2 S 3 , und Kaliumthiosulfat besteht und 
daneben infolge teilweiser Oxydation etwas Ka 
liumsulfat enthält, bildet eine braune lederfarbige 
Masse von muschligem Bruch, die, frisch be 
reitet. geruchlos ist, an der Luft aber unter 
Aufnahme von Kohlensäure, Sauerstoff und 
Wasser bald den Geruch nach Schwefelwasser 
stoff annimmt. Sie wird daher am besten in 
ganz gefüllten, geschlossenen Büchsen gekauft. 
Die reine S. dient als innerliches Mittel gegen 
Hauterkrankungen und Metallvergiftungen, die 
rohe ausschließlich zu künstlichen Schwefel 
bädern gegen Hautübel, rheumatische und gich 
tische Zustände und führt daher die Bezeich 
nung „ad balneum“ (zu Bädern). 
Schwefelsäure (Schwefeltrioxyd, Vitriol 
öl, lat. Acidum sulfuricum, frz. Acide sulfu- 
rique, engl. Sulfuric acid), die wichtigste und 
unentbehrlichste aller Säuren, scheint im un 
reinen Zustande schon von dem Alchimisten 
Geber, der im 8. Jahrhundert lebte, hergestellt 
worden zu sein. Im 15. Jahrhundert lehrte Ba 
silius Valentinus die Darstellung der Säure aus 
Eisenvitriol, während Cornelius Drebbel in der 
Mitte des 18. Jahrhunderts sie als erster aus 
Schwefel herstellte. Die Einführung des Blei 
kammersystems ist das Verdienst von Roebnik 
und Garbett in Birmingham. Die S. findet sich 
frei in einigen Flüssen Amerikas oft bis
	        
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