Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Schwefelsäure 
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Schwefelsäure 
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faten, wie Gips, Schwerspat, Zoelestin und Kie- 
serit, aus denen sie jedoch in der Zeit vor dem 
Weltkriege nicht gewonnen wurde. Vielmehr 
dienten als Ausgangsmaterial für; dieses wich 
tige Erzeugnis der chemischen Großindustrie 
lediglich Schwefel oder Schwefelkiese, Glanze 
und Blenden. Zur fabrikmäßigen Darstellung 
der Schwefelsäure geht man im allgemeinen von 
der schwefligen Säure (S0 2 ) aus, die entweder 
durch Verbrennen von Schwefel oder durch 
Rösten von Schwefelmetallen, hauptsächlich 
Schwefelkies erzeugt, neuerdings auch aus den 
früher in die Luft gejagten Röstgasen der Blei 
hütten abgeschieden, oder aus den Abgasen der 
Gasfabriken und Kokereien durch Oxydation ge 
wonnen wird. Die Überführung der schwefligen 
Säure in Schwefelsäure erfolgt durch Oxydation 
mit Luftsauerstoff bei Gegenwart sog. Kontakt 
substanzen oder Katalysatoren, die den Zusam 
mentritt der beiden Gase beschleunigen. Bei 
dem älteren Bleikammerverfahren diente Sal 
petersäure, bei dem neueren Kontaktverfahren 
fein verteiltes Platin als Sauerstoffüberträger. — 
i. Bleikammerverfahren. Das Gemisch von 
schwefliger Säure und Luft wird in die mit 
Bleiplatten ausgekleideten. Räume, von denen 
gewöhnlich drei, nämlich zwei kleinere und ein 
zwischen ihnen befindlicher größerer Raum vor 
handen sind, eingeleitet und hier mit Wasser 
dampf und Salpetersäure zusammengebracht. Der 
Wasserdampf tritt unter einem Drucke von 2—3 
Atmosphären ein. Die Salpetersäure läßt man 
entweder in dünnem Strahle, auf in der ersten 
Kammer befindliche Terrassen aus Steingut flie 
ßen oder auch wohl in Dampfform eintreten. 
Die Salpetersäure gibt Sauerstoff ab und oxydiert 
die schweflige Säure zu S., verwandelt sich 
selbst dabei in U'ntersalpetersäure und Stickoxyd, 
die aber aus der Luft wieder Sauerstoff auf-’ 
nehmen und von neuem an schweflige Säure 
übertragen, so daß mit Hilfe einer bestimmten 
Menge Salpetersäure unbegrenzte Mengen schwef 
liger Säure oxydiert werden können, wenn das 
richtige Verhältnis von schwefliger Säure, Sauer 
stoff und Wasserdampf innegehalten wird. Die 
sich hier niederschlagende S. heißt Kammer 
säure. In den meisten Schwefelsäurefabriken 
befindet sich zwischen dem die schweflige Säure 
erzeugenden Ofen und der ersten Kammer ein 
io—15 m hoher, aus Bleiplatten aufgebauter, 
innen mit einem Mantel aus feuerfesten Back 
steinen versehener und mit feuerfesten Brocken 
angefüllter Turm, der Glover-Turmj und hinter 
! der dritten Kammer ein gleicher, aber mit Koks 
oder Bimssteinstücken gefüllter Turm, der 
Gay-Lussacsche Turm. Letzterer, in dem aus 
einem höher gelegenen Behälter konzentrierte 
S. niederrieselt, hat den Zweck, die nitrosen 
Gase, d. h. die aus der letzten Bleikammer ent 
weichenden, unverbrauchten niederen Sauerstoff- 
verbindungen des Stickstoffs, die sich in der 
herabfließenden S. lösen, aufzufangen. Die mit 
den nitrosen Gasen gesättigte S. wird in den 
Glover-Turm gepumpt und fließt hier zusammen 
mit Kammersäure, die sich in einem darüber be 
findlichen Behälter befindet, langsam herab, wäh 
rend von unten die direkt aus dem Schwefel 
ofen kommende und mit Luft gemengte heiße 
schweflige Säure eintritt. Hierdurch wird die 
mit nitrosen Gasen gesättigte S. „denitriert", [ 
d. h. vollständig von Salpetersäure und anderen I 
Sauerstoffverbindungen des Stickstoffs befreit [ 
und gleichzeitig durch die Wärme der eintreten 
den Gase konzentriert. Die , auf ungefähr 70 0 j. 
abgekühlte schweflige Säure gelangt aus dem I 
Glover-Turm in die erste Bleikammer, wo sie | 
durch die vorhandene Salpetersäure zu S. oxy- t 
diert wird. 2. Kontaktverfahren von Clemens I 
Winkler: Zur. Erzeugung der erforderlichen [ 
schwefligen Säure, die hier besonders rein sein J 
muß, leitete man früher die Dämpfe von eng- 1 
lischer S. über rotglühende poröse Steine, wobei I 
ein Gemisch von schwefliger Säure mit Wasser- r 
dampf und Sauerstoff entstand, während man { 
jetzt Röstgase von Erzen unmittelbar verarbeiten 1 
kann. Das durch einen Koksturm, in dem S. I 
niederrieselt, von Wasser befreite Gemisch von I 
schwefliger Säure und Sauerstoff wird über 
glühenden Platinasbest geleitet und das ent- I 
stehende Schwefelsäureanhydrid (SO s ) entweder 
als solches aufgefangen oder durch Einleiten in j 
S. in feste rauchende S. übergeführt. 3. Von , 
den zahlreichen Verfahren zur Gewinnung von 1 
S. aus Gips oder Anhydrit, die während des 
Krieges ausgearbeitet worden sind, scheint das 
jenige der Badischen Anilin- und Sodafabrik die I 
besten Erfolge zu versprechen. Nach ihm führt I 
man das Kalziumsulfat durch Behandlung mit I 
Magnesiumkarbonat oder mit Magnesiumoxyd 
und Kohlensäure unter Druck bei 90 0 in Mag- i 
nesiumsulfat über und spaltet das letzte durch | 
Glühen für sich allein oder mit Kohle in Mag- j 
nesia und Schwefelsäure. — Weitere Vorschläge 
beruhen auf der Reduktion des Gipses mit 1 
Kohle zu Kalziumsulfid und Überführung des 
aus letzterem abgespaltenen Schwefels oder 3 
Schwefelwasserstoffs in schweflige Säure. — Die 1 
in den Bleikammern gewonnene S. (Kammer- j 
säure) hat eine Stärke von 50—55° B. (ent- j 
sprechend 63—70 °/o S.) und wird zur weiteren j 
Konzentration zunächst in Bleipfannen bis zu j 
60—62° B. und dann in Platingefäßen, von der \ 
Form flacher Destillierblasen eingedampft, wo 
durch schließlich eine Säure von 6s—65,5° B- I 
entsteht. Diese wird mittels eines Platinhebers j 
in Steinguttöpfe abgezogen und die Destillier 
blase sofort wieder von neuem mit Bleipfannen- 
säure beschickt. Die abgekühlte Säure füllt 
man schließlich in große Glasballone. Zur Dar 
stellung von arsenfreier S. wird die verdünnte 
Kammersäure mit Schwefelwasserstoffgas behan 
delt und das gebildete Schwefelarsen durch 
Filtration über Sand entfernt. Auch durch Destil 
lieren der S. über Kaliumdichromat läßt sie sich 
arsenfrei erhalten. Vollständig wasserfreie S- 
kann man weder durch weiteres Eindampfen, 
noch duxxh fortgesetztes Destillieren der kon 
zentrierten Kammersäure darstellen. Vielmehr 
entsteht hierbei höchstens eine Säure vom spez- 
Gew. 1,842, die aber immer noch 1,50/0 Wasser 
enthält. Erst beim Abkühlen dieser Säure aut 
einige Grad unter Null scheiden sich nach und 
nach farblose Prismen ab, welche das reine 
Hydrat darstellen. Sie werden in mit Blei aus- 
gekleideten Zentrifugen ausgeschleudert und dann 
in geschlossenen Gefäßen geschmolzen. Die so 
erhaltene wasserfreie S. schmilzt bei 10,5 0, 
hat bei 15 0 ein spez. Gew. von 1,8384 und bild ct
	        
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