Stärke
425
Stärkeglanz
0,003 (Reisstärke) und o,i mm (Kartoffel). Die Art
der Gewinnung richtet ?ich nach der Natur der
pflanzlichen Ausgangsstoffe. — Weizenstärke
(Amylum tritici). Das Weizenkorn enthält neben
S. noch die Hülsen und iden Kleber, die entfernt
werden müssen. Weizenmehl hingegen ist
schalenfrei und daher einfacher zu verarbeiten.
Das Mehl oder auch das eingeweichte, zerquetschte
Korn wird auf feinen Sieben unter
einem fortwährenden Sprühregen von Wasser
ausgewaschen, bis das Wasser nicht mehr milchig
abfließt. Auf dem Siebe bleibt der größte
Teil des Klebers zurück, der als Nahrungsmittel
benutzt werden kann. Die milchige Flüssigkeit
wird zur Zerstörung der noch anhaftendenKleberspuren
nach Zusatz von etwas saurem Ferment
etwa 24 Stunden lang einer Gärung überlassen,
darauf in größeren Becken oder langen Rinnen
zum Absetzen gebracht und schließlich durch Zentrifugieren
vom größten Teile des Wassers befreit.
Nach dem älteren Verfahren, bei dem
das zerquetschte Korn sogleich der sauren Gärung
ausgesetzt wird, geht der größte Teil des
Klebers verloren, und der Rest ist nur noch als
ein geringes Futtermittel zu verwerten. Die nach
dem einen oder anderen Verfahren erhaltene
Rohstärke wird in Form einer dünnen Milch
durch lange Rinnen mit geringem Gefälle hindurchgeleitet,
wobei zuerst die großen Körner,
die als die wertvollste Sorte für sich gesammelt
werden, danach immer kleinere Körner zu Boden
fallen. Das Trocknen, das durch Zentrifugieren,
Anwendung poröser Ton- oder Gipsplatten, oder
durch Evakuierung unterstützt wird, muß sehr
vorsichtig bei niedriger Temperatur erfolgen,
da sonst leicht Verkleisterung eintritt. Nach
einiger Zeit wird die obere, etwas staubige Schicht
abgekratzt und als sog. Schabestärke in den
Handel gebracht. Die völlig trockene Masse
zerfällt meist in kleinere Stückchen und wird in
dieser Form als Stängelchen-, Schäfchen-,
Strahlen- oder Tafelstärke verkauft, oder
durch Mahlen in ein feines Pulver (Puderstärke)
umgewandelt. Die Weizenstärke setzt
sich aus kreisrunden, zum Teil sehr großen, zum
1 Teil sehr kleinen Körnchen zusammen. Die
größten derselben haben einen Durchmesser von
0,03—0,04, die kleinsten einen solchen von 0,005
bis 0,007 ™m. Mittelgrößen fehlen meist vollständig.
—■ Die Kartoffelstärke (Amylum solani)
wird aus den gewaschenen und zerriebenen Kartoffeln
mit Hilfe besonderer Bürstenmaschinen
ausgewaschen, meist mit Hilfe von Schwefelsäure,
Ammoniak, Soda oder Natronlauge gepeinigt,
bisweilen mit Chlorkalk gebleicht und
nn übrigen wie Weizenstärke weiter verarbeitet.
Ihre Körnchen zeigen meist unregelmäßig ovale
oder spitz längliche Form, deutliche Schichtung
rnit exzentrischem Kern und oft eine bedeutende
Größe bis zu 0,15 mm. — Reisstärke (Amylum
1. °fyzae) wird in England, Belgien und Deutschland
in großem Maßstabe hergestellt. Zur Los-Lösung
der fest zusammengekitteten Körner wird
I der Reis, meist seebeschädigter Bruch- oder Abfallreis,
mit verdünnter Natronlauge von 1V2 bis
2 ° B so lange gequellt, bis er zwischen den Findern
zerreiblich ist, dann vermahlen und in
üblicher Weise weiter behancTelt. Die Körner
I s >nd ziemlich scharfkantig und vieleckig. Der
Durchmesser beträgt nur 0,003—0,007 mm. — Die
besonders in Nordamerika hergestellte Maisstärke
(Amylum maydis) besitzt ebenfalls scharfkantige
und vieleckige Körner, die aber meist
einen Spalt in der Mitte und einen größeren
Durchmesser von 0,015—0,025 mm zeigen. — Die
anderen Stärkesorten des Handels: Arrowrot,
Mannihot, Maranta, Tapioka sind unter
ihren besonderen Namen besprochen. — In
chemischer Hinsicht ist die Stärke als ein Kohlenhydrat
anzusehen, d. h, sie besteht aus Kohlenstoff,
Wasserstoff und Sauerstoff und enthält die
beiden letzteren Elemente in demselben Verhältnis
wie das Wasser (1 :g). Die Zusammensetzung
entspricht der Formel C 6 H 10 O 6 . Ihr spez. Gew.
beträgt in lufttrockenem Zustande 1,5, in völlig
getrockneter Form 1,65. Sie zieht leicht Feuchtigkeit
an, ohne ihr Aussehen zu verändern und
muß daher beim Einkauf auf Wassergehalt untersucht
werden. Normale Stärke soll bei 60—go°
nicht mehr als 20 °/o an Gewicht verlieren. S. ist
in kaltem Wasser praktisch unlöslich, verwandelt
sich aber beim Erhitzen auf 150—200 0 unter
Gelbfärbung in wasserlösliches Röstgummi oder
Handelsdextrin (s. d.) und nimmt auf Zusatz
von Jod eine tiefblaue Farbe an, die hauptsächlich
ihre Auffindung unter dem Mikroskope ermöglicht.
In Salzlösungen, wie Chlorzink und Zinnchlorid
sowie 'in Glyzerin quillt die S. auf und
gibt schließlich klare Lösungen, aus denen durch
Zusatz von Alkohol lösliche Stärke gefällt
wird. Wasser führt die S. bei höherer Temperatur
in Kleister, Erhitzen mit verdünnten Säuren
in Dextrin und Dextrose (Stärkezucker) über.
Mit Malz verwandelt sie sich unter der Einwirkung
der Diastase in Dextrin und Maltose sowie
verschiedene zwischen beiden stehende Verbindungen.
Von den zahlreichen Verfälschungen der
S. werden mineralische Zusätze, wie Kreide, Gips,
Schwerspat durch die Sedimentierprobe mit Alkohol
sowie die Aschenbestimmung leicht erkannt.
Befeuchtung mit Wasser läßt sich durch
die Bestimmung des spez. Gew. oder durch
Trocknen bestimmen. Die S. findet in ihren
verschiedenen Formen mannigfache Verwendung
zu medizinischen, technischen und Ernährungszwecken.
Für letztere sind alle Sorten gleich gut
geeignet. In der Medizin benutzt man besonders
Weizen- und Reisstärke zur Herstellung von
Verbänden, Pulvern und Oblaten sowie zur Verdünnung
von Arzneimitteln. In der Technik ist
sie das unentbehrliche Hilfsmittel zahlreicher
Gewerbe. Die Kartoffelstärke dient zur Bereitung
von Kleister, als Schlichte in der Zeugweberei
und als Farbenverdickungsmittel beim Zeugdruck,
ferner als Rohstoff zur Herstellung von
Dextrin, Stärkesirup und Stärkezucker. Weizenstärke
ist die eigentliche Waschstärke und das
Appretierungsmittel für Zeuge, während Reisstärke
zum Kaltstärken, namentlich feiner
Wäsche, verwendet wird.
Stärkeersatz wurden während des Krieges
aus Leim oder Dextrin unter Zusatz erheblicher
Mengen von Gips, Kreide, Schwerspat und anderen
Mineralstoffen hergestellte Ersatzmittel für
Wäschestärke genannt. Ihr Gebrauchswert war
in der Regel überaus gering.
Stärkeglanz (Glanzstärke) ist eine Stärke,
welche durch Z,usatz von Stearin oder Paraffin