Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Stärke

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Stärkeglanz

0,003  (Reisstärke)  und  o,i  mm  (Kartoffel).  Die  Art
der  Gewinnung  richtet  ?ich  nach  der  Natur  der
pflanzlichen  Ausgangsstoffe.  —  Weizenstärke
(Amylum  tritici).  Das  Weizenkorn  enthält  neben
S.  noch  die  Hülsen  und  iden  Kleber,  die  entfernt ­
  werden  müssen.  Weizenmehl  hingegen  ist
schalenfrei  und  daher  einfacher  zu  verarbeiten.
Das  Mehl  oder  auch  das  eingeweichte,  zerquetschte ­
  Korn  wird  auf  feinen  Sieben  unter
einem  fortwährenden  Sprühregen  von  Wasser
ausgewaschen,  bis  das  Wasser  nicht  mehr  milchig ­
  abfließt.  Auf  dem  Siebe  bleibt  der  größte
Teil  des  Klebers  zurück,  der  als  Nahrungsmittel
benutzt  werden  kann.  Die  milchige  Flüssigkeit
wird  zur  Zerstörung  der  noch  anhaftendenKleberspuren
  nach  Zusatz  von  etwas  saurem  Ferment
etwa  24  Stunden  lang  einer  Gärung  überlassen,
darauf  in  größeren  Becken  oder  langen  Rinnen
zum  Absetzen  gebracht  und  schließlich  durch  Zentrifugieren ­
  vom  größten  Teile  des  Wassers  befreit. ­
  Nach  dem  älteren  Verfahren,  bei  dem
das  zerquetschte  Korn  sogleich  der  sauren  Gärung ­
  ausgesetzt  wird,  geht  der  größte  Teil  des
Klebers  verloren,  und  der  Rest  ist  nur  noch  als
ein  geringes  Futtermittel  zu  verwerten.  Die  nach
dem  einen  oder  anderen  Verfahren  erhaltene
Rohstärke  wird  in  Form  einer  dünnen  Milch
durch  lange  Rinnen  mit  geringem  Gefälle  hindurchgeleitet, ­
  wobei  zuerst  die  großen  Körner,
die  als  die  wertvollste  Sorte  für  sich  gesammelt
werden,  danach  immer  kleinere  Körner  zu  Boden
fallen.  Das  Trocknen,  das  durch  Zentrifugieren,
Anwendung  poröser  Ton-  oder  Gipsplatten,  oder
durch  Evakuierung  unterstützt  wird,  muß  sehr
vorsichtig  bei  niedriger  Temperatur  erfolgen,
da  sonst  leicht  Verkleisterung  eintritt.  Nach
einiger  Zeit  wird  die  obere,  etwas  staubige  Schicht
abgekratzt  und  als  sog.  Schabestärke  in  den
Handel  gebracht.  Die  völlig  trockene  Masse
zerfällt  meist  in  kleinere  Stückchen  und  wird  in
dieser  Form  als  Stängelchen-,  Schäfchen-,
Strahlen-  oder  Tafelstärke  verkauft,  oder
durch  Mahlen  in  ein  feines  Pulver  (Puderstärke) ­
  umgewandelt.  Die  Weizenstärke  setzt
sich  aus  kreisrunden,  zum  Teil  sehr  großen,  zum
1  Teil  sehr  kleinen  Körnchen  zusammen.  Die
größten  derselben  haben  einen  Durchmesser  von
0,03—0,04,  die  kleinsten  einen  solchen  von  0,005
bis  0,007  ™m.  Mittelgrößen  fehlen  meist  vollständig. ­
  —■  Die  Kartoffelstärke  (Amylum  solani)
wird  aus  den  gewaschenen  und  zerriebenen  Kartoffeln ­
  mit  Hilfe  besonderer  Bürstenmaschinen
ausgewaschen,  meist  mit  Hilfe  von  Schwefelsäure, ­
  Ammoniak,  Soda  oder  Natronlauge  gepeinigt, ­
  bisweilen  mit  Chlorkalk  gebleicht  und
nn  übrigen  wie  Weizenstärke  weiter  verarbeitet.
Ihre  Körnchen  zeigen  meist  unregelmäßig  ovale
oder  spitz  längliche  Form,  deutliche  Schichtung
rnit  exzentrischem  Kern  und  oft  eine  bedeutende
Größe  bis  zu  0,15  mm.  —  Reisstärke  (Amylum
1.  °fyzae)  wird  in  England,  Belgien  und  Deutschland ­
  in  großem  Maßstabe  hergestellt.  Zur  Los-Lösung
  der  fest  zusammengekitteten  Körner  wird
I  der  Reis,  meist  seebeschädigter  Bruch-  oder  Abfallreis, ­
  mit  verdünnter  Natronlauge  von  1V2  bis
2 °  B  so  lange  gequellt,  bis  er  zwischen  den  Findern ­
  zerreiblich  ist,  dann  vermahlen  und  in
üblicher  Weise  weiter  behancTelt.  Die  Körner
I  s >nd  ziemlich  scharfkantig  und  vieleckig.  Der

Durchmesser  beträgt  nur  0,003—0,007  mm.  —  Die
besonders  in  Nordamerika  hergestellte  Maisstärke ­
  (Amylum  maydis)  besitzt  ebenfalls  scharfkantige ­
  und  vieleckige  Körner,  die  aber  meist
einen  Spalt  in  der  Mitte  und  einen  größeren
Durchmesser  von  0,015—0,025  mm  zeigen.  —  Die
anderen  Stärkesorten  des  Handels:  Arrowrot,
Mannihot,  Maranta,  Tapioka  sind  unter
ihren  besonderen  Namen  besprochen.  —  In
chemischer  Hinsicht  ist  die  Stärke  als  ein  Kohlenhydrat ­
  anzusehen,  d.  h,  sie  besteht  aus  Kohlenstoff, ­
  Wasserstoff  und  Sauerstoff  und  enthält  die
beiden  letzteren  Elemente  in  demselben  Verhältnis ­
  wie  das  Wasser  (1  :g).  Die  Zusammensetzung
entspricht  der  Formel  C 6 H 10 O 6 .  Ihr  spez.  Gew.
beträgt  in  lufttrockenem  Zustande  1,5,  in  völlig
getrockneter  Form  1,65.  Sie  zieht  leicht  Feuchtigkeit ­
  an,  ohne  ihr  Aussehen  zu  verändern  und
muß  daher  beim  Einkauf  auf  Wassergehalt  untersucht ­
  werden.  Normale  Stärke  soll  bei  60—go°
nicht  mehr  als  20  °/o  an  Gewicht  verlieren.  S.  ist
in  kaltem  Wasser  praktisch  unlöslich,  verwandelt
sich  aber  beim  Erhitzen  auf  150—200 0  unter
Gelbfärbung  in  wasserlösliches  Röstgummi  oder
Handelsdextrin  (s.  d.)  und  nimmt  auf  Zusatz
von  Jod  eine  tiefblaue  Farbe  an,  die  hauptsächlich
ihre  Auffindung  unter  dem  Mikroskope  ermöglicht. ­
  In  Salzlösungen,  wie  Chlorzink  und  Zinnchlorid ­
  sowie  'in  Glyzerin  quillt  die  S.  auf  und
gibt  schließlich  klare  Lösungen,  aus  denen  durch
Zusatz  von  Alkohol  lösliche  Stärke  gefällt
wird.  Wasser  führt  die  S.  bei  höherer  Temperatur ­
  in  Kleister,  Erhitzen  mit  verdünnten  Säuren
in  Dextrin  und  Dextrose  (Stärkezucker)  über.
Mit  Malz  verwandelt  sie  sich  unter  der  Einwirkung ­
  der  Diastase  in  Dextrin  und  Maltose  sowie
verschiedene  zwischen  beiden  stehende  Verbindungen. ­
  Von  den  zahlreichen  Verfälschungen  der
S.  werden  mineralische  Zusätze,  wie  Kreide,  Gips,
Schwerspat  durch  die  Sedimentierprobe  mit  Alkohol ­
  sowie  die  Aschenbestimmung  leicht  erkannt. ­
  Befeuchtung  mit  Wasser  läßt  sich  durch
die  Bestimmung  des  spez.  Gew.  oder  durch
Trocknen  bestimmen.  Die  S.  findet  in  ihren
verschiedenen  Formen  mannigfache  Verwendung
zu  medizinischen,  technischen  und  Ernährungszwecken. ­
  Für  letztere  sind  alle  Sorten  gleich  gut
geeignet.  In  der  Medizin  benutzt  man  besonders
Weizen-  und  Reisstärke  zur  Herstellung  von
Verbänden,  Pulvern  und  Oblaten  sowie  zur  Verdünnung ­
  von  Arzneimitteln.  In  der  Technik  ist
sie  das  unentbehrliche  Hilfsmittel  zahlreicher
Gewerbe.  Die  Kartoffelstärke  dient  zur  Bereitung
von  Kleister,  als  Schlichte  in  der  Zeugweberei
und  als  Farbenverdickungsmittel  beim  Zeugdruck, ­
  ferner  als  Rohstoff  zur  Herstellung  von
Dextrin,  Stärkesirup  und  Stärkezucker.  Weizenstärke ­
  ist  die  eigentliche  Waschstärke  und  das
Appretierungsmittel  für  Zeuge,  während  Reisstärke ­
  zum  Kaltstärken,  namentlich  feiner
Wäsche,  verwendet  wird.
Stärkeersatz  wurden  während  des  Krieges
aus  Leim  oder  Dextrin  unter  Zusatz  erheblicher
Mengen  von  Gips,  Kreide,  Schwerspat  und  anderen ­
  Mineralstoffen  hergestellte  Ersatzmittel  für
Wäschestärke  genannt.  Ihr  Gebrauchswert  war
in  der  Regel  überaus  gering.
Stärkeglanz  (Glanzstärke)  ist  eine  Stärke,
welche  durch  Z,usatz  von  Stearin  oder  Paraffin
            
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