Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Talg 
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Tamarinden 
ist. Als Handelsware kommen nur Rinder- und 
Schaf- (Hammel-, Schöpsentalg) in Be 
tracht, die für die wichtigste technische Verwen 
dung in Kerzen- und. Seifenfabriken als gleich 
wertig angesehen und ohne Rücksicht auf 'ihre 
Abstammung, auch miteinander vermischt, als 
Talg in den Handel kommen. Zum Ausschmelzen 
des T,. in Kleinbetrieben erhitzt man die .zer 
kleinerte Rohmasse mit Wasser, bisweilen unter 
Zusatz von etwas Schwefelsäure auf freiem Feuer, 
neuerdings auch wohl durch Einleiten von Dampf. 
Beim Großbetriebe werden ausschließlich doppel 
wandige, oben geschlossene Kessel benutzt, aus 
denen die übelriechenden Dämpfe in einen hohen 
Schornstein oder in die Feuerung eingeleitet 
werden. Das ausgeschmolzene und von den 
Grieben abgeseihte Fett bildet für sich eine 
Handelsware, die aber für die Herstellung von 
Kerzen und Seifen nicht rein genug ist, sondern 
einem nochmaligen Läuterungsverfahren unter 
zogen wird (roher und geläuterter T.). Die 
Hauptmenge des im Inlande gewonnenen T. 
geht von den Fleischern und Schlachthöfen 
direkt an die Seifensieder, doch findet sich auch 
Inlandsware im HandeF und wird dann den 
besseren Sorten,, dem polnischen, holländischen 
und dänischen T. gleichgestellt und dem russi 
schen sogar vorgezogen. Der größte Teil der 
Handelsware stammt aus Rußland, und zwar 
der Schaftalg mehr aus dem Süden vom Schwar 
zen Meer aus, der Rindertalg hauptsächlich aus 
den inneren und nördlichen Provinzen von Ar 
changelsk und Sibirien über Petersburg und 
andere westliche Häfen. Zur Verpackung dienen 
Holzfässer, die beim weißen T. die eigen 
artige Form eines abgestumpften Kegels mit 
Bodenflächen von 75 und 45 cm Durchmesser 
zeigen. Die vielfach übliche Lagerung der Fässer 
auf freiem Deck ohne Schutz vor der Sonne ist 
für die Haltbarkeit von Nachteil. Für die aus 
dem Inneren kommenden Sendungen bestehen 
in Petersburg besondere Warenhäuser, in denen 
Sachverständige die Waren prüfen, sortieren und 
mit dem Wertstempel, versehen. Die große Er 
zeugung Australiens und Argentiniens geht 
größtenteils nach England. Nach der Farbe 
unterscheidet man meist weißen, d. i. Hammel 
talg, und gelben, d. i. Rindertalg, von denen der 
erstere etwas härter und spröder ist, aber leichter 
gelb und ranzig wird als der weiche und schlüpf 
rige Rindertalg. Wichtiger ist die Unterschei 
dung nach der Verwendung in Lichtertalg 
und Seifentalg. Der wertvollere Lichtertalg, 
der die reinere, hellere und härtere Ware um 
faßt, zerfällt in die Vorzugssorte, den gelben 
Lichtertalg, der aus nahezu reinem Rinder 
talg bestehen soll, und in den weißen Lichter 
talg, der in bester Beschaffenheit von Woro- 
nesch kommt. Der Seifentalg umfaßt die bessere 
Sorte, den sibirischen Seifentalg, und den 
gewöhnlichen T. Die Wertbemessung des T. 
erfolgt auf Grund des als Talgtiter bezeich- 
neten Erstarrungspunktes der Fettsäuren. Außer 
zur Herstellung von Kerzen und Seifen findet 
T. bei der Lederbereitung und als Schmiermittel 
ausgedehnte Anwendung. Der von Apothekern 
zu Pflastern und Salben benutzte T. wird nicht 
dem Handel entnommen, sondern aus frischem 
Rohstoff ausgeschmolzen. Die Verwendung als 
Nahrungsmittel und die chemische Zusammen 
setzung ist in den Abschnitten Rindertalg und 
Schaftalg besprochen worden. 
Talk (Talkstein), ein aus kieselsaurer 
Magnesia mit ungefähr 5°/o Wasser bestehen 
des Mineral von der Formel H 2 Mg 3 Si 4 0 12 , 
kommt in zwei Abarten vor, einer scheinbar 
amorphen, kryptokristallinischen, Speckstein 
(s.d.) genannten, und einer deutlich kristalli 
nischen, dem gewöhnlichen Talkstein. Letz 
terer ist im reinen Zustande ganz weiß, in den 
meisten Fällen jedoch durch fremde Bestand 
teile, namentlich Eisenoxydul, schwach grün 
lich, gelblich oder gräulich gefärbt. Das sehr 
weiche, großblätterige, in dünnen Blättchen bieg 
same Mineral erscheint auf den frischen Bruch 
flächen perlmutterglänzend und fühlt sich eigen 
tümlich fettig an. Die wichtigsten Fundorte 
liegen in den Tiroler Alpen. Der früher haupt 
sächlich von Venetianern in den Handel ge 
brachte und daher Talcum venetum (frz. und 
engl. Tale) genannte Stoff findet vielfache Ver 
wendung. In rein weißer Farbe dient er zur 
Herstellung der Glanztapeten, Glanzkartons und 
satinierter Papiere. Weiter bildet er den Körper 
für viele weiße und rote Schminken, wozu er 
sich wegen seiner Zartheit und Unschädlichkeit 
für die Haut vorzüglich eignet, und wird auch 
Körperfarben und feinen Siegellacken bei 
gemischt. Die nicht, rein weißen Sorten finden 
als Poliermittel und als Erleichterungsmittel beim 
Stiefelanziehen (Rutschpulver) Verwendung. 
Tamarinden (Sauerdatteln, lat. Fructus ta- 
marindi, frz. Tamarins, engl. Tamarinds) sind 
die Früchte eines in Afrika heimischen, aber 
in allen ■ Tropenländern, besonders Ostindien, 
angepflanzten Baumes, Tamarindus indica, 
der zur Familie der Zäsalpiniazeen (Le 
guminosen) gehört. Die mit einer holzigen, 
dünnen und zerbrechlichen. Fruchtschale beklei 
dete, meist stark gekrümmte Schote, die an 
den Lagerstellen der Samen verdickt, im übrigen 
aber zusammengedrückt erscheint, ist durch Quer 
wände in 2—8, bisweilen auch 12 Fächer ein 
geteilt, in denen je ein flacher, glänzend rot 
brauner, hartschaliger Samenkern liegt, eingebettet 
in ein schwarzbraunes, angenehm sauer und etwas 
herb ; schmeckendes Mus. Nur das nach Ent 
fernung der Hülsen mit den Samen eingestampfte 
Mus wird von Ostindien, meist, über Bombay, in 
Fässern von einigen Zentnern Inhalt nach Europa 
eingeführt und als Tamarindenmus (lat. Pulpa 
tamarindorum cruda, frz.Pulpe de tamarins, engl. 
Pulp of tamarinds) bezeichnet. Es bildet eine 
weiche Masse, die schwarz oder schwarzbraun, 
aber nicht fuchsig aussehen. und nicht zuviel 
Samen aufweisen soll, und enthält etwa 13 °/o 
organische Säuren, vorwiegend Weinsäure, 10 bis 
12 °/o Zucker, viel Pektinstoffe und 3,5 0/0 Asche. 
Für.pharmazeutische Verwendung, als kühlendes, 
gelind abführendes Mittel stellt man, das offi 
zineile gereinigte. Tamarindenmus (Pulpa 
tamarindorum depuratä) her, indem man es mit 
heißem Wasser verrührt, durch ein Sieb treibt 
und nach Zusatz von Zucker wieder eindickt. 
— Levantinische oder ägyptische T. bilden 
feste Körper von 1/2 kg Gewicht und sehr un 
reiner Masse; die in Frankreich und England 
offizinelle westindische wird durch Einfüllen
	        
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