Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Tabak

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Tabak

tiges  Rauchgut,  die  mittleren  das  Haupt-  oder
Bestgut,  die  obersten  das  mittlere  Gut.  Zum
Trocknen  wenden  die  Blätter  auf  Schnüre  gezogen ­
  und  in  Schuppen  aufgehängt.  Nach  6—8
Wochen  nimmt  man  die  jetzt  gelbbraunen  Blätter
ab,  sortiert  und  bindet  sie  zum  Verkauf  an  die
Fabrikanten  zu  25—30  in  Bündel  zusammen.  Oder
man  'glättet  die  etwas  angefeuchteten  Deckblätter ­
  mit  der  Hand  und  schichtet  sie  zu
Stößen  oder  Docken  auf,  welche  dann  mit
Steinen  gepreßt  werden  und  so  lange  zusammenbleiben,
  bis  sie  kastanienbraun  oder  gelb  werden.
Mit  dieser  durch  Bakterien  oder  Oxydasen  veranlaßten
  sog.  Fermentation  ist  eine  erhebliche
Temperaturerhöhung  verbunden,  die  bis-  zu  6o°
steigen  kann,  meist  aber  auf  40 0  beschränkt  wird.
Zweck  der  Fermentation  ist  die  Zerstörung  gewisser ­
  Bestandteile  des  frischen  T.,  die  beim
Rauchen  unangenehm  riechende  und  schmekkende
  Stoffe  liefern  und  im  Übermaß  giftig
wirken.  Durch  Anwendung  besonderer,  aus
gärenden  Havannasorten  dargestellter  Enzyme
soll  man  sogar  inländischen  Erzeugnissen  das
Aroma  der  Edeltabake  verleihen  können.  Nach
Beendigung  der  Gärung  werden  die  Blätter  gelüftet, ­
  Wieder  getrocknet  und  zu  Bündeln  von
20—30  Stück  zusammengelegt.  Feinere  Blätter
werden  entrippt  und  die  Rippen  zu  Schnupftabak, ­
  Einlagen  oder  billigem  Rauchtabak  verkauft. ­
  In  der  Türkei,  vermischt  man  die  gärenden ­
  Blätter  mit  Steinklee,  dessen  Aroma  sie  annehmen, ­
  in  Serbien  mit  Honigwasser.  ■—  Der
Ertrag  ist  nach  Lage,  Boden,  Düngung  und
Jahrgang  außerordentlich  wechselnd.  Man  rechnet ­
  i,s—3  dz  Sandgut,  2—5.  dz  Geize,  8—25  dz
trockene  Blätter  und  50—60  dz  Stengel.  Die
größten  Mengen  T.  erzeugen  die  Vereinigten
Staaten  von'  Nordamerika,  danach  Asien,  Südamerika ­
  und  Afrika,  zusammen  etwa  1200  Millionen ­
  Kilogramm.  An  der  etwa  250  Millionen
Kilogramm  ausmachenden  europäischen  Erzeugung ­
  sind  in  erster  Linie  Rußland  und  Österreich-Ungarn, ­
  danach  Deutschland,  die  Türkei
und  Frankreich  beteiligt.  In  Deutschland  Werden
auf  rund  15000  ha  32  Millionen  Kilogramm
trockner  T.,  auf  1  ha  also  22  dz  geerntet.  —  Nach
seiner  chemischen  Zusammensetzung  und
physiologischen  Wirkung  gehört  der  T.  zu
den  alkaloidischen  Genußmitteln.  Die  frischen
Blätter  enthalten  80—88  o/ 0  Wasser,  die  trocknen
Blätter  im  Durchschnitt  8,140/0  Wasser  und  in
der  Trockensubstanz  6,65  °/o  Protein,  0,41  °/o  Ammoniak, ­
  0,86  0/0  Salpetersäure,  4,50  0/0  Ätherauszug
(Fett),  0,280/0  Wachs,  7,700/0  Harz,  8,830/0  Äpfelsäure, ­
  3,68  %  Zitronensäure,  2,38  °/o  Oxalsäure,
0,310/0  Essigsäure,  9,49  °/o  Pektin,  1,040/0  Gerbsäure, ­
  6,12  0/0  sonstige  stickstofffreie  Extraktstoffe, ­
  11.  x  6  °/o  Rohfaser  und  20,730/0  Mineralstoffe, ­
  die  hauptsächlich  aus  Kali  und  Kalk  bestehen. ­
  Die  narkotische  Wirkung  des  T.  beruht
auf  seinem  Gehalte  an  Nikotin  (s.  d.),  der  in
den  geringwertigen  Sorten  am  höchsten,  im  Hav
 annatabak  am  niedrigsten  ist.  Der  Gehalt  an
Nikotin  unterliegt  außerordentlichen  Schwankungen ­
  von  o—8  0/0  und  beträgt  im  Mittel  etwa  2  0/0.
Burch  den  Fermentationsprozeß  wird  ein  erheblicher ­
  Teil  des  Alkaloides,  oft  bis  zur  Hälfte,
zerstört.  Neben  dem  Nikotin  sind  in  geringen
Mengen  noch  drei  andere  Alkaloide:  Nikotein,

Nikotellin  undNikotimin,  vorhanden.  Außerdem ­
  ist  an  der  narkotischen  Wirkung  auch  ein
fettartiger  Stoff,  das  Nikotianin  oder  der
Tabakkampfer,  beteiligt.  Beim  Rauchen  (Verglimmen) ­
  entwickeln  sich  Ammoniak,  Kohlensäure, ­
  Kohlenoxyd,  Schwefelwasserstoff,  Blausäure, ­
  Pyridin  und  ein  ätherisches  01.  Das  letztere,
von  dem  Thoms  aus  15  kg  T,  6  g  isolieren  konnte,
siedet  bei  295—315  0  und  hat  einen  kamillenähnlichen ­
  Geruch.  Das  Nikotin  wird  zum  Teil
beim  Glimmen  zerstört  oder  in  Pyridine  umgewandelt, ­
  gelangt  aber  teilweise  in  unverändertem ­
  Zustande  mit  dem  Rauche  in  den  Organismus. ­
  Es  bildet  in  reinem  Zustande  ein  heftiges
Gift  und  erregt  Erbrechen,  Durchfall,  Zittern,
Muskelläbmung  und  Starrkrampf  mit  oft  tödlichem ­
  Ausgange.  In  der  beim  Rauchen  auftretenden ­
  starken  Verdünnung  wirkt  es  hingegen
anregend  und  befähigt  zu  erhöhter  körperlicher
und  geistiger  Tätigkeit  und  zum  leichteren  Ertragen ­
  von  Hunger,  Durst,  Arbeit,  Sorge  und
Gefahr.  Im  Übermaß  wirkt  Rauchen  schädlich,
besonders  beim  Verbrauch  der  unteren  Zigarrenenden, ­
  in  denen  sich  das  Nikotin  anhäuft.  Die
größte  Bedeutung  für  die  Bekömmlichkeit  hat
die  Verbrennlichkeit,  richtiger  Verglimmbarkei ­
  t,  die  durch  einen  hohen  Gehalt  an  Kali
und  Nikotin  sowie  durch  eine  feine  und  dünne
Struktur  begünstigt  wird.  Weiter  kommt  als
Wertmesser  der  Geruch  (das  Aroma)  und  der
Geschmack  in  Betracht,  der  vom  Klima  abhängt.
Die  Tabake  aus  Gegenden  nördlich  der  Weinregion,
besonders  von  schwerem  Boden,  sind  weniger  fein,
die  Erzeugnisse  aus  den  Tropen  bevorzugt.  Man
unterscheidet  daher  nach  ihrer  Herkunft  folgende ­
  Sorten:  1.  Europäische  T.  Frankreich
und  Italien  verbrauchen  ihre  Ernten  selbst.  Holland ­
  erzeugt  den  Amersforter,  Neukerker
und  Gelderschen  T.,  dessen  Bestgut  zu  Schnupftabak ­
  und  dessen  Erdgut  zu  Deckblättern  verarbeitet ­
  wird.  Deutschland  liefert  Uckermärker, ­
  Pfälzer  und  ElsässerT.für  geringwertige
Zigarren.  Ungarn  versendet  den  Debrecziner,
Debröer,  Szegediner,  Fünfkirchener,  Gar
tenblätter,  Charbel,  Palanke,  Osegger  und
Rebel  als  billiges  Pfeifen-,  Zigaretten-  und  Karottengut. ­
  Die  besten  europäischen  T.  sind  die
türkischen,  doch  gehen  unter  diesem  Namen
auch  die  kleinasiatischen  und  russischen  Sorten.
Sie  haben  ein  feines  gelbes  Blatt,  milden  Geschmack ­
  und  starken  Geruch  mit  süßlichem
Nebengeschmack  und  wirken  stark  narkotisch.
Man  verwendet  sie  in  Form  goldgelber,  langer
dünner  Fäden  hauptsächlich  für  Zigaretten.
2.  Asiatische  T.,  Manila,  Java  und  Sumatra ­
  werden  hauptsächlich  zu  Zigarren  verarbeitet.
Zeylon,  Kalkutta,  Japan  und  China  sind  ohne
Bedeutung  für  den  europäischen  Handel.  3.  Amerikanische ­
  T„  die  wichtigsten  und  wertvollsten
Sorten,  werden  meist  in  Ballen  aus  Rindshäuten,
sog.  Seronen,  und  in  Fässern  versandt.  Von  den
nordamerikanischenT.  werden  die  im  Westen
am  meisten  angebauten  und  beliebten  Ohio  und
Maryland  zu  fein  gelben,  aromatischen  Rauchtabaken ­
  verarbeitet.  Virginia  liefert  in  feinen,
fetten  Sorten  Schnupf-  und  Kautabak,  in  den
leichteren  lebhaft  braunen  Rauchtabak.  Kentucky, ­
  Karolina,  Georgia,  Missouri,  Tennessee ­
  erzeugen  Umblatt,  Deckblatt,  Einlage
            
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