Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische Untersuchung. Kokosnuß. Mohnsamen. 
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die im Ursprungslande direkt als kühlendes Getränk genossen wird. Um die Faser 
schicht von den Steinkernen zu entfernen, wird die reife Frucht monatelang in 
Wasser geweicht, 'geklopft, gewaschen und der entfaserte Kern an der Sonne ge 
trocknet. In diesem Zustande gelangt die Kokosnuß durchweg zur Ausfuhr. Die 
Steinschale läßt sich nur durch Zerschlagen mit Steinen oder Hammer oder durch Zer 
sägen entfernen. Die von der Steinschale befreite Samenschale wird entweder an der 
Sonne (in den Tropen) oder künstlich getrocknet und dann in üblicher Weise entfettet. 
Verfälschungen der entfetteten Rückstände sind ziemlich selten; vereinzelt 
sind Erdnußabfall und Steinnußmehl beobachtet. Jedoch wird das Fett der Kokos 
kuchen leicht ranzig; auch kommt mitunter havarierte Ware vor. 
Die Zellstrukt ur der Kokosnuß (Fig. 116, S. 352) entspricht der der Palmkerne 
(Pig. 114, S. 351). Auch von dem Endokarp, der Steinschale, gelangen Reste mit in 
die Preßrückstände des Samens; das Gewebe der Steinschale setzt sich wie bei den 
Palmkernen aus langgestreckten, stark verdickten, von zahlreichen Porenkanälen 
durchzogenen Steinzellen zusammen, deren spaltenförmige Lumina mit braunem 
Inhalt erfüllt sind. Nur die Endospermzellen besitzen schwächer verdickte, etwa 
3 ,u dicke Zellwände gegenüber den Palrakernen und enthalten zwischen zahh eichen 
Proteinkörnern Bündel von Fettsäurekristallen. 
Mohnsamen, Papaver somniferum L, 
Der Mohnsamen hat je nach dem Ursprung sehr verschiedene Farbentöne; der 
ostindische sieht weiß bis bräunlich aus, der deutsche grau und blau, der russische 
bläulich, der türkische gelb und blau, der französische blau; aus dem Grunde sehen 
auch die Preßrückstände der Mohnkuchen bald hell bald dunkel aus. Im Südwesten 
Deutschlands hält man die dunklen Mohnkuchen für geeigneter zur Fütterung; die hellen 
(französischen hezw. indischen) Mohnkuchen sollen eine narkotische (einschläfernde) 
Wirkung besitzen. F. Mach 1 ) konnte indes in denselben keine Opiumalkaloide 
Nachweisen; nur die Kapselfragmente, die sich in der ungereinigten Saat befinden, ent 
hielten Narkotin (aber kein Morphin und Kodein). Außer der einschläfernden W iikung 
schreibt man den Mohnkuchen auch zu, daß sie Bullen des Geschlechtstriebes verlustig 
machen. Ara besten eignen sich die Mohnkuchen als Mastfutter für erwachsene Rinder. 
Verfälschungen kommen bei Mohnkuchen kaum vor, weil sie wegen der ge 
ringen Nachfrage meistens zu den verhältnismäßig billigsten Kraftfuttermitteln gehören 
und daher selbst nicht selten zur Verfälschung anderer teuereren Futtermittel (auch der 
Gewürze) verwendet werden. Die ausländischen, besonders die ostindischen Mohnkuchen 
enthalten häufig Verunreinigungen aller Art und sind nicht selten stark verschimmelt. 
Für die mikroskopische Untersuchung ist folgendes zu bemerken; 
Über tafelförmigen, mit körnigem Inhalt gefüllten Epidermisze en le en 
leistenförmige Erhebungen hervor, welche sich in geschlängelten inien zu 
quadratischen Figuren vereinigen und die feine Äderung des Mohnsamens bewirken 
(M in Fig. 117, S. 354). Die Samenschale besteht aus 6 Schichten, von denen haupt 
sächlich die dritte und fünfte Schicht kennzeichnend sind. Die unter der Epidermis 
liegenden 4- bis 6-seitigen Parenchymzellen werden wegen ihres sandig-körnigen 
Inhaltes Kristallzellen genannt. , 
Die dritte Schicht wird von langgestreckten, farblosen oder braunen, lest 
ineinander gekeilten Zellen gebildet. Quer zu diesen liegen poröse, spindelförmig 
gestaltete Zellen. Die fünfte eigenartigste Schicht wird von netzig-porbsen, bei den 
dunklen Samenvarietäten mit braunrotem Farbstoff gefüllten, polygonalen a e zc en 
’) Landw. Versuchs-Stationen 1902, 
Land-wirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 
57, 419. 
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