Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Türkischrotgarn

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Tusche

der  die  Färbung  verursacht.  Geringere  Sorten,
die  aber  als  Schmuckstein  wenig  geeignet  sind,
finden  sich  zwar  auch  in  Deutschland,  z.  B.  in
Schlesien  und  im  Vogtlande,  auf  schmalen  Klüften ­
  im  Kieselschiefer,  doch  kommen  die  echten
orientalischen  T.  über  Rußland  aus  Persien,  hauptsächlich ­
  Nischapur  im  Osten  des  Landes.  Die
dortigen  Minen  sind  Krongut  und  werden  an
den  Meistbietenden  verpachtet.  Im  Altertum
kam  der  schon  damals  geschätzte  Stein  auch
aus  Ägypten,  wo  er  in  einer  Ufergegend  des
Roten  Meeres,  am  Vorgebirge  Sinai,  aus  festem
Sandsteinfels  gebrochen  wurde.  Der  T.  wird
stets  nur  en  cabochon  geschliffen.  —  Ein  ebenfalls ­
  unter  dem  Namen  T.  gehender  Stoff,  der
im  Aussehen  dem  echten  ähnlich,  aber  von  ganz
anderer  Art  und  Herkunft  ist,  der  sog.  Zahntürkis, ­
  besteht  aus  versteinertem  Elfenbein
(Mammutzähne),  das  durch  eingedrungene
Kupfer-  oder  Eisensalze  blaugrün  gefärbt  ist.
Diese  Stücke  finden  sich  am  schönsten  auf  den
Kupfererzlagern  Sibiriens,  von  wo  sie  in  den
Handel  kommen.  Sie  werden  ebenfalls  zu
Schmuck  verarbeitet,  sind  aber  viel  billiger  als
echte  T.,  weil  ihre  Farbe  nicht  haltbar  ist,  sondern ­
  sich  mit  der  Zeit  in  ein  unschönes  Grün
verwandelt  und  überdies  bei  Kerzenlicht  nur
einen  unreinen  blaugrauen  Ton  zeigt.  Durch
das  Mikroskop  ist  das  Gefüge  der  Knochen  deutlich' ­
  zu  erkennen,  so  daß  diese  Ware  von  der
echten  leicht  unterschieden  werden  kann.
Türkischrotgarn  nennt  man  Baumwollgarn,  das
durch  ein  besonderes  Verfahren  eine  schöne
feurig  rote,  außerordentlich  haltbare  Farbe  erhalten ­
  hat.  Derartige  Rotgarne  konnten  früher
nur  aus  dem  Orient  bezogen  werden,  bis  es  im
vorigen  Jahrhundert  gelang,  durch  Heranziehung
orientalischer  Färber,  das  Verfahren  nach  dem
Abendlande,  zunächst  nach  Frankreich,  zu  verpflanzen, ­
  und  seitdem  hat  der  Bezug  von  Garnen
aus  der  Türkei  aufgehört.  Das  Eigentümliche
der  Färberei  besteht  in  der  Verwendung  fetter
Öle,  namentlich  des  Tournantöls,  oder  besser
noch  des  Türkischrotöls,  mit  denen  man
nebst  anderen  Befestigungsmitteln,  wie  Alaun
und  Galläpfelabsud,  die  Garne  oder  Gewebe
zur  Aufnahme  des  Farbstoffes  vorbereitet.  Sie
werden  dann  im  Krappbade  ausgefärbt  und
schließlich,  da  sie  nunmehr  braunrot  aussehen,
aviviert,  d.  h.  erst  mit  Seife  und  Soda  und
dann  mit  Zinnsalz  behandelt,  welches  der  Farbe
einen  scharlachroten  Schein  verleiht.  Das  Verfahren ­
  war  früher  verwickelter  als  bei  irgendeiner ­
  anderen  Färberei  und  umfaßte  mit  Inbegriff ­
  der  mehrfachen  Waschungen  und  Trocknungen ­
  16—20  verschiedene  Hantierungen,  die
einen  Zeitaufwand  von  Wochen  in  Anspruch
nahmen.  Neuerdings  ist  es  besonders  durch
Verwendung  des  künstlichen  Alizarins  gelungen,
das  Verfahren  wesentlich  abzukürzen.  Obschon
auch  fertige  Gewebe  in  dieser  Farbe  hergestellt
werden,  macht  doch  das  Garn  die  Haupthandelsware ­
  aus,  die  in  allen  Baumwollindustrie  treibenden ­
  Ländern  erzeugt  wird.
Tutnenol.  Mit  diesem  Namen  bezeichnet  man
einige  Nachahmungen  des  Ichthyols,  die  aus
gewissen  Destillationsprodukten  bituminöser  Gesteine ­
  durch  Behandlung  mit  konz.  Schwefelsäure ­
  dargestellt  werden.  Das  rohe  T.  (Tumenolum

  venale),  ein  Gemisch  von  Tumenolsulfon
  und  Tumenolsulfosäure,  bildet  eine  dem
Ichthyol  ähnliche,  zähe  braune  Masse.  Es  läßt
sich  durch  Behandlung  mit  Natronlauge  in  Tumenolsulfon
  (T.-Öl)  ein  dickes  dunkelgelbes,
in  Wasser  unlösliches,  in  Äther,  Benzin  und
Benzol  lösliches  Öl,  und  in  Tumenosulfosäure,
  Tumenolpulver  (Acidum  sulfotumenolicum)
  ein  wasserlösliches,  bitter  schmeckendes ­
  Pulver  zerlegen.  T.  wird  wie  die  entsprechenden ­
  Ichthyolverbindungen  bei  Hautkrankheiten ­
  angewandt.
Tupeloholz  (Tupelowurzel),  ein  aus  Florida
kommendes,  sehr  leichtes  und  weiches  Holz  von
gelblichweißer  Farbe,  findet  in  der  Chirurgie
Anwendung,  .indem  man  daraus  Stäbchen  schnitzt
oder  drechselt,  die  in  Wunden  stark  quellen  und
wie  Laminaria  digitata  als  Quellmeißel  dienen.
Das  T.  stammt  von  Nyssa  grandidentata
und  Nyssa  aquaticä,  während  verwandte  Arten, ­
  wie  N.  uniflora  und  multiflora,  unbrauchbar ­
  sind.
Turmalin  (Schörl),  ein  durch  verschiedenartige ­
  Färbung  ausgezeichnetes  Mineral,  besteht
aus  Kieselsäure,  Tonerde,  Kalk,  Borsäure,  Kali,
Lithion,  Martganoxyd  und  Magnesia  und  findet
sich  in  verschiedenen  Felsarten.  Die  drei-,  sechsund
  mehrseitigen,  säulenförmigen  Kristalle  sind
meist  schwarz,  doch  auch  farblos  und  wasserhell ­
  (Achroit),  blau  (Indigolith),  rot  (Siberit),
  gelb,  grün  oder  braun  und  zeigen  eine  beträchtliche ­
  Härte  von  7—7 l / 2 .  Nur  die  durchsichtigen ­
  und  schön  gefärbten  T.  kommen  als
Schmucksteine  in  Betracht  und  führen  dann  die
Namen  derjenigen  Edelsteine,  denen  sie  ähnlich
sind.  So  heißt  der  Indigolith,  der  sich  in  Brasilien ­
  im  Sande  von  Flüssen  findet,  brasilianischer ­
  ,  Saphir,  der  grüne  brasilianischer  Smaragd, ­
  der  rote  aus  Sibirien  orientalischer  Rubin.
Rote  Steine  finden  sich  auch  auf  Zeylon,  in
Birma,  den  Vereinigten  Staaten  und  Peru.  Die
roten  und  grünen,  durchsichtigen  Steine  gelangen ­
  am  häufigsten  zur  Verwendung  als  Ringsteine ­
  und  können  je  nach  Größe  und  Schönheit
bedeutende  Werte  erreichen.  Die  schwarzen
und  braunen,  in  einigen  Gegenden  Böhmens,
Bayerns  und  Tirols  häufigen  T.  sind  keine
Schmucksteine,  haben  aber  eine  gewisse  physikalische ­
  Bedeutung,  da  sie  wegen  ihrer  doppelten ­
  Lichtbrechung  zu  den  Nicolschen  Prismen
der  Polarisationsapparate  verwandt  werden.  Alle
T.,  auch  die  als  Schörl  bezeichneten  undurchsichtigen ­
  Stücke,  haben  die  seltene  Eigenschaft,
daß  sie  durch  bloßes  Erwärmen  elektrisch  werden, ­
  also  leichte  Körper  abwechselnd  anziehen
und  wieder  abstoßen.
Turpethwurzel  (lat.  Radix  turpethi,  frz.  Racine ­
  de  turbith,  engl.  Turbith  root)  stammt  von
einem  Windengewächs  (Ipomoea  Turpethum)
  und  hat,  wie  die  zu  derselben  Familie
gehörende  Jalape  und  Skammonium,  abführende
Wirkung.  Die  braunen,  holzigen  Wurzeln  kommen ­
  aus  Persien,  Indien  und  Australien  in  den
Handel  und  finden  namentlich  in  Süd-  und
Westeuropa  Verwendung.
Tusche  (lat.  Atramentum  indicum,  frz.  Encre
de  chine,  engl.  China  ink,  Indian  ink).  Diese
schwarze  Wasserfarbe,  die  in  Europa,  besonders
in  Nürnberg,  häufig  nachgemacht  wird,  bildet
            
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