Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Walrat  472  Was  chmittei

Walrat  (lat.  Cetaceum,  Sperma  ceti,  frz.  Blanc
de  baieine,  engl.  Sperm)  nennt  man  eine  eigentümliche ­
  fettähnliche  Masse,  die  von  dem  zur
Familie  der  Wale  gehörigen  Kaschelot  oder
Pottfisch,  Physeter  macrocephalus,  ahstammt.
  Die  von  den  Seefahrern  auch  Spermwal
  genannten  Tiere  finden  sich  fast  überall
im  Ozean,  ihre  eigentliche  Heimat  ist  jedoch
das  südliche  Polarmeer.  Ein  volles  Drittel  der
Körperlänge  nimmt  der  ungeheure  Kopf  ein,
der  in  mehreren  muldenförmigen,  durch  Speck
und  Haut  geschlossenen  Vertiefungen  der  Schädeldecke ­
  beträchtliche  Ansammlungen  eines
hellen  Öles  zeigt,  das  sich  beim  Erkalten  trübt
und  eine  bräunlichgelbe,  kristallinische  Masse
absondert.  Weitere  Mengen  des  gleichen  Stoffes
finden  sich  in  einem  rührigen,  vom  Kopf  zum
Schwanz  verlaufenden  Kanal  und  einigen  kleineren ­
  Körperhöhlen.  Von  großen  Tieren  werden
bis  zu  200  dz  gewonnen.  Der  durch  Abtropfenlassen ­
  und  Abpressen  von  dem  flüssigen  Anteil
befreite  feste  Walrat  wird  durch  Schmelzen,
Behandeln  mit  Lauge  und  Waschen  mit  Wasser
gut  gereinigt  und  entfärbt  und  bildet  dann  eine
schneeweiße,  perlmutterartig  glänzende,  fettig
anzufühlende  Masse  von  blätterigem  Gefüge.
Sein  spez.  Gew.  liegt  bei  0,940—0,960,  der
Schmelzpunkt  bei  etwa  50  °.  Ein  Zusatz  von
Stearin,  der  den  W.  härter  und  kleinblättriger
macht,  sowie  von  Talg  kann  daran  erkannt  werden, ­
  daß  W.  auf  Papier  keine  Fettflecke  hervorruft. ­
  In  chemischer  Hinsicht  ist  er  als  Palmitinsäurezetylester ­
  (Zetin),  d.h.  als  ein  Wachs
anzusprechen.  Die  Verseifungszahl  beträgt  108
bis  128.  Die  Verwendung  des  W.  zu  Kerzen
(s.  d.)  ist  seit  dem  Aufkommen  von  Stearin  und
Paraffin  sehr  zurückgegangen,  doch  gelten  Walratkerzen
  als  Normalkerzen  zur  Prüfung
des  Leuchtgases.  Medizinisch  wird  er  zu  Zeraten
und  Pomaden,  gepulvert  und  mit  Zucker  gemischt ­
  auch  als  Mittel  gegen  Husten  und
Heiserkeit  angewandt.  In  der  Technik  dient  er
als  Zusatz  zu  verschiedenen  Wäscheglanzmitteln ­
  und  zu  Appreturzwecken.  —  Während  des
Krieges  ist  W.  sogar  in  einigen  Ersatznahrungsmitteln ­
  als  Fettersatz  aufgetaucht.  —■  Das  bei
der  Gewinnung  des  W.  abfallende  Öl,  das  sog.
Walratöl  oder  Spermazetöl,  das  aus  Estern
von  Fettalkoholen  und  Physetölsäure  (Verseifungszahl ­
  123—147)  besteht,  wird  in  der
Seifensiederei  und  als  feines  Schmieröl  benutzt.
Wandkraut  (Glaskraut,  Peterskraut,  lat.
Herba  parietariae,  frz.  Herbe  de  paridtaire,  engl.
Wall  pellitery),  von  Parietaria  officinalis  L.
aus  der  Familie  der  Urtikazeen,  ist  in  Mitteleuropa ­
  heimisch,  wo  es  wild  auf  Mauern  und
Schutthaufen  wächst.  Die  Blätter  sind  eilanzettförmig ­
  bis  rund  und  kurz  behaart,  der  Geschmack ­
  ist  herb  und  salzig.  In  der  Volksmedizin ­
  verwendet  man  das  W.  als  harntreibendes ­
  Mittel,  wegen  der  rauhen  Beschaffenheit
auch  zum  Abpolieren  von  Glas.
Warang  (Wilia),  der  Bast  eines  ostindischen,
zurFamilie  der  Büttneriazeen  gehörigen  Baumes, ­
  Kydia  calycina  (Roxb.),  wird  als  Ersatz
für  Lindenbast  empfohlen.  Als  Spinnstoff  sind
die  glatten,  schwach  glänzenden  und  gelblichen
Fasern  von  0,9—1,3  m  Länge  und  0,07—0,1  mm
Dicke  weniger  geeignet.

Waschmittel.  Neben  den  gewöhnlichen  aus
Soda,  Wasserglas  und  etwas  Seife  zusammengemischten ­
  Seifenpulvern  (s.  d.)  gab  es  bereits
vor  dem  Kriege  eine  Reihe  anderer  Erzeugnisse
im  Handel,  die  teils  fettlösende,  teils  bleichende
Stoffe  enthielten.  Zu  den  ersteren  gehört  das
Ozonal  (s.  d.),  eine  Gallerte  aus  Petroleum  und
Seife,  ferner  das  Tetrapol,  eine  Tetrachlorkohlenstoff ­
  enthaltende  Flüssigkeit,  und  eine
Anzahl  sog.  Salmiak-,  Terpentin-  oder  Benzin-W.
  Sie  sind  an  sich  nicht  unwirksam,  haben
aber  den  Nachteil,  daß  ihre  wertbestimmenden
Bestandteile  mit  der  Zeit  verdunsten.  Die  anderen, ­
  die  auch  wohl  als  Bleichmittel  bezeichnet
werden,  sind  durch  einen  Gehalt  an  Sauerstoff
abgebenden  Chemikalien,  Superoxyden  oder
Persalzen  gekennzeichnet.  Ihr  erster  Vertreter,
das  Supero‘1,  das  aus  reinem,  in  Pastillenform
gepreßten  Natriumsuperoxyd  bestand,  ist  wegen
seiner  gefährlichen  explosiven  Eigenschaften
bald  aus  dem  Verkehr  zurückgezogen  worden.
Etwas  länger  hielten  sich  Mischungen  voh  Natriumsuperoxyd ­
  mit  indifferenten  oder  sauren
Verdünnungsmitteln,  wie  Ding  an  sich  (Natriumsuperoxyd,
  Seifenpulver,  Stearinsäure),
Machs  allein  (ähnliche  Mischung  mit  Paraffin),
aber  auch  sie  werden  jetzt  allgemein  verworfen.
Günstiger  wurden  aus  Natriumperborat  bestehende ­
  Waschmittel  wie  Peroborin,  Persil
u.  a.  beurteilt,  die,  wie  auch  Perkarbonate  und
Persulfate,  bleichend  wirken,  ohne  anscheinend
die  Wäsche  anzugreifen.  Aber  auch  ihnen
gegenüber  erscheint  eine  gewisse  Vorsicht  geboten, ­
  da  sie  nach  den  Versuchen  Heermanns
bei  Anwesenheit  weit  verbreiteter  Stoffe,  sog
Katalysatoren  (Kupfer),  die  pflanzliche  Faser
zerstören  sollen  (Sauerstofffraß).  —  Unter  den
während  des  Krieges  aufgekommenen  Mitteln,
die  als  sog.  fettlose  W.  eine  traurige  Berühmtheit ­
  erlangten,  befanden  sich  zahlreiche  Schwindelwaren ­
  erbärmlichster  Art,  die  zum  Teil  aus
völlig  wertlosen  Stoffen,  wie  Natriumsulfat
(Glaubersalz),  Kochsalz,  Magnesium-  und  Kalziumchlorid, ­
  Gips,  Kreide  u.  dgl.  bestanden.  Eine
Aufzählung  selbst  der  wichtigsten  Vertreter  erscheint ­
  wegen  ihrer  ungeheuren  Zahl  unmöglich
und  auch  entbehrlich,  weil  die  meisten  nach
Einführung  des  Genehmigungszwanges  verschwanden. ­
  Als  einzige  Stoffe,  die,  abgesehen
von  den  alkalisch  reagierenden  löslichen  Verbindungen, ­
  wie  Alkalilaugen,  Soda,  Pottasche,
Wasserglas,  Borax  usw.  eine  gewisse  reinigende
Wirkung  in  fettlosen  W.  auszuüben  vermögen,
seien  folgende  angeführt:  Saponin  (s.d.),  auch
in  Form  saponinhaltiger  Abkochungen  von
Quillayarinde  u.  dgl.,  ist  in  einigen  W.  aufgefunden ­
  worden,  aber  meist  in  zu  geringer,
praktisch  unwirksamer  Menge;  fettlösende  Enzyme ­
  der  Bauchspeicheldrüse  sollen  zur
Herstellung  des  Waschmittels  Burnus  benutzt
worden  sein,  das  im  übrigen  aus  Glaubersalz,
Kochsalz  und  Soda  bestand.  Ton  vermag  in
einer  bestimmten  Form,  sog.  kolloidalen  Form,
wie  von  der  Verwendung  der  Walkerde  bekannt ­
  ist,  Fette  und  andere  Schmutzstoffe  zu
entfernen,  und  hat  sich  in  seinen  farblosen  Arten
als  ein  brauchbarer  Notbehelf  erwiesen.  Nach
Vorschrift  des  Kriegsausschusses  für  Fette  und
Öle  mußten  die  aus  Ton  bestehenden  Erzeug'
            
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