Westrumit
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Wild
Most, bis er klar abfließt, und erhält so den
Tropfwermut, wenn er aus kondensiertem
Most gewonnen wurde, auch gekochter oder
süßer W. genannt. Der übrige ungarische W.
wird so erzeugt, daß man in ein Faß abwechselnd
Lagen reifer blauer Trauben sowie von Wermut,
Zimt, Nelken, Pomeranzen- und Zitronenschalen
und Senfmehl einfüllt, mit Rotwein vollgießt und
sechs Wochen liegen läßt. Bisweilen setzt man
auch Rosinen und Johannisbrot hinzu oder hängt
einen mit sämtlichen Zutaten gefüllten Beutel
in den Most hinein. Die italienischen Sorten
werden meist stark gespritet und enthalten dann
bis zu t6Vol.-°/o Alkohol. In neuerer Zeit kamen
nun unter der Bezeichnung W. zahlreiche Erzeug
nisse in den Plandel, die Wein überhaupt nicht
oder doch nur in verschwindenden Mengen ent
hielten, vielmehr im wesentlichen aus aromati
siertem und verdünntem Spiritus bestanden. In
folge der sorgfältigen Überwachung werden diese
Getränke jetzt nicht mehr als W., sondern nur
noch als Wermutlikör vertrieben. W. ist ledig
lich ein aromatisierter, allenfalls gezuckerter und
gespriteter Naturwein. Der zugesetzte Zucker
darf in der gleichen Menge Wasser aufgelöst
werden, doch muß das fertige Getränk minde
stens 70 0/0 Traubenwein enthalten. — Unter Ver
wendung von Obstwein hergestellte Erzeugnisse
sind als „Obst “ oder „Beeren-W.“ deutlich zu
kennzeichnen.
Westrumit, ein nach seinem Erfinder van
Westrum benanntes Mittel zur Straßenbespren-
gung und Staubbindung, besteht aus einer Emul
sion etwa gleicher Teile schwach ammoniakali-
sehen Wassers mit Mineralölen. Es soll mit
Sprengwagen aufgetragen werden und in ähn
licher Weise wie in Amerika durch die Bespren-
gung mit Petroleum einen widerstandsfähigen,
staubfreien Straßenbelag bilden. Im Hinblick
auf die ziemlich leichte Entmischung verstopft
W. nach einiger Zeit die Öffnungen des Spreng
wagens und darf deshalb nicht in zu großen
Mengen eingefüllt werden. Von zwei zu dem
gleichen Zwecke angebotenen Flüssigkeiten er
wies sich Antistoff als eine durch Kaliseife
vermittelte Emulsion von Teerölen, während
Standutin ein fein verteiltes Gemisch von Pe
troleumrückständen mit Wasser und Kleber oder
Mehlkleister war. Neuerdings wird zur Staub
bindung auch die Sulfitlauge (s.d.) herangezogen.
Whisky, ein in England sehr beliebter Trink-
branntwein, wird in der Weise hergestellt, daß
man Gerste über einem Torffeuer mälzt, oder
Roggen mit Malz maischt und die vergorene
Maische der Destillatipp unterwirft. Das „low
vines“ genannte Destillat wird nochmals destil
liert und liefert einen Vorlauf „four shots“, dar
auf den eigentlichen Whisky „clean spirit“ und
einen Nachlauf „faints“. Der Vorlauf und Nach
lauf werden einer neuen Maische wieder zu
gesetzt. Zur Entfernung eines in jungem Whisky
auftretenden unangenehmen Beigeschmacks ist
ein längeres Lagern, besonders in Sherryfässem,
üblich, wobei die nichtflüchtigen Säuren ab
nehmen. Der Alkoholgehalt beträgt 46—62
Vol.-o/o. Im übrigen sind in 100 ccm enthalten;
■0,0807 g Extrakt, 0,072 g Propylalkohol, 0,037 g
Butylalkohol, 0,0683 g Amylalkohol, 0,0161 g
flüchtige Sauren, 0,0107g Kapronsäure, 0,002 g
Mercks Warenlexikon,
Kaprylsäure, 0,1676 g Ester, 0,0018 g Furfurol,
0,0115 g sonstige Aldehyde. Auf alle Fälle ist
W, ein reiner Kornbranntwein und darf nicht
mit Kartoffelsprit vermischt werden.
Wicken (lat. Vicia, frz. Vesce, engl. Vetch), zur
Familie der Schmetterlingsblütler gehörige
Pflanzen, werden in mehreren Arten, besonders
als Saatwicke oder gemeine Futterwicke
(Heide-, Feld-, Korn-, Roßwicke, St. Christophs
kraut), Vicia sativa L., und platterbsen
artige W. (Küchen-W„ frühe W., kleine Früh-
lings-W.), V. lathyroides L., als Grünfutter
und zur Gewinnung von Heu und Samen im
großen angebaut. Für den Handel kommt je
doch nur der Samen in Betracht. Die W. lohnt
und verträgt die stärkste Düngung und hat des
halb auch für die Fruchtfolge hohen Wert. Der
Anbau der gemeinen W. ist ziemlich sicher, der
Ertrag groß. 1 hl Samen wiegt 76—84 kg, von
denen jedes 9000—30000 Körner enthält. Zur
Saat braucht man 1,5—4 hl und erntet vom
Hektar 100—220 dz Grünfutter, 20—45 dz Heu,
10—18 dz Körner, 12—26 dz Stroh. Das Mehl
der roten Sommer- und der kanadischen W.
wird bisweilen mit Weizenmehl vermischt und
so in Frankreich als Nahrungsmittel benutzt.
Wild (Wildbret, Wildpret, Wilpert) um
faßt alle zur menschlichen Nahrung geeigneten
jagdbaren Tiere, besonders Edel- oder Rot-, Reh-
und Damwild, Gemsen, Renntiere, Antilopen,
Gazellen, Schwarzwild, Wildschweine, Hasen und
Kaninchen, Auer-, Birk-, Hasel-, Schneehühner,
Fasanen, Schnepfen, Enten, Rebhühner, Bekas
sinen, Drosseln, Wachteln und Krammetsvögel.
Das W. nimmt mit zunehmender Kultur, obsehoh
es vielfach gehegt wird und in den meisten Län
dern Schonzeit hat, immer mehr ab und muß 1
daher für die Großstädte aus immer größeren
Entfernungen bezogen werden. Selbst Amerika
liefert in ziemlicher Menge W. nach Europa.
Hirsche, Rehe, Wildschweine und Fasanen wer
den in Deutschland fast nur noch aus Wildparks
geliefert und hier bei großen Jagden zum Ver
kauf geschossen, während kleines W. meist von
Treibjagden herrührt. Der Handel mit W. unter
liegt gewissen gesetzlichen Beschränkungen. Ins
besondere darf W. zur Verhinderung der Wild
dieberei während der Schonzeit überhaupt nicht
verkauft werden, selbst wenn es aus Gegenden
ohne Schonzeit kommt. Nur für bestimmte Ab
nehmer, nicht aber für den allgemeinen Verkauf,
kann eine Ausnahme von dieser Vorschrift und
ein Bezug unter Bescheinigung des Ursprungs
ortes nachgelassen werden. Die Hauptzeit für
Wildbret erstreckt sich vom September bis zum
Frühjahr. Die Versendung geschieht mit der
Bahn, am besten im Winter bei Frostkälte. Bei
Eintritt milder Witterung muß der Absatz rasch
erfolgen. Die Jahresausbeute, soweit sie die
Feldjagden betrifft, ist abhängig von der Witte
rung. Es gibt gute und schlechte Jahrgänge für
Hasen, Feldhühner und Schnepfen, während
Hochwild in der Regel nach bestimmtem Satze
abgeschossen wird. Schwarzwild gibt es noch
bis zur gebotenen Vernichtung im Überfluß in
Elsaß-Lothringen und den angrenzenden Gebieten
der Ardennen; Hochwild, Auerwild und Fasanen
besonders zahlreich in Böhmen, in Deutschland
I hingegen nur in den sehr waldreichen Gegenden.
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