Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

I

Zucker

503

Zucker

zucker  und  Fruchtzucker;  Milchzucker  je  ein  Molekül ­
  Traubenzucker  und  Galaktose;  Maltose  gibt
zwei  Moleküle  Traubenzucker.  Auch  die  Saccharosen ­
  drehen  die  Polarisationsebene,  zeigen  aber
die  übrigen  Eigenschaften  der  Glykosen:  Reduktion ­
  und  Vergärung  vielfach  erst  nach  der
Hydrolyse.  Ihre  Zusammensetzung  entspricht  der
Formel  C 12 H220 U .  Von  der  dritten  Gruppe  der
Zuckerarten,  den  Polysacchariden,  besitzt  nur
die  Raffinose  eine  gewisse  praktische  Bedeutung.
Sie  zerfällt  bei  der  Hydrolyse  in  je  ein  Molekül
Traubenzucker,  Fruchtzucker  und  Galaktose.  Die
wichtigeren  Zuckerarten  sind  unter  ihrem  eigenen
Namen  besprochen  worden.  An  dieser  Stelle  ist
daher  nur  diejenige  Zuckerart  zu  behandeln,  die
im  alltäglichen  Leben  als  Zucker  schlechthin
bezeichnet  wird,  der  Rohrzucker  oder  die
Saccharose.  Der  R.  ist  im  Pflanzenreiche
außerordentlich  verbreitet  und  wird  wahrscheinlich ­
  unter  dem  Einflüsse  des  Lichtes  in  den  Blättern ­
  erzeugt  und  von  hier  nach  den  Reserveorganen ­
  weiter  befördert.  Größere  Mengen  enthalten ­
  hauptsächlich  die  Stengel  einiger  Gramineen: ­
  Mais  7—90/0,  Zuckerhirse  (Sorghum ­
  saccharatum)  etwa  15  °/o,  Zuckerrohr
etwa  20%;  ferner  der  Saft  verschiedener  Bäume, ­
  wie  Birke,  Ahorn;  die  Nektarien  von
Kaktus-,  Fuchsien-  und  Kleeblüten,  verschiedene ­
  Früchte:  Mandeln,  Feigen,  Ananas, ­
  Äpfel,  Kirschen,  und  von  Wurzeln,  besonders ­
  Rüben  und  Mohrrüben.  Zur  Gewinnung ­
  des  Z.  werden  die  hierzu  geeigneten,  d.  h.
besonders  zuckerreichen,  Pflanzen  durch  Pressen
oder  durch  Ausziehen  mit  Wasser  oder  Alkohol
ihres  Z.  beraubt,  und  die  erhaltenen  Lösungen
nach  mehr  oder  minder  umständlicher  Reinigung ­
  zur  Kristallisation  gebracht.  Am  einfachsten ­
  ist  die  Gewinnung  aus  Zuckerrohr,  das  im
Safte  14—20%  Zucker  enthält.  Der  ausgepreßte
Saft  wird  mit  wenig  Kalk  aufgekocht,  nach  dem
Filtrieren  in  Vakuumapparaten  eingedampft  und
der  auskristallisierte  Zucker  durch  Zentrifugieren
von  dem  Sirup  oder  der  Melasse  befreit.  Er
kommt  dann  als  gelblicher  oder  bräunlicher  Kolonialzucker ­
  direkt  in  den  Handel,  oder  wird
durch  Raffinieren  (Umkristallisieren)  in  Plutoder
  Brot-Z.  oder  in  englischen  Kristallzucker
übergeführt.  Neuerdings  wird  auch  das  Diffusionsverfahren ­
  angewandt.  ■—  Die  Gewinnung
des  Z.  aus  der  Rübe  ist  wesentlich  umständlicher,
da  der  Rübensaft  weit  mehr  fremde  Bestandteile
enthält,  welche  die  Kristallisation  verhindern  und
daher  entfernt  werden  müssen.  Die  gewaschenen
Rüben  werden  in  der  Schnitzelmaschine  in  feine
Stückchen  zerteilt  und  dann  in  großen  eisernen
Zylindern  der  Diffusion  mit  warmem  Wasser
unterworfen.  Der  so  gewonnene  Saft  ist  reiner
als  der  früher  durch  Auslagen  von  Brei  (Mazeration) ­
  erhaltene,  da  eine  Reihe  kolloidaler
Stoffe,  wie  Eiweißstoffe  und  Gummi,  schwieriger
diffundieren  als  Zucker  und  Salze  und  daher  in
den  Schnitzeln  Zurückbleiben.  Zur  Entfernung
der  meisten  in  Lösung  gegangenen  Nichtzuckerstoffe ­
  wird  der  Diffusionssaft  in  den  Scheidepfannen ­
  mit  1V2—3  %  gebranntem  oder  gelöschtem ­
  Kalk  erwärmt,  wobei  sich  ein  Teil  der  Verunreinigungen ­
  flockig  abscheidet,  und  darauf  zur
Ausfällung  des  gelösten  Kalks  mit  Kohlensäure
gesättigt  (saturiert).  Der  erforderliche  Kalk
und  die  Kohlensäure  wird  von  den  Zuckerfabriken

durch  Glühen  von  Kalkstein  in  eigenen  Kalköfen
erzeugt.  Nach  Entfernung  des  Niederschlages  in
Filterpressen  wird  ■  der  nun  hellfarbige  Saft
entweder  durch  Knochenkohlebatterien,  oder
neuerdings  meist  durch  nochmalige  schwache
Scheidesaturation  mit  Kalk  und  Kohlensäure,
oder  endlich  durch  Behandlung  mit  schwefliger
Säure  weiter  gereinigt  und  dann  in  Vakuumapparaten. ­
  zum  Dicksaft  eingedampft.  Der  letztere ­
  mit  etwa  24 0  B  wird  dann  nach  nochmaliger
Filtration  bis  zum  Auftreten  von  Kristallen  weiter ­
  eingedickt  (auf  Korn  kochen),  und  die
erhaltene  „Füllmasse“  zum  Kristallisieren  in
eiserne  Kästen  abgelassen.  Die  nach  12—24
Stunden  völlig  fest  gewordene  Masse  wird  zerkleinert ­
  und  in  Zentrifugen  von  dem  Sirup  befreit. ­
  Der  letztere  wird  wieder  eingekocht  und
in  gleicher  Weise  weiter  behandelt  und  liefert
so  nacheinander  ein  sog.  zweites,  drittes  und
bisweilen  viertes  Produkt,  bis  aus  der  zuletzt
hinterbleibenden  Melasse  kein  Z,  mehr  auskristallisiert. ­
  Der  Rohzucker,  eine  grobkristallinische ­
  gelbe  Masse,  ist  nicht  direkt  zum  Verbrauch ­
  geeignet,  da  ihm  noch  ein  unangenehmer, ­
  von  kleinen  Mengen  Salzen  herrührender
Beigeschmack  anhaftet.  Er  enthält  80—96%
Zucker  und  wird  in  besonderen  Fabriken  (Raffinerien) ­
  weiter  gereinigt.  Zu  diesem  Zwecke
löst  man  ihn  in  V2—Vs  seines  Gewichts  an  Wasser,
entfärbt  die  Lösung  mit  Knochenkohle,  dampft
sie  zur  Kristallisation  ein  und  läßt  sie  in  kegelförmigen ­
  Hutformen  oder  inKästen  erstarren.  Die
anhaftende  Mutterlauge  wird  mittels  Luftpumpen
durch  Abnutschen  oder  durch  Auswaschen
mit  reiner,  dicker  Zuckerlösung  (Decken)  entfernt, ­
  und  ein  geringer  gelber  Farbton  durch  Zusatz ­
  von  etwas  Ultramarin  verdeckt.  Wegen  der
mit  dem  Ultramarinzusatz  verbundenen  Nachteile,
besonders  der  mit  sauren  Flüssigkeiten  eintreten
den  Schwefelwasserstoffentwicklung,  bevorzugt
man  neuerdings  vielfach  ungeblauten,  sog.  Lompen-Z.
  Durch  einfaches  Decken  des  in  Zentrifugen ­
  ausgeschleuderten  Z.  erhält  man  den  Kristallzucker; ­
  durch  Erstarrenlassen  der  Lösung
in  quadratisch  abgeteilten  Kasten  den  Würfelzucker. ­
  Der  in  spitz  zulaufenden  Formen  erstarrte ­
  Hutzucker  oder  Brotzucker  besteht
aus  sehr  kleinen,  zu  einer  festen  marmorartigen,
aber  doch  porösen  Masse  zusammengeklebten
Kristallen.  Er  wird  meist  Raffinade  genannt
und  bildet  die  beste  Sorte.  Pild-Z.  ist  eine  besonders ­
  für  den  italienischen  Markt  bestimmte
Form,  die  aus  erbsengroßen,  feinkristallinischen
Körnchen  besteht,  Melis,  eine  etwas  gelbliche
Raffinade,  und  Farin  (Mehlzucker)  ein  aus
schlecht  ausgefallenen  Broten  und  Abfällen  aller
Art  durch  Mahlen  hergestelltes  Pulver.  Kandis ­
  wird  durch  sehr  langsame,  ungestörte  Kristallisation ­
  konzentrierter  Zuckerlösungen  erhalten. ­
  Zur  Gewinnung  der  noch  in  der  Melasse
verbliebenen  Zuckerreste  sind  zahlreiche  Melasse-Entzuckerungsverfahren
  in  Vorschlag
gebracht  worden,  ohne  sich  auf  die  Dauer  behauptet ­
  zu  haben.  Das  Osmoseverfahren  beruht ­
  auf  der  Eigenschaft  des  Zuckers,  durch
poröse  Membranen  (Pergamentpapief)  weniger
schnell  zu  diffundieren  als  Salze.  Beim  Elutionsverfahren ­
  wird  der  Zucker  aus  der  Melasse ­
  durch  Zusatz  von  Kalk  als  Trikalziumsaccharat
  gefällt,  letzteres  abfiltriert,  mit  Al ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.