Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Bitterwässer 
Blei 
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den sich zwei Alkaloide, das Dulkamarin und 
das Solanin. B. wird in der Medizin als Auf 
guß innerlich gegen Katarrhe, Asthma, bei Rheu 
matismus usw. angewandt. Verwechslungen mit 
den Stengeln von Clematis vitalba sollen zuweilen 
vorgekommen sein, jedoch sind diese nicht runz 
lig, sondern glatt, holzig und sehr zähe. 
Bitterwässer nennt man diejenigen Mineral 
wässer, welche durch einen verhältnismäßig hohen 
Gehalt von Magnesiumsulfat ausgezeichnet sind, 
z. B. Friedrichshaller, Hunyadi Janos B. 
Blattmetalle (Folien, frz. Mötaux en feuilles. 
engl. Leaf-metals) nennt man Metalle und Me 
tallegierungen, die durch Walzen, zum Teil auch 
durch nachfolgendes Schlagen in die Form sehr 
dünner Bleche oder Blätter gebracht worden 
sind. Am meisten wird Gold und Silber in diese 
Blattform gebracht und die Erzeugung von ech 
tem Blattgold und Blattsilber mit dem Na 
men Goldschlägerei, dieselbe Arbeit auf un 
edle Metalle ausgedehnt mit Metallschlägerei 
bezeichnet. Nächst dem Golde wird wohl Zinn 
am meisten in Blattform übergeführt (vgl. Stan 
niol), dann Blei, Kupfer, Aluminium und ver 
schiedene Legierungen (unechtes Blattgold 
und unechtes Blattsilber). Das echte Blatt 
gold dient hauptsächlich zum Vergolden der 
Spiegel- und Bilderrahmen sowie zum Gold 
schnitt und zum Bedrucken der Büchereinbände. 
Die bei Herstellung des echten Blattgoldes ent 
stehenden Abfälle, Schawine oder Schabine, 
bilden zerrieben die echte Goldbronze. 
Blaudsche Pillen (lat. Pilulae ferri Blaudii), 
0,25 g schwere, bisweilen mit Silber, Zucker oder 
Schokolade überzogene Pillen aus Kaliumkar- 
bonat, Ferrosulfat, etwas Zucker, Gummi und 
Glyzerin mit 0,3 g Eisen. 
Blauholz (Kampescheholz, Blutholz, lat. 
Lignum campechianum, frz. Bois de campeche, 
engl. Log-wood), das wichtigste aller Farbhölzer, 
stammt von Haematoxylon campechianum, 
einem großen, zur Familie der Zäsalpineen 
gehörigen, in Zentralamerika und dem nörd 
lichen Teile von Südamerika heimischen Baume, 
der später auch in den niederländischen Kolo 
nien Ostindiens angebaut worden ist. Die vom 
weißlichen Splinte befreiten großen Blöcke ha 
ben außen eine dunkelblutrote bis braunrote 
Farbe, die innen'heller, rötlichbraun bis gelblich 
braun erscheint, an der Luft aber nachdunkelt. 
Das Holz ist hart und dicht, läßt sich schwer 
spalten, und besitzt einen schwachen, entfernt 
veilchenähnlichen Geruch und zusammenziehen 
den Geschmack. Man unterscheidet das eigent 
liche Kampescheholz oder Laguna-Kam- 
pesche, Jamaikablauholz und das Domingo 
blauholz, und von letzterem wieder mehrere Sor 
ten, nämlich Monte-Cristo-Blauholz, Fort 
Libertö und Aux Cayes. Martinique- und 
Guadeloupe-B. sind nur geringwertige Sorten. 
Der das Färbevermögen bedingende Stoff, das 
Hämatoxylin, bildet im reinsten Zustande fast 
farblose Kristalle, die aber an der Luft bald 
rötlich werden und schließlich in den eigent 
lichen Farbstoff, das Hämatein, übergehen. 
Weil dieser Farbstoff in dem frisch geraspelten 
B. nur in geringer Menge entwickelt ist, läßt 
man an der Luft fermentieren, wodurch es die 
gewünschte Farbe erst erhält und einen eigen 
tümlichen metallischen gelblichgrünen Glanz an 
nimmt. In unfermentiertem Zustande findet B. 
bisweilen medizinische Verwendung. Hauptsäch 
lich wird es aber zur Herstellung feiner Tischler 
arbeiten sowie in der Färberei und Tintenfabri 
kation benutzt. Für letztere Zwecke bedient man 
sich meist des Blauholzextrakfes (lat. Extrac- 
tum ligni campechiani, frz. Extrait de bois de 
campeche, engl. Extract of Log-wood), welches 
sowohl in fester als auch in flüssiger Form (s. 
Farbholzextrakt) einen wichtigen Handelsartikel 
bildet. Besonders geschätzt sind die Sanford- und 
französischen Sorten. Das feste Extrakt wird in 
Kisten von 20—100 kg aus Neuyork eingeführt,, 
doch sind auch in Deutschland und Frankreich 
Fabriken entstanden. 
Blaupulver, ein unreines Ferrizyankalium, 
kommt als bläulichgrünes Pulver in den Handel 
und wird' zum Färben benutzt. Vgl. ßlutlaugen- 
salz. 
Blausäure (Zyanwasserstoffsäure, lat. Aci 
dum hydrocyanicum, Acid. borussicum, frz. Acide 
prussique, engl. Prussic acid, Zootic acid), HCN, 
wird in wäßriger Lösung durch Destillation von 
Zyankalium oder Ferrozyankalium mit verdünn 
ter Schwefelsäure dargestellt. Wasserfreie B. 
erhält man durch Zersetzen von Zyanquecksilber 
mit konz. Salzsäure als eine farblose, bei 26° 
siedende Flüssigkeit. Sie ist das stärkste aller 
bekannten Gifte, zersetzt sjch aber leicht und 
kommt im Handel nicht vor. 
Blei (lat. Plumbum, frz. Plomb, engl. Lead). 
Dieses seit den ältesten Zeiten bekannte Metall 
findet sich in gediegenem Zustande nur sehr 
selten in der Natur. Für die technische Ge 
winnung kommen lediglich Verbindungen des 
Bleies, sog. Bleierze (frz. Minerais de Plomb, 
engl. Lead ores) in Betracht, welche für sich 
einen Gegenstand des Großhandels bilden und 
als Ballast mit den Schiffen befördert werden. 
Das wichtigste Bleierz ist der Bleiglanz oder 
Galenit, der in chemischer Hinsicht aus Schwe 
felblei (Bleisulfid), PbS, mit 86,60/0 Blei 
besteht, oft aber auch bis zu 0,1 0/0 Silber und 
Spuren Gold enthält. Er findet sich in Form 
harter und spröder Knollen oder Einsprengungen 
von ausgezeichneter hexaedrischer Spaltbarkeit, 
bläulichgrauer Farbe und starkem Melallglanz 
und wird als Glasurerz, von seiner Verwendung 
zum Glasieren gewöhnlicher Töpferwaren, im 
Handel geführt. Die bekanntesten Lager sind 
im Erzgebirge, Oberharz, Oberschlesien (Tarno- 
witz), Schwarzwald, Böhmen (Przibram), Kärnten 
(Bleiberg und Raibel), Spanien und England. 
Das nächstwichtige Bleierz, das Weißbleierz 
oder Zerussit, seiner Zusammensetzung nach 
kohlensaures Blei (Bleikarbonat), PbCO s , 
mit 77,5 % Blei findet sich in Form nadelförmiger 
Kristalle oder derber, körniger und dichter, zu 
weilen auch erdiger (Bleierde) Massen von 
weißer oder grauer Farbe neben dem Bleiglanr. 
In Kolorado bildet es mächtige Lager eines 
weißen, stark silberhaltigen Sandes. Anglesit 
(Bleisulfat) und Pyromorphit (Bleiphos 
phat) haben nur untergeordnete Bedeutung. Die 
Gewinnung des B. erfolgt am leichtesten aus’ 
dem Weißbleierz, das einfach mit Kohlenklein 
gemengt geglüht wird, wobei das metallische 
B. abfließt. Die zur Verarbeitung von Bleiglanz
	        
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