Bleichlorid
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Bleiglätte
benutzten Methoden beruhen teils darauf, daß
man den Schwefel durch Schmelzen mit Eisen
abscheidet (Niederschlagsarbeit), teils darauf,
daß man an der Luft röstet und das Röst-
gut dann mit Kohle reduziert. In allen Fällen
erhält man zunächst ein noch unreines, kleine
Mengen fremde Metalle enthaltendes B., welches
man Werkblei, und, wenn es antimonhaltig
ist, Hartblei oder Abstrichblei nennt. Man
benutzt es in Schriftgießereien und, wenn es
arsenhaltig ist, zur Schrotfabrikation. Das von
fremden Metallen befreite, reine B. wird raffi
niertes Blei genannt. Das bei den Hütten
prozessen zuerst abfließende B. ist reiner als das
später erhaltene und wird Jungfernblei ge
nannt. Es kann in der Regel schon als Handels
ware (Kaufblei) gelten, wenn es nicht etwa
zuvor noch entsilbert werden muß. — Das B.
ist ein weiches, bläulichweiß glänzendes Me
tall vom Atomgewicht 206,9 und vom spez. Gew.
11,360. Es verliert seinen Glanz an der Luft
bald und bedeckt sich mit einer dünnen grauen
Schicht von Bleisuboxyd. Der Schmelzpunkt
liegt bei 326° C. Bei heller Rotglühhitze beginnt
das geschmolzene B. zu verdampfen, und in der
Weißglühhitze verdampft es unter lebhaftem
Sieden vollständig. Infolge dieser Flüchtigkeit
gehen in den Hüttenwerken 6—7 °/o der ge
samten Bleiraenge als sogenannter Bl ei rauch
verloren, wenn nicht für eine entsprechende
Verdichtung gesorgt wird. Beim Schmelzen an
der Luft geht das B. infolge von Sauerstoffauf-
Pahme vollständig in Bleioxyd über. Das me
tallische Blei kann auch kristallinisch erhalten
Werden und gelangt meist in Form von Blöcken,
auch Mulden genannt, und Tafeln in den Handel.
Die Verwendung des B. ist sehr vielseitig. Man
benutzt es zur Herstellung von Gußwaren, Plat
ten (für die Bleikammern der Schwefelsäure
fabriken), Röhren, verschiedenen Legierungen
(Letternmetall, Bleilot), Draht (Bleidraht) und
Bereitung von Bleipräparaten und bleihaltigen
Darben. Die Weltproduktion betrug im Jahre 1913
1190000 t, davon entfielen auf die Vereinigten
Staaten 408000 t, auf Spanien 203000 t, auf
Deutschland 181000 t. Der Verbrauch Deutsch
lands belief sich auf 223500 t.
ßleichlorid, PbCl 2 , (Chlorblei, lat. Plumbum
chloratum, frz. Chlorure de plomb, engl. Chlo
re of lead) findet sich in der Natur als das
Mineral Hornbleierz und wird technisch her-
Sestellt durch Fällung von Bleisalzlösungen mit
Salzsäure oder Kochsalz. B. ist ein weißes, in
kaltem Wasser schwer lösliches, giftiges Kri-
s tallp u iver und liefert beim Zusammenschmelzen
m ’t Bleioxyd gelbe Farben (siehe Bleigelb).
Bleiessig (lat. Acetum plumbi, Liquor Plumbi
subacetici, frz. Vinaigre de saturne, engl. Solu-
l0 P of subacetate of lead), die wäßrige Lö-
Sun g von basisch essigsaurem Bleioxyd
°tter basischem Bleiazetat, wird erhalten
tturch Auflösen von Bleiglätte in einer wäßrigen
j- Us ung von Bleizucker. B. findet in der Fär-
er ei sowie zur Herstellung des medizinisch und
1 nisch gebrauchten Bleiwassers (lat. Aqua
Pt'mbi, frz. Eau de Goulard, engl. Goulard
ater) Verwendung.
Bleifarben. Die gesetzlichen Bestimmungen,
®lchen der Verkauf und die Verwendung von
Giftfarben (s. d.) unterliegt, erstrecken sich auf
folgende bleihaltige Malerfarben: Weiße: Blei
weiß (s. d.), Weißblei (s. Bleisulfat). Rote und
orange: Bleichromat (s. Chromrot), Mennige
(s. d.). Gelbe: Bleioxyd (s. Bleigelb), Antimon-
gelb (s. d.), Chromgelb (s. d.). Grüne: Gemische
von Chromoxyd mit Bleichromat (s. Chromgrün).
Daneben sind für die eben genannten blei
haltigen Farben noch besondere Vorschriften
erlassen, welche die Gesundheit der Gewerbe- 1
treibenden und ihrer Arbeiter selbst gegen die
außerordentlichen Gefahren, die mit der Her
stellung und Verwendung dieser verbreitet
sten und schönsten aller Malerfarben verbunden
sind, schützen sollen. Nach der Bekanntma
chung des Bundesrats vom 27. Juni 1905 , müssen
alle Betriebe, in denen Maler-, Anstreicher-,
Tüncher-, Weißbinder- oder Lackiererarbeiten
ausgeführt werden, besondere Vorsichtsmaßregeln
treffen, bez. deren auf das Reichsgesetzblatt 1905,
S. 555, verwiesen sei,. An dieser Stelle genüge
der Hinweis, daß dieser Bestimmung nicht nur
die Farbpulver, sondern auch alle streichfertigen
Ölfarben sowie Spachtel-F. und Sikkative unter
liegen. Näheres s. Farbenzeitung 1907, S. 1184.
Bleigelb. Mit diesem Namen belegt man ver
schiedene Malerfarben, welche entweder aus rei
ner Bleiglätte (s. d.) oder aus Gemischen von
Bleioxyd mit Bleichlorid bestehen. Die letz
teren werden durch Schmelzen von Bleiglätte
mit Salmiak dargestellt und kommen auch als;
Chemisch-Gelb; Kasseler-, Mineral-, Eng
lisch-, Montpellier-, Neu-, Pariser-, Pa
tent-, Turners-, Veroneser-Gelb in den Han
del. Sie unterliegen den für Bleifarben erlassenen
Vorschriften.
Bleiglätte (Glätte, Bleioxyd, lat. Lithar-
gyrum, Plumbum oxydatum, frz. Glette, Litharge,
engl. Litharge), PbO, eine Verbindung von 103
Teilen Blei mit 8 Teilen Sauerstoff, wird als
Nebenprodukt beim Abtreiben des Silbers mit
Blei (Bleiarbeit) erhalten und deshalb häufig
Silberglätte genannt. Man erhält die B. ent
weder in ganzen, aus zusammengeschmolzenen
Massen bestehenden blätterig-kristallinischen
Stücken von rötlichgelber Farbe oder in Ge
stalt loser, glänzender Schüppchen, oder endlich
in gemahlenem Zustande als schweres rötlich
gelbes Pulver (präparierte oder lävigierte
Bleiglätte). Gewöhnlich ist die B. mit kleinen
Mengen Kupferoxyd, Eisenoxyd, zuweilen auch
mit Spuren von Silber verunreinigt, wodurch
sie in verschiedenen Farbtönen erscheint, je
nach Menge und Art dieser Verunreinigungen.
Eine weit reinere B. wird aus reinem Blei dar
gestellt, indem man dieses bei starkem Luftzutritt
längere Zeit bis zum schwachen Glühen erhitzt
(Goldglätte,Massikot oder englischeGlätte).
Bei längerem Liegen an feuchter Luft nimmt
die B. etwas an Gewicht zu, indem sie Kohlen
säure und Feuchtigkeit anzieht, die sich jedoch
durch Erhitzen wieder entfernen lassen. Die B.
ist in Wasser unlöslich, muß sich aber in Sal
petersäure sowie in Kalilauge ohne Rückstand
auflösen. Man benutzt sie zur Herstellung von
Glasuren auf Steinzeug und Topfgeschirr, zur
Bereitung von Firnis und Bleipflaster, von Blei
weiß und Bleizucker sowie als Zusatz zu man
chen Sorten von Glas. Die B. ist giftig.