Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die  Entwicklung  der  deutschen  Portland-Zementindustrie  usw.  33

doch  eben  nur  bei  schlechten  Preisen  möglich.  Im  schlesischen
und  Stettiner  Gebiete  waren  die  Verhältnisse  wenigstens  in  den
Jahren  1883  und  1884  besser,  in  denen  auch  die  Preise  stiegen,
was  wohl  dem  großen  Absätze  nach  Österreich  und  besonders
Rußland  in  der  Hauptsache  zuzuschreiben  ist;  diese  brauchten
viel  Zement  zu  öffentlichen  Bauten,  namentlich  zu  Festungen,
wodurch  der  deutsche  Markt  entlastet  wurde.  Die  Jahre  1885
und  1886  waren  jedoch  auch  im  Osten  ungünstig.  Die  Ausfuhr
wurde  durch  den  Zoll  in  Österreich,  Rußland  und  der  Schweiz,
besonders  durch  seine  Erhöhungen  in  den  damaligen  Jahren  erschwert, ­
  wenn  auch  immer  noch  große  Mengen  dorthin  versandt
wurden.  Die  schlesischen  Fabriken  sahen  einen  Teil  ihrer  Absatzgebiete ­
  in  Österreich  und  Rußland  verloren,  sie  suchten  dafür
in  das  Stettiner  Gebiet  einzudringen  und  machten  den  dortigen
Werken  empfindliche  Konkurrenz.  Außerdem  brachten  sie  mehr
Ware  als  bisher  auf  den  Berliner  Markt  und  verschärften  so
auch  dort  den  Wettbewerb.  Nach  überseeischen  Ländern  wurde
viel  Zement  verkauft;  hierin  fanden  auch  die  Stettiner  Werke
einen  Ersatz  für  das  durch  die  Zollerhöhung  verlorene  Gebiet
in  Rußland.
Im  ganzen  hat  der  Versand  nach  dem  Auslande  nicht  unwesentlich ­
  zugenommen  und  diesem  Umstande  ist  auch  in  den
meisten  Gebieten  besonders  in  denen  an  der  See  und  am  Rheine,
die  Zunahme  des  Gesamtabsatzes  zum  großen  Teil  zuzuschreiben.
Dadurch  daß  diese  den  schlechten  Preisen  gegenüberstand,  wurde
die  Lage  der  deutschen  Zementindustrie  in  der  ersten  Hälfte  der
80er  Jahre  soweit  günstig  beeinflußt,  daß  sie  nicht  unbedingt
als  schlecht  bezeichnet  werden  konnte.  Es  geht  daraus  hervor,
wie  wichtig  damals  schon  der  Export  war,  denn  ohne  ihn  wäre
ein  noch  weit  stärkeres  Sinken  der  Preise  unvermeidlich  gewesen, ­
  da  das  Inland  die  Überproduktion  nicht  mehr  aufnehmen
konnte.  Im  Jahre  1886  freilich  hatte  die  Überproduktion  den
Höhepunkt  erreicht,  und  der  Unternehmergewinn  war  wenigstens
in  manchen  Gebieten  durch  den  fortwährenden  Preisfall  auf  ein
Minimum  beschränkt.  Begünstigt  wurde  diese  Entwicklung  noch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.