Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

I 
sEsinss 
— 191 — 
er das corporative Monopol an Stelle des capitalistischen 
Privilegiums und gelangt nur dadurch zur Abschaffung 
der Concurrenz in den verschiedenen Productionsbranchen, 
dass er sie in den Beziehungen jeder Industriebranche 
unter sich verschärft. Aber abgesehen von diesen prin- 
cipiellen Erwägungen, wäre es bei dem heutigen Stande 
der capitalistischen Entwickelung eine wunderliche Illusion, 
wenn man annehmen wollte, solche Cooperativassociationen 
könnten, selbst mit Unterstützung des Staates, den grossen 
Unternehmungen, die den Markt in der Hand haben und 
beherrschen, eine siegreiche Concurrenz machen und sie 
zum Weichen bringen. 
Nur in den Productionszweigen, in denen die capi- 
talistische Entwickelung noch in den Anfängen steht — 
z. B. in den meisten ländlichen Industrieen — könnte 
nach unserer Meinung das System der Productivassocia 
tionen den Uebergang zu einer reinen Socialisierung ver 
mitteln. 
B. Das System des „Eindringens“. 
Anstatt neue Unternehmungen zu schaffen, deren 
Concurrenz die capitalistischen Unternehmungen ab 
schaffen soll, strebt der moderne Socialismus vielmehr 
danach, die bestehenden Unternehmungen zu vergesell 
schaften, sei es auf dem Wege der Expropriation oder 
durch (die Beteiligung des Staates. Auf dieses zweite System 
bezieht sich der Plan der „freien Socialisierung“, den E. 
Solvay am 27. December 1899 dem belgischen Senate 
unterbreitet hat. 
In der Absicht, dem Staate Mittel zu verschaffen, ohne 
sie der Arbeit zu nehmen, gleichzeitig möglichst viel zu 
vergesellschaften, ohne die Freiheit und die persönliche 
Initiative zu gefährden, schlägt Solvay eine Reihe von 
Massregeln vor, die er wie folgt zusammenfasst : 
„Zunächst müsste man an eine Revision der Gesetze 
über die Gesellschaften (Actiengesellschaften etc.) gehen,
	        
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