Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Alle  erwähnten  Tatsachen  führen  uns  za  dem  Schlüsse,  daß  der
Absatz  von  Eisenbahnmaterial  für  die  südrussischen  Eisenwerke  kein
günstiger  sein  kann.  Trotzdem  ist  aber  dieser  Zweig  der  Produktion
der  rentabelste.  Das  letztere  erklärt  sich  vollkommen  und  allein
durch  die  hier  herrschenden  besonderen  Absatzverhältnisse.  Schon  ans
der  Tabelle  S.  110  geht  klar  hervor,  daß  der  überwiegende  Teil  der
Konsumtion  von  Eisenbähuartikeln  dem  Staate  zukommt,  in  seinen
Händen  befinden  sich  etwa  70  °/ 0  aller  russischen  Eisenbahnen.
Faktisch  erstreckt  sich  seine  Macht  auch  auf  den  größten  Teil  der
Privatbahnen.  Das  hängt  damit  zusammen,  daß  die  meisten  der
Privatbahngesellschaften  von  dem  Staate  garantierte  Obligationen
ausgegeben  haben.  Wenn  aber  die  privaten  Eisenbahngesellschaften
in  Rußland  solche  Obligationskapitalien  verbrauchen,  so  müssen  sie
das  nach  russischen  Gesetzen  unter  Regierungskontrolle  tun.  Die
Kontrolle  führt  hier  nun  gewöhnlich  dazu,  daß  sich  die  Bestellungen
solcher  Gesellschaften  nach  derselben  Regel  wie  für  staatliche  Bestellungen ­
  vollziehen.  Diese  Regeln  und  Bestimmungen,  die  für  die
Staatsbestellungen  charakteristisch  siiad,  bestehen  in  folgendem:
Die  Verteilung  der  Staatsbestellungen  befindet  sich  in  den  Händen
des  sog.  „Komitees  für  die  \  erteilung  der  Staatsbestellungen“,  welches
aus  den  Vertretern  der  verschiedenen  Ministerien  zusammengesetzt  ist.
Zuerst  wurde  es,  obwohl  unter  einem  anderen  Namen,  im  Jahre  1900
geschaffen  und  sollte  für  die  drei  folgenden  Jahre  Geltung  haben.
Es  stellte  damals  für  die  Jahre  1900—1902  im  voraus  die  Preise
fest,  die  bedeutend  höher  waren  als  die  Marktpreise.  Im  Jahre  1902
hat  es  seinen  gegenwärtigen  Namen  bekommen  und  hat  seitdem  als
eine  ständige  Organisation  funktioniert 1 .
Die  Aufgabe  des  Komitees  besteht  darin,  daß  es  die  Preise  und
die  Bedingungen  einerseits  und  die  Verteilung  der  Bestellungen  unter
die  einzelnen  Werke  andererseits  bestimmt.  Die  Bestellungen  werden
nur  denjenigen  Werken  zugewieseu,  die  schon  vor  dem  Jahre  1902
für  den  Staat  gearbeitet  haben.  Die  anderen  Werke,  die  z.  T.  auch
günstigere  Bedingungen  bieten,  bleiben  überhaupt  unberücksichtigt.
Daher  ist  die  Zahl  der  Lieferanten  auf  eine  kleine  Gruppe,  meistens
von  alten  Unternehmungen,  künstlich  begrenzt 1  2 .
Die  Preise  für  Schienen  sind  gegenwärtig  vom  Komitee  auf
112  Kop.  festgesetzt.  Diese  Preise,  die  wir  schon  analysiert  und
als  außerordentlich  gewinnbringend  fanden,  haben  nicht  nur  die  Staatsbahnen ­
  und  die  Gesellschaften,  deren  Obligationsschulden  vom  Staate
garantiert  sind,  zu  zahlen,  sondern  faktisch  auch  alle  anderen  Eisenbahngesellschaften, ­
  die  sich  eigentlich  in  keiner  Abhängigkeit  vom  Staate
befinden.  Das  wurde  dadurch  zustande  gebracht,  daß  das  Komitee

1  Kaffenhaus,  a.  a.  0.,  S.  117.
2  Schienen  produzieren  bloß  11  Eisenwerke,  darunter  8  südrussische.
            
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