Full text: Die Eisenindustrie in Südrußland

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erst auf dem Papier existierten. Nachdem man die Bestellung be 
kommen hatte, kaufte man in Amerika ein vollständig eingerichtetes 
Röhrenwerk und ließ alle zugehörigen Maschinen und Einrichtungen 
direkt nach Mariupol per Schiff transportieren. Im Dezember 1898 
begann man die Zusammenstellung aller Teile — im Februar 1899 
war das Werk schon im Betriebe . . . Der Gründungsplan des 
Werkes war sehr großzügig gedacht, seine Durchführung stieß aber 
auf verschiedene Schwierigkeiten. So konnte man von den geplanten 
acht Hütten nur zwei zustande bringen. Aber auch diese standen 
schon im Jahre 1901 still, da sich kolossale Vorräte an Roheisen 
angesammelt hatten. Man brauchte für den Bau immer neue 
Kapitalien, deren Beschaffung immer schwieriger wurde. Alle diese 
Umstände hatten zu Folge, daß die Gesellschaft stark mit Schulden 
überlastet wurde. 
Die erste Gesellschaft, die ihre Produktion auf die Kertsch- 
Eisenerze basierte, war die „Taganrog A.-G.“. Sie wurde im Jahre 
1896 unter Mitwirkung der belgischen Gesellschaft „d’Ougree“ 
(Lüttich), der „Toleries Liegeoises- und der „Fabrique de tubes de 
Louvroil“ gegründet 1 . Die Gesellschaft besitzt ein großes Gebiet 
von Kertsch-Eisenerzlagern, deren Förderungskosten 1—2 Kop. nicht 
überschreiten, was mit den Transportkosten 4—5 Kop. 1 2 ausmacht. 
Sie hat auch einen Kontrakt in Krivoj-Rog abgeschlossen und be 
zahlt hier 2,75 Kop. für ein gewonnenes Pud Eisenerz. Das 
Taganrog-Werk wurde bei der Stadt Taganrog erbaut und im Jahre 
1897 in Betrieb gesetzt. Das Aktienkapital betrug 5 000 000 Rbl. 
Die Gesellschaft mußte aber sofort ihr Aktienkapital erhöhen. 
Eine andere Gesellschaft, die mit der Taganrog A.-G. viel 
Ähnlichkeit hat, ist die „Societe Providence Russe“, die von der 
belgischen Aktiengesellschaft „Providence“ im Jahre 1897 gegründet 
wurde. Die Gesellschaft hat große Lager von Eisenerzen auf der 
Halbinsel Kertsch gepachtet, so daß die Erzvorräte für hundert 
Jahre gesichert sind. Ausserdem hat man auch in Krivoj-Rog 
einige Kontrakte abgeschlossen. Das Werk ist nicht weit von 
Mariupol erbaut und hat einen eigenen Hafen. Auch hier ist ein 
guter Teil des ursprünglichen Planes nicht zur Ausführung gelangt, 
Die ursprünglichen Berechnungen hatten eine Reihe von konkreten 
Tatsachen nicht berücksichtigt, und das Aktienkapital von 15 000 000 
Francs erscheint viel zn niedrig. Dazu kamen auch verschiedene 
finanzielle Mißbräuche bei der Gründung, so daß die kommende 
Krisis die Gesellschaft vollständig desorganisierte. 
Die letzte Gesellschaft, die hierher gehört, ist die „Kertsch A.-G.“, 
die auch hauptsächlich mit belgischem Gelde, dazu, noch unter Bei 
1 Trasenster, a. a. O., Rev. univers. des rnines. 1899, S. 194. 
2 1 rasenster, a. a. O., Kev. univers. des mines. 1899, S. 193.
	        
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