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Sorten eine Produktions- und Absatzvermehrung stattlindet. Das
erklärt sicli daraus, daß die Verminderung der Schienenproduktion
die Werke zwang, ihre freistehenden Schienen Werkstätten ander
weitiger Produktion anzupassen; deu technischen Gründen gemäß
vollzieht sich aber der Übergang zu solchen Sorten, wie Schwellen,
am leichtesten. Man pflegte jetzt also anstatt Schienen mehr
Schwellen usw. zu produzieren. Das erschien um so zweckmäßiger,
als die Preise dieser Artikel damals sehr hoch standen. Die Werke
begannen, sich immer mehr mit dieser Produktion zu beschäftigen.
Da der Markt eine solche Vermehrung des Angebotes gewiß nicht
aufnehmen konnte, trat hier infolge der Konkurrenz ein rascher
Preissturz ein. Schon aus der Tabelle S. 66 sieht man, daß der
Preis der Schwellen während der Periode 1901—1903 mehr als um
das Doppelte gesunken ist.
Wie stark die Konkurrenz zwischen den einzelnen Werken
damals war, zeigt z. B., daß die Schwellen während der Zeit der
Krisis bis 65 Kop. pro Pud kosteten, wogegen die Herstellung
nirgends niedriger als 77 Kop. pro Pud war. Lauwick konstatiert
einen Fall, wo um eine Bestellung auf diese Schwellen die Dnie-
provienne, die Providence und die ßusso-Belge konkurrierten; sie
wurde endlich der Russo-Belge zugewiesen, und zwrnr zu einem
Preise von 58 Kop. pro Pud 1 !
Die Bewegung, die nach einer zunehmenden Produktion des
Marktsortiments strebte, machte sich auch in der Roheisenproduktion
geltend. Die Roheisenproduktion im großen und ganzen nahm ab,
was den Krisenzustand verrät. Bei einem Vergleich der einzelnen
Sorten von Roheisen miteinander läßt sich aber konstatieren, daß
die Produktion von Bessemerroheisen bedeutend ab-, dagegen die
Produktion von Martinroheisen zunahm. Das hing damit zusammen,
daß das erstere hauptsächlich für Schienen, das letztere für die
Marktsorten bestimmt ist Endlich ist aus der Tabelle klar zu er
sehen, daß der Roheisenabsatz in dieser Zeit bedeutend zunahm. Das
war durch zwei Umstände bedingt. Erstens waren die kombinierten
Werke gezwungen, während der Krisis die Eisen- und Stahlverarbeitung
einzuschränken, und es blieb ihnen nichts übrig, als das überflüssige
Roheisen unter allen Umständen auf den Markt zu werfen. Zweitens
kam jetzt eine Menge von südrussischem Roheisen auf andere Märkte
außerhalb Südrußlands, wo die Konkurrenz dadurch erleichtert war,
daß die Herstellungskosten für Roheisen im Süden niedriger sind
als in irgend einem anderen russischen Gebiete. Alles das hatte
natürlich eine bedeutende Abnahme der Roheisenpreise zur Folge,
die von 62 auf 38 Kop. pro Pud sanken.
Die Krisis in Südrußland in den Jahren 1901 — 1903 ist einmal
1 Lauwick, a. a. 0., S. 40.