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Schuldner in den Besitz der Gläubiger übergingen 1 ). Auf diese
Weise kam allmählich fast der ganze Tiroler Bergbau in die
Hände der Fugger, die seit 1522 Gruben besassen, der Paum-
gartner und Herwart. Von den einheimischen Familien konnten
sich nur die Stöckl und Tänzl als Gewerken grösseren Stils
neben den „Schwaben“ behaupten. Dieser ganze Prozess,
der fast den grössten Teil des Bergwesens in den Händen aus
wärtiger Kaufleute vereinigte, war für dessen Entwicklung nicht
segensreich. Für die Kaufleute, denen es nur um raschen Ge
winn zu tun war, bildete der Bergbau nur ein Mittel zum Zweck.
Statt den Abbau mit Liebe und Neigung zu betreiben, ver
legten sie sich auf den Raubbau. Bereits Ende der zwanziger
Jahre des 16. Jahrhunderts werden die ersten Klagen laut,
dass der Berg nicht mehr so reiche Erträge bringe, wie früher.
Am interessantesten ist die Entwicklung am Falkenstein, die
wir nun etwas näher betrachten wollen.
Hans Paumgartner stand hier, was Umfang seiner Betriebe
betrifft, an der Spitze der Gewerken. Von 1507 bis 1535 pro
duzierte er allein 282 222 M 13 1 Silber. Selbst Virgil Hofer,
der reiche Bergherr von Rattenberg, brachte es in den Jahren
1475 bis 1526 nur auf 305 388 Ji?). Die Tiroler Regierung erkannte
diesen Vorrang Paumgartners auch an. Im Jahre 1524 z. B.
lesen wir in den Kopialbüchern, „dass Paumgartner der meisten
Schmelzer einer sei“ 3 ). Aehnlich heisst es 1526: „Paumgartner,
als der jetzt das ansehnlichste Bergwerk hat . ,“ 4 ). Später
musste die Regierung, da das Bauen schwieriger wurde, den
Gewerken ein Gnad- und Hilfsgeld gewähren, um sie „beim
Berg zu halten“. Bei der ständigen Finanznot konnte sie
jedoch diesen Verpflichtungen häufig nicht nachkommen. So
hatten die Gewerken im Jahre 1524 noch 42 364 fl zu empfangen.
') Ein typisches Beispiel dafür ist der Bankrott Martin Baum
gartners von Kufstein, des Sohnes Hans Baumgartners. Er beteiligte
sich am Tiroler Bergbau, geriet in Schulden und musste schliesslich seinen
ganzen Besitz an Gruben seinen Gläubigern abtreten. Näheres darüber
siehe u. S. 128.
’) Wolfstrigl-Wolfskron a. a. O. S. 52—56 ist das
Silberverzeichnis der Silberbrenner Jörg und Sebastian Anndorfer zu
Schwatz abgedruckt, dem ich obige Zahlen entnehme.
3 ) Missiven (1524) fol. 43.
*) Missiv an Hof (1526) fol. 88. Fugger, Stöckl u. Höchstetter
werden i. J. 1524 als die bedeutendsten Gewerken erwähnt nach Paumg.