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wiederholten, ihnen auch 2 / g ihres Silbers freizugeben, hielt die
Kammer in ihrem Gutachten an den König mit ihrer Meinung
nicht zurück. Sie erklärte, die Augsburger Kaufleute hätten
keinen Grund, sich zu beschweren. Sie hätten die Einheimischen
ausgekauft und man hätte nicht geglaubt, dass sie vorhatten,
„einen Schatz und Gottesgab“ wie den Falkenstein zu ruinieren.
Man sei vielmehr der Meinung gewesen, sie würden andere,
wenn sie zaghaft würden, zum Ausharren und tröstlichen
Bauen bewegen. Wenn die Stöckl und Tänzl sich zurückgezogen
hätten, so wäre weniger Silber gemacht worden und sie, die
Kaufleute, hätten dann mit der Rückzahlung ihrer Darlehen
länger warten müssen. Die Inländer hätten auch kein anderes
Gewerbe als den Berg, während der Ausländer Vermögen davon
nicht allein abhängig sei. Wenn der Berg nicht mehr Nutzen
bringe, so seien sie trotzdem Herren mit ihrem Handel, so sie
in allen Ländern haben 1 ).
Damals, als die Regierung dieses Schreiben an Ferdinand
sandte (27. Januar 1544), übertraf der Bergbau Paumgartners
immer noch bei weitem den der andern Augsburger. Die Fugger
machten nämlich 1543: 4091 M 14 1, die Haug und Neithart
4918 M 12 1, Paumgartner dagegen 7138 M 15 1 Silber 2 ).
Im Jahre 1544 hatten dann die Supplikationen schliesslich
Erfolg. Die Regierung durfte es mit den Kaufleuten nicht
verderben. Um das Heiratgut für Ferdinands Tochter Elisabeth
aufzubringen (siehe u. S. 68), musste man den Kaufleuten am
1. November 1544 auch die Gnade gewähren 3 ), dass sie „wegen
ihres tapferen Bauens und in der Hoffnung, dass sie auch ferner
getreu bauen wollten, auch anderer bewegenden Ursachen
halber“ statt der bisherigen vierten Mark über den halben
Teil ihres Silbers gegen Bezahlung des Wechselgeldes frei ver
fügen dürften. Diese Gnade sollte bis Ende 1548 gelten. Noch
war diese Frist nicht abgelaufen, da kamen die Augsburger
(auch die seit 1547 im Bergbau tätigen Herwart) mit der Bitte
um noch weitere Privilegien. Die Ergiebigkeit des Falkenstein
nahm nämlich jetzt rapid ab. Die Gewerken erklärten, sie
*) Dieses interessante Schreiben an Ferdinand, aus dem der lang
verhaltene Groll der Regierung über die Gewinnsucht der Augsburger
spricht, steht Missiv an Hof (1543) fol. 27.
2 ) Missiv an Hof (1543) fol. 88.
3 ) Entbieten u. Befehl (1544) fol. 299.