Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Umfassender  freilich  als  der  Warenhandel  waren  wohl
zu  allen  Zeiten  Hans  Paumgartners  Geldgeschäfte.  Als  Bankier
König  Ferdinands  I.  haben  wir  ihn  bereits  in  hervorragender
Weise  tätig  gesehen.  Interessant  wäre  es,  über  seine  Stellung
zu  dem  französischen  König  Franz  I.  Näheres  zu  erfahren.
Leider  konnte  ich  darüber  ausser  den  sogleich  anzuführenden
Notizen  nichts  weiter  ermitteln.  Begreiflicherweise  bewahrte
Paumgartner  über  diesen  Teil  seiner  Geschäfte  tiefe  Verschwiegenheit. ­
  Trotzdem  scheint  seine  Verbindung  mit  dem
französischen  Hof  bei  den  Zeitgenossen  bekanntgeworden  zu
sein.  So  schreibt  der  schon  obenerwähnte  Aleander  in  sein
Tagebuch,  dass  er  bei  seinem  Aufenthalt  am  Wiener  Hof  gehört
habe,  Paumgartner  mache  viele  Geschäfte  mit  Frankreich
und  sei  am  Hof  Franz  I.  eine  wohlbekannte  Persönlichkeit 1 ).
Er  übernehme  besonders  Wechselgeschäfte  für  den  französischen
König  ausserhalb  Frankreichs.  Ferdinand  selbst  hatte  Kenntnis
von  diesen  Unternehmungen  Paumgartners  und  warnte  einmal
Karl  V.  vor  dem  Kaufmann,  den  er  ,,ung  homme  .  .  .  assez
favorable  es  affaires  de  France“  nennt 2 ).  Vielleicht  war  ein
Förderer  dieser  Beziehungen  der  Hofbankier  Franz  I.  Hans
Kleeberg,  „der  gute  Deutsche",  den  wir  als  Freund  Paumgartners ­
  einmal  erwähnt  finden 3 ).  Es  braucht  uns  übrigens
nicht  wundernehmen,  dem  Geldgeber  Karls  V.  und  Ferdinands
auch  in  den  Diensten  ihres  grossen  Gegners  Franz  I.  zu  begegnen. ­
  Die  Kaufleute  Augsburgs,  auch  die  Fugger,  betrieben
ihre  Geschäfte  auf  einer  internationalen  Grundlage  und  waren
bereit,  mit  jedem  Fürsten  in  Verbindung  zu  treten,  wenn  nur
Aussicht  auf  Gewinn  sich  bot.
Auch  zu  England  hatte  Paumgartner  geschäftliche  Beschichte ­
  d.  Hanse  u.  zur  deutschen  Seegeschichte,  München-Leipzig  19x3
(Urk.  Nr.  516  im  1.  Bd.).
1 )  Dixit  [sc.  Ribeysen]  .  .  .,  quod  [Paumgart]  maximam  partem
suorum  negociorum  tractat  in  Gallia  et  bene  sit  notus  in  curia  regis
Franciae  innuens,  quod  rex  aliquando  eo  utatur  in  transmittendis  pecuniis
  extra  regnum.  (Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  S.  375.)  Paumgartner
weilte  damals  (1.  August  1539)  selbst  in  Wien,  um  einen  Vertrag  mit
dem  König  über  Quecksilber  u.  Zinnober  abzuschliessen.  (Vgl.  die  der
zitierten  Stelle  vorhergehenden  Worte.)
2 )  Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  1.  Abt.  Bd.  6  (1909)  S.  328.
3 )  Siehe  u.  S.  85.
            
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