89
wonnen habe, die jene Lücke ausfüllen würden, nämlich Christoph
von Stadion, den Bischof von Augsburg, Anton Fugger und Hans
Paumgartner 1 ). Mit der Persönlichkeit des letzteren beschäftigt
sich nun der ganze weitere Brief, der fast den Charakter einer
kleinen Abhandlung annimmt. Um seinem Freunde in Spanien
ein klares Bild von dem berühmten Augsburger Kaufmann zu
geben, schildert er eingehend dessen Verdienste um den Kaiser
und verweilt dann bei der Darlegung der Familienverhältnisse
Paumgartners. Wie Zasius, rühmt auch er die sorgfältige Er
ziehung, die Paumgartner seinen Söhnen angedeihen liess 2 )
und kommt dann auf die Gütererwerbungen zu sprechen,
worauf der Schluss des Briefes in einen Panegyricus auf Paum
gartners Tugenden ausläuft: „Abundat Germania magnis et
excellentibus viris, sed utinam quam plurimos haberet Paum-
gartnero pares . . . Felix Germania tali heroe; Felix ego
tali amico, quo cum mihi sunt omnia communia“ 3 ). Trotz
solcher begeisterten Worte kam es wohl nie zu einer persön
lichen Bekanntschaft der beiden Männer. Am 26. Oktober 1533
hatte Erasmus dem Hans Paumgartner zum Erwerb von Erbach
gratuliert, worauf ihm dieser in einem Dankbrief (28. November
I 533) die Zusendung eines Geschenkes in Aussicht stellte 4 ).
Ende Januar 1534 liess dann Paumgartners Sekretär Gering
im Aufträge seines Herrn an den Humanisten eine Sendung
Wein abgehen 6 ). Der letzte Brief Paumgartners an Erasmus
berührte nochmals den Namen des verstorbenen Zasius 6 ).
Paumgartner teilte hierin (25. Juni 1536) dem Humanisten mit,
dass er den Sohn des Zasius auf seine Kosten studieren lasse, da
er seine Freunde nicht nur zu ihren Lebzeiten, sondern auch noch
über den Tod hinaus zu ehren pflege. Die allernächste Zukunft gab
diesen Versicherungen Paumgartners noch eine besondere Be
deutung, denn bereits am 12. Juli 1536 starb auch Erasmus.
*) Derselbe Gedanke kehrt wieder in einer Widmung des Erasmus
an Christoph von Stadion, mit der er diesem im Jahre 1535 seinen ,,Ec-
clesiastes" übersandte.
2 ) Näheres siehe u. S. 101 ff. Irrigerweise nennt Erasmus hier
Paumgartners jüngsten Sohn Daniel statt David.
3 ) Erasmi opp. III 1484.
4 ) Beihefte zum Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 230.
6 ) Ebenda S. 237. Noch ein zweites Mal (29. Januar 1535) erfreute
Paumgartner den Erasmus mit einer Sendung Wein. Ebenda S. 257.
*) Erasmi opp. III 1773 B.