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5. Es müsse ein Reservekapital zu Kriegszwecken
gebildet werden, um in der Not die Neuausgaben der
Assignaten zu vermeiden.
6. Es solle die Lage der Kronbauern verbessert werden.
7. Der Bergbau und das Forstwesen sollen gefördert
werden. Usw.’)
Es ist zu bemerken, daß in dem hier angeführten
Programm die Geldreform noch gar nicht erwähnt ist, welche
in den Jahren 1839—1843 durchgeführt wurde und welche
in Rußland auf immer mit Kankrins Namen verknüpft
bleiben wird.
Die zwei letzten Regierungsjahre Alexanders I. aus
genommen, fällt die ganze Tätigkeit Kankrins in die Re
gierungszeit Nikolaus I.
Nach der Dekabristen-Revolte wurde die schon unter
Alexander I. begonnene Reaktion unter Nikolaus 1. noch
stärker, besonders in der Armee. Die Bauernfrage, mit
welcher sich Nikolaus I. in den ersten Jahren seiner Re
gierung gleich Alexander I. zu befassen für nötig hielt,
wurde bald gänzlich vergessen. Währenddes verschlimmerte
sich die Lage der Leibeigenen immer mehr, so daß ihre
Unzufriedenheit während der Regierungszeit Nikolaus I. je
weiter desto häufiger sich in offenen Aufständen kundgab. 2 )
Als ausgesprochener Autokrat in seinem Lande hatte
Nikolaus I. es sich zur Aufgabe gemacht, auch nach außen
seinen Einfluß zwecks Wahrung der monarchistisch-kon
servativen Prinzipien auszudehnen. Wohl mit aus diesem
Grunde unterstützte er den Sultan gegen Mehemed-Ali im
J. 1832, was Rußland allein 5 Mill. Rub. gekostet hat.
Duldete nun aber Nikolaus I. fast keinen Widerspruch
seitens seiner Minister und unterwarf er sich vielleicht nur
in technischen Verwaltungsfragen der Meinung der Fach
männer, so war sein Verhältnis zu Kankrin ganz anders.
Der letztere, obschon vom Kaiser persönlich gar nicht ge-
1) Bl. 1. 128 130. - 2) Sem. 242—292.