Object: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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schieht.« 1 ) All das zeugt, dass er die grosse Bedeutung 
der Wissenschaft im Staatsleben zu schätzen wusste. Und 
als im J. 1844, während seines Aufenthalts in Paris, die 
Pariser Akademie der Wissenschaften ihm für die Förderung 
der Wissenschaft ihre Anerkennung bezeugte, wurde ihm 
damit eine wohlverdiente Ehre erwiesen. 3 ) 
Mit den Männern der Kunst und Wissenschaft ver 
kehrte Kankrin mit Vorliebe, und den Poeten gegenüber, 
deren manche er auch in seinem Ministerium beschäftigte, 
erwies er immer einen grossen Respekt. Er, der wegen 
seiner schroffen Art im Alltagsleben bekannt war, wusste 
wenn es galt etwas für seine Lieblingsneigungen zu tun, 
auch fein und bescheiden zu sein. Hierfür ist z. B. sein 
Brief bezeichnend, den er an Al. v. Humboldt geschrieben 
hat. In dem Briefe hemerkt er mit Bezug auf die Absicht 
Humboldts, an Kaiser Nikolaus I. einen Danksagungsbrief 
zu richten: »Der Brief an den Kaiser dürfte, ich bitte, nichts 
über mich enthalten.« 8 ) Darauf erwiderte Al. v. Humboldt: 
»Ihres Namens ist in dem Briefe nicht erwähnt, was mir 
nicht leicht geworden ist«. 4 ) 
Bemerkenswert ist Kankrins Verhältnis zu Kaiser 
Nikolaus I. ln einem Nikolaus I. gewidmeten Artikel in 
der »Gegenwart« 5 ) aus dem Jahre 1849 heisst es unter 
anderm: »Kankrin, persönlich vom Kaiser gar nicht geliebt, 
ist in finanziellen Fragen mit seiner Ansicht häufig gegen 
die des Kaisers durchgedrungen«. Und tatsächlich war 
das Finanzministerium unter Nikolaus I. wohl das einzige 
Ministerium, das von Kankrin selbständig geleitet wurde. 
Aber trotz der Verschiedenheit der Meinungen in Finanz 
sachen, die ziemlich oft zum Ausdruck kam, waren alle 
beide wohl ganz einig in der Auffassung der Hauptfrage 
der Staatspolitik. Beide stimmten in dem Grundprinzip 
überein, daß jede Abweichung vom Status quo in der Lage 
') Rtgb. I. 236. — 2 ) Rtgb. II. 163. — 3 ) Briefwechsel, 61. — 
4 ) Briefwechsel, 64. — 6 ) II Bd. 296. —
	        
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