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schieht.« 1 ) All das zeugt, dass er die grosse Bedeutung
der Wissenschaft im Staatsleben zu schätzen wusste. Und
als im J. 1844, während seines Aufenthalts in Paris, die
Pariser Akademie der Wissenschaften ihm für die Förderung
der Wissenschaft ihre Anerkennung bezeugte, wurde ihm
damit eine wohlverdiente Ehre erwiesen. 3 )
Mit den Männern der Kunst und Wissenschaft ver
kehrte Kankrin mit Vorliebe, und den Poeten gegenüber,
deren manche er auch in seinem Ministerium beschäftigte,
erwies er immer einen grossen Respekt. Er, der wegen
seiner schroffen Art im Alltagsleben bekannt war, wusste
wenn es galt etwas für seine Lieblingsneigungen zu tun,
auch fein und bescheiden zu sein. Hierfür ist z. B. sein
Brief bezeichnend, den er an Al. v. Humboldt geschrieben
hat. In dem Briefe hemerkt er mit Bezug auf die Absicht
Humboldts, an Kaiser Nikolaus I. einen Danksagungsbrief
zu richten: »Der Brief an den Kaiser dürfte, ich bitte, nichts
über mich enthalten.« 8 ) Darauf erwiderte Al. v. Humboldt:
»Ihres Namens ist in dem Briefe nicht erwähnt, was mir
nicht leicht geworden ist«. 4 )
Bemerkenswert ist Kankrins Verhältnis zu Kaiser
Nikolaus I. ln einem Nikolaus I. gewidmeten Artikel in
der »Gegenwart« 5 ) aus dem Jahre 1849 heisst es unter
anderm: »Kankrin, persönlich vom Kaiser gar nicht geliebt,
ist in finanziellen Fragen mit seiner Ansicht häufig gegen
die des Kaisers durchgedrungen«. Und tatsächlich war
das Finanzministerium unter Nikolaus I. wohl das einzige
Ministerium, das von Kankrin selbständig geleitet wurde.
Aber trotz der Verschiedenheit der Meinungen in Finanz
sachen, die ziemlich oft zum Ausdruck kam, waren alle
beide wohl ganz einig in der Auffassung der Hauptfrage
der Staatspolitik. Beide stimmten in dem Grundprinzip
überein, daß jede Abweichung vom Status quo in der Lage
') Rtgb. I. 236. — 2 ) Rtgb. II. 163. — 3 ) Briefwechsel, 61. —
4 ) Briefwechsel, 64. — 6 ) II Bd. 296. —