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die »Kräfte der Natur« als die »erste Quelle der Produktion« 1 )
hinweist. Wenn er dann freilich als »zweite Hauptquelle
der Produktion« 2 ) auch die »organisch-physischen Kräfte
der Menschen und der Tiere« hinzuzieht, so nennt Kankrin
im »Weltreichtum« jedoch rein produktiv nur die Arbeit,
bei welcher »die vegetabilische oder plastische Kraft der
Natur«, wie er sagt, mitwirke, wie z. B.: Ackerbau, Vieh
zucht, Fischerei 3 ). Somit ist die Arbeit als solche nach dem
»Weltreichtum«, ähnlich wie bei den Physiokraten, nur re
produktiv, bei Kankrin dabei auch noch zerstörend. 3 ) Er ent
fernt sich aber weit von den Physiokraten, wenn er außer
der Produktivität der Naturkräfte noch diejenige des Genies,
der Privation und sogar des Raubes gelten läßt 4 ) und somit
die an sich nur — seiner Meinung nach — reproduktive
Industrie 5 ) »durch Einwirkung des Genies oder der Pri
vation« 0 ) und den unproduktiven Handel »durch privative
Gewinne« produktiv macht. 6 )
Die hier angedeutete Stellung Kankrins in der Pro
duktivitätsfrage zeigt uns, daß er in dieser Hinsicht im
»Weltreichtum« noch stark von den Physiokraten beeinflußt
ist, wenn er sie auch nicht nur in dieser, sondern auch
sonst, wie wir schon im vorhergehenden Kapitel konstatiert
haben, mißverstanden zu haben scheint. Übrigens wird in
der »Ökonomie« einfach schon jede Arbeit produktiv ge
nannt, welche »etwas zum Genuß direkt oder indirekt, kurz,
etwas Nützliches hervorbringt«. 7 )
Nach dieser Auseinandersetzung wegen der Eingangs
angeführten Äußerung Kankrins über den Charakter seiner
Lehre, wollen wir uns nun zur eigentlichen Frage nach
seinem eigenen Standpunkte wenden.
In seiner Lehre geht Kankrin bekanntlich vom Welt-
re ichtume aus, den er als »Inbegriff der Güter, die zum
Leben der Menschen im gesellschaftlichen Zustand auf der
b Weltr. 5. — 2 ) Weltr. 6. — 3 ) Weltr. 25. — 4 ) Weltr. 33. -
5 ) Weltr. 26. — «) Weltr. 34. — 7 ) Ök. 8/9.