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Eine wichtige Rolle haben die Ziegenfelle in der Geschichte der
Chromgerberei gespielt; denn Chromziegenleder war der erste Artikel,
welcher von Amerika aus in der Chromgerbung seinen Ausgangspunkt
nahm und nun eines der wichtigsten Produkte dieser Gerbungsart bildet.
Hauptsächlich ist es die als Chevreaux bekannte Zurichtungsart, in
welcher das Chromziegenleder ein Hauptmaterial für die Herstellung
von feinem Schuhwerk abgibt *).
Der gewöhnlichen Weißgerberei des Mittelalters gelang es offenbar
nicht, die wertvollen Eigenschaften des Ziegenfelles zur Geltung!zu
bringen, wenn man nicht annehmen will, daß nur minderwertige Häute
weißgar gemacht wurden; denn die weißen Hammelhäute der Pariser
Weißgerber pflegte man „schlechte Weißgerberware" zu nennen^), aber
auch heute noch wird, wenn auch nur in geringem Umfange, Ziegen
fell mit Alaun und Kochsalz gegerbt^).
Neben der Verarbeitung zu feinen lohgaren und chromgaren Ledern
ist der dritte Hauptkonsument von Ziegenfellen die Glacegerberei, und
zwar mit der lokalen Begrenzung, daß man fast die Regel der Iden
tität des französischen und des ziegenledernen Handschuhes ausstellen
kannH. Die Refugiees brachten am Ende des 17. Jahrh, zwar den
ziegenledernen Handschuh nach Deutschland, 1792 z. B. wurden in Er
langen 143 000 Ziegenfelle von ihnen gegerbt °), einender größten
französischen Etablissements in Chanmont weist um 1900 eine jährliche
Leistungsfähigkeit von 1 Million Fellen auf"), aber trotzdem, wenn
gleich natürlich auch in Deutschland, vielleicht hauptsächlich auf die
Hugenotten zurückzuführen, nicht unbedeutende Mengen von Ziegenfellen
für Glace, Chevreaux usw. aufgenommen werden 7 * ), so stehen sie doch
z. B. im Berliner Bezirk nicht an erster Stellendes Konsums^), in
Kirchhain, kann man sagen, wird nicht ein einziges Ziegenfell gegerbt,
bei den Wiener Gerbern stehen Ziegenfelle ebenfalls erst an dritter
oder vierter Stelle °), und in Rußland 10 ) werden nur sehr wenige Ziegen
für solche Zwecke verbraucht. Es hängt dies, wie schon gezeigt wurde,
damit zusammen, daß besonders Schaf und Fohlen, dann auch Kalb
und Alaunspalte außerhalb Frankreichs eine das Ziegenfell über
ragende Rolle spielen; der tiefere, ebenfalls schon angedeutete Grund
hierfür aber ist zu suchen einmal in den verschiedenen'Wanderungs-
wegen der Haustiere und in der verschiedenen agrarhistorischen Ent-
0 Gerber 1902, S. 291. ®) Schauplatz 1775, Bd. II, S. 308.
3 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032.
4 ) Vgl. Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 2. Beilage.
6 ) Schanz 1884, S. 93. “) Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 2. Beilage.
7 ) Vgl. z. B. Schmidt und Wagner 1905,sS. 475.
8 ) Ledermarkt 1893, S. 1235. 9 ) Weiskirchner 1896, S. 485.
10 ) Ledermarkt 1893, S. 1332.