Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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wo  sie  wegen  ihrer  schönen  Narbe  bis  in  die  Mitte  des  19.  Jahrh,
für  Buchbinderzwecke  x )  wegen  ihrer  Festigkeit  zur  Herstellung  von
Sieben,  so  in  Italien  im  16.  Jahrh?),  in  Deutschland  bis  in  das
18.  Jahrh?'),  und  wegen  dieser  beiden  Eigenschaften  zum  Überziehen
von  Koffern  Verwendung  fanden  Z.
Eine  im  Vergleich  zu  seiner  Bedeutung  übergroße  Aufmerksamkeit,
welche  aber  aus  den,sich  ihm  anschließenden  Handwerksmißbräuchen  des
Mittelalters  und  aus  der  ihm  zugeschriebenen  Heilkraft  5  6 )  erklärlich  wird,
hat  das  Hundeleder  auf  sich  gezogen.
Hundehäute  wurden  wohl  während  des  ganzen  Mittelalters  lohgar
gemacht  H,  aber  erst  die  im  16./17.  Jahrh,  gegen  eine  Übersetzung  des
Handwerks  nötig  werdenden  Repressalien  begründeten  auf  der  Verarbeitung ­
  dieser  Häute  eine  Handwerksunehrlichkeit.  Erst  das  Gesetz
von  1731  und  seine  Einführungsgesetze  in  den  verschiedenen  Ländern  7 )
hoben  ausdrücklich  die  an  der  Verarbeitung  der  Hundehäute  bisher
klebenden  Unrechtsfolgen  auf,  und  wir  sehen  dann  in  der  Folgezeit,  wie
man  dieses  feste,  leider  nicht  in  großen  Mengen  anfallende  Hautmaterial
in  lohgarer  Form  für  Schusterarbeiten  zu  verwenden  sucht 8  * ).
Während  weiter  Hundehäute  in  der  gewöhnlichen  Weißgerberei  nur
eine  ganz  untergeordnete  Rolle  gespielt  haben,  stieg  ihr  Wert  immer
mehr  zur  Herstellung  feiner  Ledersorten;  denn  das  Hundeleder  zeichnete
sich  durch  große  Zähigkeit  und  festen  geschlossenen  Narben  in  Verbindung ­
  mit  großer  Haltbarkeit  bei  geringer  Dicke  aus")  und  kommt
entweder  in  feiner  lohgarer  Form  unter  dem  Namen  Dogskin  10  * ),  häufiger
noch  in  glacegarer  Form  als  wertvolles  Material  zur  Herstellung  von
Handschuhen,  da  es  für  Schuhfabrikation  meist  nicht  groß  genug  ist,  in
den  Handel").
Katzen  pelze  werden  häufig  in  der  Kürschnerei  verbraucht;  man
besucht  selten  eine  Weißgerberei,  welche  nicht,  wie  schon  in  früherer
Zeit"),  so  auch  jetzt  neben  den  wenigen  Schafpelzen  oft  eine  beträchtliche ­
  Anzahl  von  Katzenpelzen  zum  Weißgarmachen  hängen  hätte,  und

')  Rüst  1814,  S.  336.  2 )  Fioravanti  1564,  Bd.  I,  S.  11.
з)  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  381.  *)  Schauplatz  1775,  Bd.  II,  S.  301.
6 )  Schauplatz  1775,  Bd.  II,  S.  122;  Becher  1663,  S.  23.
»)  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  417.
7 )  Siche  z.  B.  Gunzeuhauseu  1649—1770,  1732,  1764,  S.  17  dieses  Erlasses.
8 )  Keeß  1820;  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  118.
e )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  276.
10 )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  709.
и )  Weiskirchner  1896,  S.  485;  Brüggemann  1875,  S.  1;  Schmidt  und
Wagner  1905,  S.  475.  12 )  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  118;  Becher  1663,  S.  35.
            
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