Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

- 44 — 
Damit die reproduktive Arbeit einen Überschuß ab 
werfe, — denn produktiv kann nach dem »Weltreichtum« 
»nur die Arbeit genannt werden, welche mehr hervorbringt, 
als sie, alles in Rechnung gebracht, verzehrt« 1 ) — sei noch 
eine »unabhängig-schaffende Kraft« nötig, welche sich in 
Form von Natur- oder Genie-Kraft äußert. So sei z. B. 
rein produktiv der Ackerbau, die Vieh- und Wildzucht. 2 ) 
Die Produktivität des Genies trete hauptsächlich in Kunst 
werken und Entdeckungen zutage. 2 ) 
Bedingt produktiv nennt Kankrin endlich die Arbeit, 
bei der »zwar die Naturkraft mitwirkt, dem Mißlingen und 
Zufall aber Raum gegeben ist,« z. B. bei der Jagd, dem Berg 
bau etc. 3 ) 
Die hier gekennzeichnete und von Kankrin im »Welt 
reichtum« entwickelte Produktivitätslehre läßt einen wenn auch 
ziemlich entfernten Einfluß des Physiokratismus vermuten, 
da Kankrin ebenso wie die Physiokraten die Produktivität 
nur der ländlichen Arbeit zuschreibt, während er diese dem 
Gewerbe und dem Handel abspricht. Im übrigen aber, was 
die Produktivität des Genies etc. betrifft, entfernt sich Kankrin 
weit von den Physiokraten, die er zudem nur aus den 
mangelhaften deutschen Quellen (vgl. »Biogr. Skizze« oben) 
kennen gelernt und mißverstanden zu haben scheint. 
Daß diese im »Weltreichtum« entwickelte Lehre von 
der Produktivität nicht recht für den merkantilistischen Stand 
punkt paßt, scheint auch Kankrin selbst gemerkt zu haben, 
da er seine Zuflucht zu der von ihm sogenannten »Pro 
duktion« des Genies, von der oben schon die Rede war, 
dann zu der Privation, der Übervorteilung (»Vervorteilung«) 
und des Raubes nimmt. Diese »Produktions«-Arten, welche 
wir ausführlicher schon in dem vorhergehenden Kapitel be 
handelt haben und welche in der Kankrinschen Lehre für 
den Nationalreichtum von größter Bedeutung sind, 4 ) be 
wirken nach Kankrin, daß das an sich reproduktive Gewerbe 
i) Weltr 24. - 2 ) Weltr. 26. — 3 ) Weltr. 25. — *) Weltr. 28.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.