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kommt, und endlich zerstörend, wenn nicht nur kein Gewinn,
sondern auch kein Äquivalent herauskommt. 1 )
»In einer wohlbehaltenen (wohlgeordneten G. Sch )Volks-
gesellschaft — sagt Kankrin — sollte alles Produzierte in einem
verhältnismäßigen Zeitraum verzehrt werden und nur immer
das übrig bleiben, was bei jeder Sache zum unentbehrlichen
Vorrat nötig ist.« 2 ) Aber bei dem jetzigen hochzivilisierten
Gesellschaftszustand und bei der technisch fortgeschrittenen
Industrie kommen sehr oft Überproduktionserscheinungen
und Stockungen vor. »Mit vermehrter Bevölkerung, ver
größertem Kapital, erhöhter Zivilisation, ausgebildeterer In
dustrie entsteht in einem Lande notwendig die Tendenz
immer mehr zu produzieren, und zugleich führt die Industrie
zur Sparsamkeit.« 3 ) Das Übel vermehre sich besonders
dadurch noch mehr, daß »ein Teil der arbeitenden Klasse
für das Ausland« produziere und »mit schwerer Konkurrenz
zu kämpfen« habe. 3 )
Dazu trete, namentlich in neuerer Zeit, noch »die
Tendenz des Thesaurierens« hinzu. »Man verzehrt — sagt
Kankrin — seine Zinsen nicht, legt einen Teil wieder an,
vermehrt so viel als möglich die Produktion, gibt sparsam
aus, und daher das drohende Mißverhältnis der Produktion
gegen die Verzehrung, daher die beinahe unglaubliche An
häufung von Kapitalien, die Leichtigkeit der Staatsschulden
und großer Unternehmungen; daher aber auch die allzu
große Ungleichheit in der Verteilung des Kapitals, seine
Überschwenglichkeit, der unverhältnismäßige Anteil der
großen Massen an den verzehrbaren Dingen«. 4 )
Diesem hier gekennzeichneten Standpunkte Kankrins,
dem Standpunkte nämlich eines Mittelstandspolitikers, ent
bricht auch sein Verhalten zu der Bevölkerungsfrage.
Kankrin ist kein Freund der zu großen Vermehrung
der Bevölkerung. Er meint, es gebe »eine Grenze der Be
völkerung, jenseits derer ihre Vermehrung mehr Übel als
>) ök. 202. - 2 ) Ök. 31. 8 ) Ök. 32. - 4 ) Ök. 33.