Full text : Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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kommt,  und  endlich  zerstörend,  wenn  nicht  nur  kein  Gewinn,
sondern  auch  kein  Äquivalent  herauskommt. 1 )
»In  einer  wohlbehaltenen  (wohlgeordneten  G.  Sch  )Volksgesellschaft
  —  sagt  Kankrin  —  sollte  alles  Produzierte  in  einem
verhältnismäßigen  Zeitraum  verzehrt  werden  und  nur  immer
das  übrig  bleiben,  was  bei  jeder  Sache  zum  unentbehrlichen
Vorrat  nötig  ist.« 2 )  Aber  bei  dem  jetzigen  hochzivilisierten
Gesellschaftszustand  und  bei  der  technisch  fortgeschrittenen
Industrie  kommen  sehr  oft  Überproduktionserscheinungen
und  Stockungen  vor.  »Mit  vermehrter  Bevölkerung,  vergrößertem ­
  Kapital,  erhöhter  Zivilisation,  ausgebildeterer  Industrie ­
  entsteht  in  einem  Lande  notwendig  die  Tendenz
immer  mehr  zu  produzieren,  und  zugleich  führt  die  Industrie
zur  Sparsamkeit.« 3 )  Das  Übel  vermehre  sich  besonders
dadurch  noch  mehr,  daß  »ein  Teil  der  arbeitenden  Klasse
für  das  Ausland«  produziere  und  »mit  schwerer  Konkurrenz
zu  kämpfen«  habe. 3 )
Dazu  trete,  namentlich  in  neuerer  Zeit,  noch  »die
Tendenz  des  Thesaurierens«  hinzu.  »Man  verzehrt  —  sagt
Kankrin  —  seine  Zinsen  nicht,  legt  einen  Teil  wieder  an,
vermehrt  so  viel  als  möglich  die  Produktion,  gibt  sparsam
aus,  und  daher  das  drohende  Mißverhältnis  der  Produktion
gegen  die  Verzehrung,  daher  die  beinahe  unglaubliche  Anhäufung ­
  von  Kapitalien,  die  Leichtigkeit  der  Staatsschulden
und  großer  Unternehmungen;  daher  aber  auch  die  allzu
große  Ungleichheit  in  der  Verteilung  des  Kapitals,  seine
Überschwenglichkeit,  der  unverhältnismäßige  Anteil  der
großen  Massen  an  den  verzehrbaren  Dingen«. 4 )
Diesem  hier  gekennzeichneten  Standpunkte  Kankrins,
dem  Standpunkte  nämlich  eines  Mittelstandspolitikers,  entbricht ­
  auch  sein  Verhalten  zu  der  Bevölkerungsfrage.
Kankrin  ist  kein  Freund  der  zu  großen  Vermehrung
der  Bevölkerung.  Er  meint,  es  gebe  »eine  Grenze  der  Bevölkerung, ­
  jenseits  derer  ihre  Vermehrung  mehr  Übel  als
>)  ök.  202.  -  2 )  Ök.  31.  8 )  Ök.  32.  -  4 )  Ök.  33.
            
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