Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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durch  den  das  Werturteil  des  Menschen  gebildet  wird.  Obgleich
dieses  eigentlich  nicht  zu  unserem  Thema  gehört,  so  ist  doch  die  Anführung ­
  dieser  Tatsache  von  Bedeutung  für  die  Vergleichung  späterer
Theorien,  bei  denen  der  Wert  in  unmittelbare  Abhängigkeit  von  der
Produktion  gebracht  wird.  Turgot  ist  aber  sicher  auf  dem  richtigen
Wege,  denn  der  Wert  ist  es,  der  die  Produktion  bestimmt,  und  nicht
umgekehrt,  wie  wir  es  z.  B.  bei  Karl  Marx  finden  werden,  der  den
Wert  einer  Sache  allein  nach  der  Summe  der  zur  Herstellung  verwandten ­
  Arbeit  berechnen  will.  Allerdings  verfällt  auch  Turgot  der
Einseitigkeit,  indem  er  das  Bedürfnis  als  das  allein  maßgebliche
hinstellt.
Kritik.
Die  beiden  Hauptfehler,  an  denen  die  physiokratische  Produktionslehre ­
  krankt,  sind  leicht  einzusehen.  Einmal  sind  sich  die  Physiokraten
  über  den  Begriff  der  „Produktion“  nicht  klar  gewesen.  Sie
verstanden  unter  „produzieren“  ein  Hervorbringen  von  neuen  Gütern,
während  es  doch  in  Wirklichkeit  nichts  anderes  heißt  als:  Umformen
von  vorhandenen  Stoffen  in  der  Art,  daß  dabei  ein  Überschuß  von
Werten  erzielt  wird.  Zu  dem  einmal  vorhandenen  Stoff  und  der  einmal ­
  vorhandenen  Kraft  können  wir  nicht  das  geringste  hinzutun  oder
davon  wegnehmen.  Und  darin  liegt  der  zweite  Irrtum  der  Physiokraten,
daß  sie  annahmen,  die  Landwirtschaft  bringe  neue  Produkte  hervor;
auch  sie  formt  nur  die  im  Boden  vorhandenen  Stoffe  und  Kräfte  um.
Auf  Grund  dieser  beiden  Irrtümer  ist  es  selbstverständlich,  daß
die  Physiokraten  dem  Kapital  keine  Produktivität  zuschrieben,  und  in
Anbetracht  dessen,  daß  über  diese  beiden  soeben  richtig  gestellten
Tatsachen  auch  heute  noch  lange  nicht  allgemein  die  wünschenswerte
Klarheit  herrscht,  werden  wir  nur  gut  tun,  wenn  wir  nicht,  wie  es
leider  häufig  geschieht,  mit  geringschätzender  Überlegenheit  auf  den
Physiokratismus  als  einen  längst  überwundenen  Standpunkt  herabsehen.
Wir  können  dies  um  so  eher  tun,  als  auch  Adam  Smith,  den  wir  im
folgenden  Kapitel  einer  näheren  Untersuchung  unterziehen  wollen,
trotzdem  er  diese  beiden  Grundfehler  wohl  erkannt  hat,  nur  mit
größter  Hochachtung  von  Quesnay,  Turgot  und  ihren  Anhängern
spricht.
            
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