fullscreen: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

An den Versammlungen der Arbeiter wurde über die Vor- 
lnge geschimpft, weil sie bezwecke, ihnen jede Selbstständigkeit 
zu rauben und sie noch mehr unterthänig zu machen; als 
şieis basar biete man ihnen einen Minimallohn und etwelche 
Mehrordnung iin Abzugswesen. 
An den Fabrikantenversammlungen bekämpfte man die 
Vorlage, weil sie den Arbeiter znm Herrn des Fabrikanten 
machen wolle, den letzteren Chicanen aussetzen lourde und 
dergleichen. Hüben und drüben sprach man von „Geßler- 
hilten" und anderen Motiven ans Schillers Tell, welche 
jeweiten aufmarschiren, wenn man sich anschickt, einen Akt 
großer Kurzsichtigkeit und Eg visterei zu begehen. Die wahre 
Stimmung in Fabrikantenkreisen zeichnet aber wohl am besten 
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sammlung, dahingehend, wenn man eine Regelung der Frage 
wollte, so nuiren die Vorschläge so übel nicht;'man wolle 
aber keine Regelung. 
Das tragikomischste an der Sache war, daß, trotz des 
Einverständnisses zwischen Fabrikanten und einem Theil der 
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mi ihren Versammlungen nach Herzenslust sich gegenseitig 
maltraitirten; die einen klagten liber die Vlutsangerei der 
Fabrikanten, die anderen über die Unverschämtheit der Arbeiter. 
Unter solchen Strömungen trat die außerordentliche 
Delegirtenversammlnng vom 17. Dezember 1889 zusammen, 
welche in Sachen zu entscheiden hatte. Man kannte den 
Standpunkt der Mehrzahl der Fabrikanten zum Voraus 
genau, interessanter aber war, wie sie ihn vertheidigten. Es 
loar eine große Komödie; oder dann war die vorausgehende 
Agitation eine. Da wurde zuerst das freundliche Verhältniß 
zwischen Fabrikant und Fabriksticker gepriesen, das durch be 
absichtigte chicanöse Institute wie Schiedsgerichte nur geschädigt 
würde. Dieselben hielten zudem nicht das, was sie. ver 
sprochen ; Fabrikant und Einzelsticker wußten nun schon lange,
	        
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