Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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IV.  Kapitel.
J.  St.  MUL
Sehr  viele  haben  auf  dieser  von  Adam  Smith  gelegten  Grundlage
weitergearbeitet,  hier  und  dort  einen  kleinen  Fehler  berichtigend  und
sein  System  nach  den  verschiedensten  Richtungen  hin  ausbauend.  Es
ist  daher  überflüssig,  die  Anschauungen  aller  dieser  an  sich  sehr  bedeutenden ­
  Gelehrten  wie  Malthus,  Bastiat,  Carey,  von  Thünen,  und
vor  allem  Ricardo  wiederzugeben  und  wir  wollen  uns  darauf  beschränken, ­
  eine  kurze  Schilderung  der  endgültigen,  von  all  den  oben
erwähnten  großen  Nationalökonomen  weiter  gebildeten  Smithschen
Lehre  zu  geben,  wie  wir  sie  am  besten  bei  J.  St.  Mill  finden.
Es  ist  zweifelhaft,  ob  wir  ihn  unter  die  Großmeister  unserer
Wissenschaft  rechnen  sollen,  aber  er  ist  deshalb  für  uns  von  Wichtigkeit, ­
  weil  er  in  seinem  umfassenden  Wissen  alles,  was  seit  Adam
Smith  geschrieben  war,  kannte,  verwertete  und  kritisch  sichtete.  Er
gibt  uns  somit  in  seinen  „Principles  of  Political  Economy“  eine  gute
Übersicht  über  die  damals  allgemein  herrschenden  Smithschen  Anschauungen. ­
  Bezeichnend  ist,  daß  sein  oben  genanntes  Hauptwerk
heute  noch  das  verbreitetste  und  gelesenste  englische  Lehrbuch  der
Nationalökonomie  ist.
Als  erste  Erfordernisse  der  Produktion  sehen  wir  bei  ihm  „die
menschliche  Arbeit  und  geeignete  Naturgegenstände“  1 ),  er  deckt  sich
hier  also  vollkommen  mit  Adam  Smith,  geht  aber  dann  sogleich  einen
bedeutsamen  Schritt  weiter  als  dieser,  indem  er  den  Begriff  „Arbeit“
nicht  so  eng  faßt,  sondern  jegliche  Art  Arbeit  als  produktiv  gelten
läßt.  Er  kennt  zwar  auch  unproduktive  Arbeit 1  2 ),  schränkt  aber  ihren
Umfang  bedeutend  ein.  Indessen  müssen  wir  auch  mit  dem  Ausdruck ­
  „produktiv“  recht  vorsichtig  sein,  denn,  so  führt  Mill  treffend
aus,  selbst  die  größte  Summe  Arbeit  ist  nicht  imstande,  auch  nur  das
kleinste  Stäubchen  hervorzubringen,  sie  kann  nur  bewegen  und  umformen. ­
  Im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  „produktiv“  ist  nur  die
Natur,  einzig  und  allein  die  Natur.  Der  Mensch  kann,  wenn  wir  es
uns  genau  betrachten,  mit  seiner  Arbeit  bloß  Material  und  Werkzeuge
1 )  J.  St.  Mill,  Grundsätze  der  politischen  Ökonomie,  Übers.  Adolph  Soetbeer,
Hamburg  1852,  I,  29.
2 )  Ders.,  a.  a.  0.,  I,  55  ff.
            
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