Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

27

Kritik.
Es  sind  also  der  produktiven  Ursachen  viele,  die  die  Erscheinungen
unseres  Wirtschaftslebens  bedingen,  unendlich  viele,  so  daß  die  Aufstellung ­
  der  Lehre  von  den  drei  Produktionsfaktoren  nur  ein  Schema
ist,  um  Ordnung  in  die  sonst  unentwirrbaren  Verkettungen  von
Ursache  und  Wirkung  zu  bringen.  Es  ist  ein  Irrtum  von  Rodbertus
und  Marx,  daß  sie  dies  völlig  außer  acht  lassen,  und  Natur,  Arbeit
und  Kapital  wie  genau  umgrenzte,  restlos  definierte  Größen  behandeln
und  mit  ihnen  geradezu  mathematische  Experimente  ausführen.
An  fühlbaren  Mängeln  können  wir  bei  Mill  nur  zwei  kurz  erwähnen:
erstens  hätte  er  der  Beschränktheit  der  meisten  Naturgaben  die  Beschränktheit ­
  der  menschlichen  Arbeit  gegenüberstellen  müssen,  da  er
gerade  in  dieser  Beschränktheit  bei  der  Natur  das  Wertbildende  hatte
sehen  wollen.  Man  kann  verschiedener  Meinung  darüber  sein,  ob  es
nötig  ist,  zur  Erklärung  des  Wertes  der  menschlichen  Arbeitskraft
die  Tatsache  anzuführen,  daß  sie  nur  in  begrenzter  Menge  zur  Verfügung ­
  steht,  doch  war  eine  solche  Gegenüberstellung  innerhalb  der
Mill’schen  Ausführungen,  in  denen  ein  so  unbedingt  lautender  Satz
wie:  „Solange  die  Menge  einer  Naturkraft  unbeschränkt  ist,  kann  sie
keinen  Marktwert  bedingen“  1 )  zu  finden  ist,  unbedingt  nötig.  Wie
wir  schon  erwähnten,  hat  Bodbertus  diese  schwache  Stelle  erkannt
und  seinerseits  die  Behauptung  von  der  Beschränktheit  der  menschlichen ­
  Arbeit  zum  Eundamentalsatz  seines  Systems  erhoben 2 ).
Zweitens  hat  sich  Mill,  gleich  wie  Adam  Smith,  damit  abgequält,
eine  genaue  Scheidung  zwischen  produktiver  und  unproduktiver  Arbeit
zu  treffen.  Es  ist  dies  unserer  Meinung  nach  ein  zweckloses  Bemühen.
Im  letzten  Grunde  ist  eine  jede  Arbeit,  die  mehr  Werte  neu  hervorbringt ­
  als  sie  zerstört,  produktiv;  denn  auch  die  Arbeit,  die  in  einem
unmittelbaren  Genüsse  endet,  verschafft  vielen  Arbeitern  einen  Verdienst, ­
  den  diese  ihrerseits  nutzbringend  verwenden  können.
Neben  den  erwähnten  kleinen  Mängeln  sind  die  Fortschritte
der  „Epigonen“  des  Adam  Smith,  deren  Gedanken  wir  bei  Mill
gesammelt  finden,  ihrem  großen  Vorgänger  gegenüber  unverkennbar: ­
  sie  haben  die  große  Bedeutung  der  Natur  nachgewiesen,  der
geistigen  Arbeit  und  der  Arbeit  zur  Aufrechterhaltung  der  öffentlichen ­
  Ordnung  zu  ihrem  Hechte  verholfen,  haben  die  Wichtigkeit

1 )  Mill,  a.  a.  0.,  I,  36.
2 )  Rodbertus,  Zur  Erkenntnis  uns.  staatswirtschaftl.  Zust.,  S.  6.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.