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Heben und Bergen verunglückter Schiffe.
ungefähr auf die alte Wasserlinie hinabgedrückt hätte werden müssen, um einen genügenden
Auftrieb zu erzeugen (Abb. 587).
Um die Schnelligkeit der Verdrängung des Wassers zu erhöhen, also die Gefahr zu
vermindern, daß ein inzwischen ausbrechender Sturm die Arbeit stört oder vernichtet, hat
man das Einpumpen der Luft durch die weit lebhaftere Entwickelung von Gasen zu ersetzen
gesucht. Dr. Raydt in Hannover hat gepreßte Kohlensäure in Vorschlag gebracht, welche
in eisernen Gefäßen befindlich, einen außerordentlich kleinen Raum einnimmt und die
Füllung sehr schnell zu bewirken im stände ist. Haedicke entwarf zu gleichem Zweck eine
Rakete, welche, einmal (elektrisch) entzündet, Pulvergase in den Schiffsraum treibt. Die
selbe ist aus Gußeisen gefertigt und enthält einen zickzackförmigen, mit Raketenmasse ge
füllten Kanal von außerordentlicher Länge, so bemessen, daß die Gase selbst nach ihrer
Abkühlung den genügenden Auftrieb geben.
Die Hebung des „Großen Kurfürsten" ist jedoch nicht zustande gekommen.
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586 u. 587. Michtrir des Lrrsts des „Großen Kurfürsten".
Zu den nicht gerade selten eintretenden Schiffsunfällen gehört das auf Grund
geraten. Das Flottmachen derartiger Fahrzeuge läßt sich in vielen Fällen dadurch er
reichen, daß die Fracht ausgeladen wird, worauf das Schiff sich vom Boden erhebt.
Genügt das Ausschiffen der Fracht jedoch nicht, um eine genügende Verminderung des
Tiefgangs zu erreichen, so gestaltet sich die Sachlage ernster.
Handelt es sich um sehr schwere Schiffe, etwa um ein modernes Panzerschiff, so ist
selbst eine Hebung mittels Pontons und Luftkasten nicht ausführbar, und man muß seine
Zuflucht zu anderen Hilfsmitteln nehmen. Als ein solches stellt sich bei günstigen Grund-
verhältnissen das Fortspülen des Sandes dar. Hierzu bedient man sich eines sehr kräftigen
Wasserstrahls, der durch mächtige Pumpen hervorgebracht wird. Auf diese Weise ist
z. B. das englische Panzerschlachtschiff „Bictorious" auf der Reede von Port Said flott
gemacht worden. Dieses Schiff besitzt eine Länge von 119 m, einen Tiefgang von 8,6 in
und ein Gewicht von 14900 t. In diesem Falle wurde auf der einen Seite des Schiffes
ein Saugbagger verlegt, der mittels eines Rohres den Schlamm am Boden durch Auf
saugen fortnahm, während der zweite Bagger auf der anderen Seite den Sand mittels
einer Wasserstrahlpumpe aufwühlte. Es gelang, das Schiff innerhalb weniger Tage wieder
flott zu machen.