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gallisch-römischen Kultur ein, und die burgundische
Schweiz wurde zum französischen Sprachgebiet. In
den Tälern Bündens blieb das rätoromanische Volk
vor der Alemannenüberflutung verschont und be
wahrte seine Sprache bis zur Gegenwart. Die Be
wohner der Südschweiz lehnen sich in Abstammung
und Sprache eng an ihre Nachbarn in Nord -
italien an.
Mischung Die Schweiz liegt als Ubergangsgebict zwischen
den hellen nordeuropäischen und den dunklen süd-
europäischen Völkern. Ungeachtet der Gebirgs-
schranke hat herüber und hinüber eine starke Durch
dringung beider Bestände stattgefunden. Es wird
geschätzt, daß zwei Dritteile der heutigen Bewohner
des Landes eine Mischung der Körpermerkmale nor
discher und südlicher Völker aufweisen.
Bolködichte V o l k s d i ch t e. Nach den vorläufigen Ergeb
nissen der Volkszählung hatte die Schweiz am 1.
Dezember 1910 3 741 971 Einwohner. Die Volks-
dichtc beträgt demnach 91 auf den km- der Ge
samtfläche ; auf die Fläche des produktiven Boden-
berechnet steigt der Durchschnitt auf 123 für den
km 2 . Infolge der starken Gliederung des Landes
ist die Volksdichte sehr ungleich. Auffällig wirkt
besonders der Gegensatz zwischen Gebirge und Flach
land. Eine Linie vom obern Genfersee dem Alpen
fuß entlang zum obern Ende des Bodcnsees nennt
den stärker bevölkerten Nordwesten des Landes (Mit
telland und Jura) vou den durchschnittlich schwä
cher bewohnten Alpen. Dicht bevölkerte Gebiete sind
die Städte mit ihrer Umgebung, einzelne Seeuser
strecken (am obern Genfersee und am untern Zürich
fee), die tiefgelegenen Talschaften des Mittellandes
und des südlichen Tessins, dann aber auch die
Jndustriebezirke der Juratüler und des Appenzeller
Hügellandes. Im Mittelland zieht sich das von
Menschen bewohnte und bebaute Gebiet als fast