Full text: Die Schweiz

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Die feuchten Südwestwinde geben Regen und Schnee 
am Außenrand und in den hochliegenden Teilen 
des Gebirges ab. Der Talkessel der Rhone da 
gegen ist trocken. Die Niederschlagsmenge sinkt 
im mittleren Wallis bei Siders auf 57 cm, bei 
Grächen im Nikolaital, dem trockensten Ort der 
Schweiz, auf 53 cm. Bei der geringen Bewöl 
kung und der Seltenheit der Nebel ist die Sonnen 
strahlung so wirksam wie in den südlichen Alpen 
tälern. In den Hochsommertagen strahlen die son- 
nendurchglühten Felswände noch lange nach Sonnen 
untergang die Wärme zurück, so daß oft erst um 
Mitternacht die Kühle eintritt. Dem landcsunkun- 
digen Besucher verrät sich die Trockenheit des mitt 
leren Wallis schon durch die mächtige Staubschicht 
der Landstraßen und durch die Kahlheit der ausge 
dörrten Felshalden. Unter der versengenden Glut 
der Sonne wachsen auf dem trockenen Felsgrund 
kleinblättrige Gestrüppe, und Pflanzen, die 
durch ein Haarkleid die Verdunstung mindern oder 
in fleischigen Blättern Feuchtigkeit aufspeichern. Die 
Trockenheit macht künstliche Bewässerung nötig. 
Lange Leitungen, die Wasserfuhren oder „bisses“, 
mit staunenswerter .Kühnheit den Schutthalden und 
senkrechten Felswänden entlang und über Schluch 
ten hinweg angelegt, führen von den Gletschern 
des Talhintergrundes oder aus Bergseelein das Was 
ser zu den Getreidefeldern und zu den Bergwiesen 
chnaus. Sogar der Weinstock, der in der übrigen 
Schweiz eher unter zu großer Feuchtigkeit leidet, 
muh hier bewässert werden. Der gemeinschaftliche 
Unterhalt und die gemeinschaftliche Nutzung der 
Wasserfuhren nach den genau befolgten Satzungen 
des Wasserrechtes stärken in hohem Maße den Zu 
sammenhalt der Gemeindeglieder. 
Bis zur Höhe von 1000 m über Meer sind 
an den sonnigen Halden terrassenartig ausgemauerte 
Trockenheit 
Bewässerung 
Landes 
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