135
Horns, nahe der Waldgrenze, stehen bis 1936 m
die sonnengeschwärzten Holzhäuschen von Chandvlin,
dem höchstgelegenen Kirchdorf im Wallis.
Die Dörfer des Rhonetales wurden, zum Schutz
vor den Verwüstungen der Rhone, meist am Rande
der Talebene in etwas erhöhter Lage angelegt.
Die größten stehen auf den Schuttkegeln der Seiten
bäche, wo sie zugleich den Verkehr ins Seitental
hinein beherrschen. Die sonnige Talseite wird, eine
im Gebirge bekannte Erscheinung, als Wohnfläche
bevorzugt; der Wald erscheint hier gegenüber der
Schattseite stark zurückgedrängt. Einzelne Gemein
den besitzen Kulturland in allen Höhenlagen, von
der Sohle des Rhonetales an bis zum Gebirgs-
kamm hinauf. So wird der Walliser Winzer, Ge
treidebauer und Senne in einer Person. Die
Vereinigung so verschiedener Zweige des Boden
baues setzt die Bevölkerung in stand, für die eige
nen Bedürfnisse selbst aufzukommen, wie denn auch
in den konservativen Landschaften des Goms und
der Seitentäler die Anfertigung der Geräte, der
Kleider, ja sogar der Bau der einfachen Häuser
noch vielfach den Familiengliedern selbst obliegt.
Die Abgeschlossenheit der einzelnen Talschaften nö
tigte die Bewohner frühzeitig, sich auf eigene Füße
zu stellen und jede Abhängigkeit von der Außen
welt zu vermeiden. Dieser Zug beherrscht die
Geschichte des ganzen Landes, das, auch als zuge
wandter Ort der Eidgenossenschaft, stets sorgfältig
oemüht war, seine staatliche Sonderstellung zu wah
ren. Bei der Abgeschlossenheit des Landes und dem
geringen Verkehr über die Bergpässe hinweg hielt
sich die Bevölkerung des Wallis mehr als irgend
ein anderes Bergvolk der Schweiz von den neu
zeitlichen Kulturveränderungen fern und bewahrte
sich bis zur Gegenwart in der Art des Erwerbs,
in Sitte und Tracht einen reichen Schatz ursprüng-
Torftr
Wirtschaft